Mutzen nicht mehr zahm wie Knut

SCHWINGEN. Am Wochenende gelangt in Burgdorf das nur alle drei Jahre stattfindende Eidgenössische Schwing- und Älplerfest zur Austragung. Die Berner Bösen sind die Favoriten, Schwinger aus der Region kämpfen zum Teil um den Kranzgewinn.

Emil Bürer
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Beda Coray aus Altstätten (oben): Der einzige Athlet des Schwingklubs Mittelrheintal am Eidgenössischen möchte seine Gegner auch in Burgdorf ins Sägemehl drücken. (Bild: Emil Bürer)

Beda Coray aus Altstätten (oben): Der einzige Athlet des Schwingklubs Mittelrheintal am Eidgenössischen möchte seine Gegner auch in Burgdorf ins Sägemehl drücken. (Bild: Emil Bürer)

Der Kampf um den Königstitel in der 52 000 Zuschauer fassenden Emmental-Arena in Burgdorf ist offen wie kaum je zuvor. Die Nordostschweizer sind nicht mehr die Gejagten, wie seit rund zwei Jahrzehnten. Rücktritte, viel Verletzungspech und eine im Vergleich zum Innerschweizer und Berner Verband schmale Spitze sind ein gewichtiges Handicap beim NOS.

Innerschweizer und Berner

Erst einmal ging der Königstitel an die Innerschweiz (Harry Knüsel in Sion 1986). Dieses Jahr fallen sie vor allem durch ihre grosse Breite aus. Zum Favoritenkreis zählt Philipp Laimbacher (wenn er fit ist). Sein Bruder Adi scheint nicht mehr so unwiderstehlich, ist aber wie Christian Schuler und Benji von Ah eine hoffnungsvolle Kraft. Die Berner Mutzen – lange zahm wie ehemals Knuddel-Knut, das Eisbären-Baby aus dem Berliner Zoo – haben in den letzten Jahren ihre frühere Durchschlagskraft wieder erlangt. Sie legen in Burgdorf ein paar heisse Kohlen ins Feuer: Der amtierende König Kilian Wenger zählt ebenso dazu wie Matthias Sempach und der Hüne Christian Stucki. Zur Gilde der engsten Herausforderer müssen auch Matthias Siegenthaler, Thomas Zaugg sowie vor allem Simon Anderegg gezählt werden.

Zum erweiterten Favoritenkreis gehören die Nordwestschweizer Bruno Gisler und Christoph Bieri. Die Südwestschweizer sind in der Ausmarchung um den Königstitel indes chancenlos, den Romands fehlt ein klarer Leader.

Der NOS-Schwingerverband tritt mit 78 Aktiven an, davon 29 St. Gallern. Die Nordostschweizer Aktiven sind nicht mehr das unschlagbare Team vergangener Jahre, es mangelt an qualitativer Breite. Die Kranz-Ausbeute von Frauenfeld 2010 (13-mal Eichenlaub) wird kaum mehr erreicht. Rücktritte haben grosse Lücken hinterlassen, dazu hat die Verletzungshexe im NOS heftig zugeschlagen. Nebst Unspunnen-Sieger Daniel Bösch fehlt auch Martin Glaus, und der Einsatz von Routinier Stefan Burkhalter (39) ist ebenfalls fraglich. Die Hoffnungen ruhen deshalb fast ausschliesslich auf dem bald 35-jährigen Arnold Forrer, dem Schwingerkönig von Nyon 2001. Forrer konnte dieses Jahr bereits fünf Kranzfeste für sich entscheiden, darunter Mitte August auch den Schwägalp-Schwinget.

Die weiteren Ostschweizer Eidgenossen wie der Appenzeller Michael Bless (Schwingclub Gais), die Bündner Beat Clopath, die St. Galler Andy Büsser, Urban Götte und Jakob Roth sowie der Thurgauer Beni Notz sind durchaus zu einem erneuten Kranzgewinn fähig. Dahinter stehen einige NOS-Aktive, die ihr Format für Eidgenössisches Eichenlaub verschiedentlich erkennen liessen. Dazu gehören der Toggenburger Urs Abderhalden, der Schaffhauser Pascal Gurtner, die Appenzeller Raphael Zwyssig und der aus Altstätten stammende Marcel Kuster sowie die Rheintal-Oberländer Fredi Kohler und Ruedi Eugster. Auch der Vorderländer Markus Schläpfer kann sich Hoffnungen machen – wenn er fit bleibt.

Fünf Rheintal-Oberländer dabei

Fünf Aktive des Rheintal-Oberländischen Schwingerverbandes konnten sich für Burgdorf qualifizieren. Es sind dies vom Schwingklub Mels Ruedi Eugster aus Quarten, der Pfäferser Fredi Kohler, Reto Bleiker (Sargans), der erst 18-jährige Walenstadter Edi Bernold sowie vom SK Mittelrheintal Beda Coray aus Altstätten.

Routinier Eugster konnte sich am Bündner und NOS-Teilverbandsfest Eichenlaub erschwingen, Kohler ebenfalls am NOS, dazu am Appenzeller und am St. Galler Kantonalen. Bleiker gelangen zwei Kranzgewinne (St. Galler und Bündner), der junge Bernold erschwang sich sein erstes Eichenlaub überhaupt am NOS-Fest und doppelte am Bündner gleich nach. Coray steht mit dem Kranz am St. Galler Kantonalen zu Buche. Anwärter auf einen Kranzgewinn sind von den Rheintal-Oberländern aber nur Kohler und Eugster.