Musikinstrument statt Gewehr

RHEINTAL. Für die meisten jungen Männer ist die Rekrutenschule ein «Greuel». Sechs Rheintaler sind da völlig anderer Meinung: Sie freuen sich sogar auf die RS. Der Grund: Sie dürfen 21 Wochen lang ihrer Leidenschaft, dem Musizieren, frönen.

Bea Sutter
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Sie haben die Aufnahmeprüfung für die RS als Militärtrompeter bestanden: (v. l.) Sederic Hunziker, Diepoldsau (Bass-Klarinette); Markus Lutz, Rheineck (Euphonium); Claudio Willi, Thal (Trompete); Simon Schmitter, Diepoldsau (Klarinette); Tobias Wüst, Oberriet (Waldhorn); Pascal Meier, Thal (Schlagzeug). Kreispräsidentin Verena Federli freut sich: «Solche Musikanten sind Vorbilder und Zugpferde in den Musikvereinen.» (Bild: Bea Sutter)

Sie haben die Aufnahmeprüfung für die RS als Militärtrompeter bestanden: (v. l.) Sederic Hunziker, Diepoldsau (Bass-Klarinette); Markus Lutz, Rheineck (Euphonium); Claudio Willi, Thal (Trompete); Simon Schmitter, Diepoldsau (Klarinette); Tobias Wüst, Oberriet (Waldhorn); Pascal Meier, Thal (Schlagzeug). Kreispräsidentin Verena Federli freut sich: «Solche Musikanten sind Vorbilder und Zugpferde in den Musikvereinen.» (Bild: Bea Sutter)

«Es ist aussergewöhnlich, dass gleich sechs Musikanten aus den Rheintaler Musikvereinen die sehr anspruchsvolle Prüfung für die RS als Militärtrompeter bestanden haben», freut sich Kreispräsidentin Verena Federli. Diese Erfolge werfen auch ein positives Licht auf die Arbeit des St. Galler Blasmusikverbandes und der Musikvereine, was die Förderung des Nachwuchses betrifft. «Bis ein junger Musikant so weit kommt, braucht es sehr viel Motivation und Talent.» Da muss alles stimmen, die Einsatzfreude des Musikanten und die Qualität der Ausbildung. Ein talentierter Schüler braucht gute Lehrer und Dirigenten, die das Potenzial im Auszubildenden erkennen. Verena Federli findet es wichtig, dass solche Talente in den Musikvereinen gefördert und auch unterstützt werden. Der St. Galler Blasmusikverband bietet für Anwärter auf die Musik-RS Vorbereitungskurse an.

Simon Schmitter, der Diepoldsauer Klarinettist, sagt: «Für die Musikvereine sind gute Zugpferde wichtig» – schaut seine Kollegen Bestätigung-suchend an und fügt selbstbewusst und schmunzelnd hinzu: «Und das sind wir doch.»

Mit Musik dem Staat dienen

Die sechs erfolgreichen Musikanten kommen aus verschiedenen Rheintaler Gemeinden. Kreispräsidentin Verena Federli organisiert ein Treffen mit allen – zum Gratulieren und zum Gemeinschaftsfoto.

Alle sechs sagen, Musik sei ihre Leidenschaft. Dass sie den Militärdienst mit der Ausübung ihres Hobbies absolvieren können, das sei ein einmaliges Glück und eine Riesenchance, sagt der Thaler Trompeter Claudio Willi. «Das Instrument wird von der Armee gratis zur Verfügung gestellt.»

Sederic Hunziker aus Diepoldsau, der Bass-Klarinette spielt, ergänzt: «Es wird uns in der RS eine gute Ausbildung geboten – und ist dazu noch gratis. Wir werden mit unserer Musik dem Staat dienen.» Die RS als Militärtrompeter sei ein gutes Sprungbrett dafür, wenn man die berufliche Laufbahn auch in Richtung Musik einschlagen möchte.

Weichen schon früh stellen

Markus Lutz aus Rheineck, der Euphonium spielt, sagt, dass sich niemand der Illusion hingeben dürfe, die RS als Militärtrompeter zu absolvieren sei ein «Musikschullager». Der Thaler Pascal Meier, der als Einziger der sechs Rheintaler die Aufnahmeprüfung in die RS als Militärschlagzeuger absolvierte, fügt hinzu: «Wir mussten uns schon viele Jahre zuvor darauf vorbereiten, um überhaupt an der Prüfung antreten zu können. Auch während der RS wird das Spielen ziemlich intensiv sein.» Wenn man etwas als Musikant erreichen will, müsse man in der Schule und im Verein schon zu den Fleissigsten und Besten gehören, so die Überzeugung Simon Schmitters.

Alle sechs Musikanten empfanden die Aufnahmeprüfung als «happig» und freuen sich umso mehr darüber, sie bestanden zu haben.

Zu den Aufgaben gehörten ein Selbstwahlstück, das zu Hause geübt werden konnte, ein Pflichtstück, wofür die Absolventen 30 Minuten zum Einstudieren erhielten. Theorie, Gehör- und Stimmbildung wurden ebenfalls geprüft.

RS und WK als Militärtrompeter

Während der Rekrutenschule stehen schweizweit verschiedene Auftritte des Rekrutenspiels auf dem Programm.

«Aber wir sind vermutlich die einzige Gattung, die sich auf die RS freut», ist der Trompeter Claudio Willi überzeugt. «Lieber 21 Wochen Musik machen, als im Dreck herumzukriechen», fügt der Waldhorn-Bläser Tobias Wüst aus Oberriet an. Dass man damit der Bevölkerung eine Freude machen kann, bringt Markus Lutz auf den Punkt: «Musik versteht jeder.»

Pascal Meier rückt bereits diesen Herbst in die RS als Brass-Schlagzeuger ein. Die fünf Militärtrompeter absolvieren die RS im Frühling und Sommer 2016. Zuerst erhalten die Rekruten sieben Wochen die übliche Grundausbildung, aber ohne Waffendienst.

«Unsere Waffe ist das Instrument», sagt Tobias Wüst. Dann folgen 14 Wochen musikalische Ausbildung. Pro Jahr gibt es lediglich drei Rekrutenspiele, zwei in Harmonie- und eines in Brass-Band-Besetzung.

Nach der RS werden die ausgebildeten Militärtrompeter auch die WKs in dieser Gattung absolvieren und für ad hoc gebildete Militärspiele aufgeboten.

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