Nach 20 Jahren vor dem Aus

Das 20. Postplatz Openair in Appenzell am 19./20. Juli wird auch das letzte sein. Doch die Initianten versprechen für 2015 eine neue Form von Konzerten im Zentrum von Appenzell.

Michael Hug
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Gründeten vor 20 Jahren das Postplatz Openair in Appenzell: Martin Birrer und Maurus Dörig (rechts). (Bild: Michael Hug)

Gründeten vor 20 Jahren das Postplatz Openair in Appenzell: Martin Birrer und Maurus Dörig (rechts). (Bild: Michael Hug)

APPENZELL. Für die Fans war es ein Schock: Das Postplatz Openair gibt es bald nicht mehr. «In dieser Form wird das 20. Openair das letzte sein», sagt Martin Birrer, Gründer und zuständig für Presse und das Marketing. «20 Jahre sind eine lange Zeit», sagt auch Maurus Dörig, Co-Gründer und OK-Chef, und lässt ein wenig «Amtsmüdigkeit» durchscheinen. «Trotzdem, es kribbelt schon wieder für etwas Neues», meint er, «es liegt also nicht am Nicht-mehr-Wollen, vielmehr wollen wir einfach einmal etwas Neues machen.»

Mitten im Zentrum

Beim Postplatz Openair sind Neuerungen schwierig umzusetzen. Der Anlass findet seit seiner Premiere 1993 auf dem Postplatz mitten im Dorf Appenzell statt. Einsprecher aus der Nachbarschaft versuchten dem Anlass immer wieder Knüppel zwischen die Beine zu werfen. Materielle Unterstützung von Kanton oder Gemeinde war nicht zu erwarten.

Wie viele Openairs steht auch das «Postplatz» unter dem Fluch, topaktuelle Headliner engagieren zu müssen, um aufzufallen. Deren Gagen übersteigen locker das Jahreseinkommen eines Kantonsschullehrers – für ein einziges eineinhalbstündiges Konzert. «Kaufmännisch ein absoluter Wahnsinn», sagt Dörig.

Gewinn und Verlust

Man habe in den 20 Jahren manchmal Gewinn gemacht, manchmal Verlust. Den Verlust haben die Initianten stets persönlich ausgeglichen. Hinter dem Openair steht kein Verein, sondern ein Kernteam von fünf Privatpersonen: Maurus Dörig, Miriam Mock, Reto Langenegger, Alex Nagel und Martin Birrer. «Wir wollten nie Geld machen damit, sondern waren froh, eben herauszukommen», sagt Birrer. Wenn etwas Gewinn herausschaute, wurde er durch ein Helferessen an die rund 100 Helfer weitergegeben. Weiter sagt Birrer: «Die kleinen Openairs sind bei älteren Besuchern immer noch beliebt. Abseits vom Riesenkommerz anderer Veranstaltungen sind sie überschaubar und familiär.» Diese Erkenntnis und die bereits zugesagte Unterstützung durch eine ganze Reihe Sponsoren haben die beiden Gründerväter dazu bewogen, «in anderer Form» weiterzumachen. Für 2015 versprechen sie einen auf mehrere Lokale im Zentrum verteilten Anlass, bei dem eventuell auch auf dem Postplatz eine Bühne stehen wird. Maurus Dörig: «Wir waren sehr erstaunt über die Reaktion im Dorf, als wir vom Ende des Openairs sprachen.» Ebenso erstaunt war laut Dörig der mittlerweile zurückgetretene Landammann Carlo Schmid: «Das kann es doch nicht sein. Das Postplatz gehört doch zu Appenzell!»

Am diesjährigen Openair spielen u. a. Roger Hodgson – Voice Of Supertramp (19.7.), William White, Leningrad Cowboys und Uriah Heep (20.7.) www.openairai.ch