Musisch und sportlich begabt

LEICHTATHLETIK. Die 16-jährige Widnauerin Fiona Rüttimann kann nächste Woche als einzige St. Gallerin am europäischen Jugend-Olympia-Festival (EYOF) in Tiflis starten. Die Leichtathletin des LC Brühl möchte sich im Hochsprung für den Final qualifizieren. Ihre andere Leidenschaft ist die Musik.

Yves Solenthaler
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Die 16-jährige Widnauerin Fiona Rüttimann startet nächste Woche an den europäischen Jugendspielen (EYOF) in Georgien. (Bild: Hansjörg Brunhart/deinSportmoment.ch)

Die 16-jährige Widnauerin Fiona Rüttimann startet nächste Woche an den europäischen Jugendspielen (EYOF) in Georgien. (Bild: Hansjörg Brunhart/deinSportmoment.ch)

Mit 57 anderen Athletinnen und Athleten aus der ganzen Schweiz war Fiona Rüttimann letzte Woche an der Einkleidung im Haus des Sports in Ittingen BE. Sie erhielt Wettkampf-Dresse, Trainings- und Freizeitkleider – sowie einen Knigge, zu welchem Anlass was zu tragen ist. Im olympischen Gepäck nicht fehlen durften auch Accessoires wie eine Sonnenbrille. Damit Fiona Rüttimann diese vielen Kleidungsstücke wieder nach Widnau tragen konnte, hat sie auch einen Koffer erhalten.

Olympische Expedition

Die Rheintaler Leichtathletin ist reisebereit. Morgen Samstag startet die olympische Expedition auf dem Flughafen Zürich. Extra für die Schweizer Delegation gibt es von dort einen Direktflug in die georgische Hauptstadt Tiflis.

Am Sonntag wird die Kantonsschülerin an der Eröffnungsfeier dem olympischen Feuer die Ehre erweisen. Der Wettkampf (Quali am Dienstag, 29. Juli, um 10 Uhr MEZ) ist natürlich grösser aufgezogen als ein beliebiges Nachwuchsmeeting. Aber Fiona Rüttimann sagt: «Der Ablauf wird sein wie immer. Viele Konkurrentinnen sind stärker als ich – aber auch das habe ich schon erlebt.»

Rüttimanns Ziel in Georgien ist eine Finalteilnahme, dann hätte sie am Donnerstag nochmals einen Einsatz. Sie schätzt, dass sie dafür mindestens ihre Bestleistung (1,71 Meter) springen müsste. Auf dieser Höhe hatte Fiona Rüttimann die Latte Anfang Juli in Rotkreuz LU überquert – und damit die EYOF-Limite geschafft. Der eigentliche Vorsatz der Athletin des LC Brühl lautet aber, ihre Körpergrösse (1, 73 m) zu überspringen. Damit würde sie auch den Kantonalrekord um einen Zentimeter übertreffen.

Hochsprung ist die Paradedisziplin der Athletin, die beim STV Balgach angefangen und bis zum letzten Jahr beim KTV Oberriet trainiert hat. Das Training in dieser Disziplin hatte sie zusammen mit ihrem Brühler Trainer Markus Schaffner erst im Frühjahr intensiviert: Als Fiona Rüttimann an der Schweizer Hallenmeisterschaft 1,69 m sprang, rückte die Limite für die olympischen Jugendspiele erst in Griffnähe.

Fokus auf den Mehrkampf

Im Hochsprung war Fiona Rüttimann schon vor dem U18-Alter am erfolgreichsten. An Schweizer Meisterschaften hat sie Silber- und Bronzemedaillen gesammelt, aber keine goldene: Géraldine Ruckstuhl, soeben U18-Weltmeisterin im Siebenkampf geworden, hat denselben Jahrgang wie die Widnauerin (1999), weshalb an Meisterschaften immer eine übermächtige Konkurrentin am Start ist.

Hochsprung ist auch Fiona Rüttimanns Lieblingsdisziplin, aber sie möchte weiterhin vor allem auf den Mehrkampf setzen: «Mehr als eine Disziplin zu haben, ist ein Vorteil, wenn es mal in einer nicht so läuft», erklärt sie, «und den Ausgleich schätze ich sehr.» Beim LC Brühl trainiert sie zweimal wöchentlich in einer illustren Hürdengruppe mit Ramona Baumgartner aus Kriessern, Michelle Nyffenegger aus Heiden und dem U16-Nachwuchstalent Larissa Bertényi (STV Balgach). Die Stimmung in dieser Trainingsgruppe sei ideal – und die in unterschiedlichen Altersklassen erfolgreichen Athletinnen würden einander pushen, sagt Fionas Mutter Nicole Rüttimann. Seit sie in St. Gallen ist, trainiert Fiona Rüttimann viermal wöchentlich. Daneben besucht sie jetzt dann im dritten Jahr die Kantonsschule Heerbrugg. «Seit Fiona beim LC Brühl trainiert, sind wir stärker auf das Entgegenkommen der Schule angewiesen. Wir sind dankbar, dass das gut klappt.»

Fionas Vater Christoph Rüttimann ist Sportkoordinator an der OMR in Heerbrugg. Die dortige Sport-Oberstufe zu besuchen, kam für Fiona Rüttimann dennoch nie in Betracht: «Zu Beginn der Oberstufe, als Zwölfjährige, hatte Fiona nur zwei Trainings pro Woche – da wäre eine Sportschule übertrieben gewesen», sagt die Mutter.

Athletin und Musikerin

Fiona Rüttimanns Eltern waren auch Leichtathleten; die Mutter Siebenkämpferin und der Vater Lang- und Mittelstreckenläufer. Deshalb verwundert es nicht, dass ihr Bewegungstalent in die Wiege gelegt worden ist. Aber Fiona Rüttimann hat noch eine andere Leidenschaft, die in ihrem Leben ebenso viel Wert hat wie der Sport: Sie ist auch musisch sehr begabt. Deshalb absolviert sie an der Kanti Heerbrugg die Fachrichtung Musik. Sie spielt Klavier und Orgel (auf diesem Instrument übt sie jeweils in der Kirche in Heerbrugg). Die Option Musik möchte sich Fiona Rüttimann auf ihrem späteren Berufsweg offen lassen. Nur auf Wettkämpfe als Solistin verzichtet sie in der Musik – dem Zeitplan zuliebe.

Ansonsten liessen sich Sport und Musik gut unter einen Hut bringen: «Es ist eine Frage der Organisation.» Von einem Start als Erwachsener an Olympischen Spielen träumt Fiona Rüttimann nicht, ihr nächstes Ziel ist die Junioren-EM im kommenden Jahr.

Dass Fiona Rüttimann dennoch mal an Olympischen Spielen startet, ist durchaus möglich – als Leichtathletin oder als Pianistin an der Eröffnungsfeier.