Musik aus drei grossen Epochen

RHEINECK. Mit dem casalQuartett krönte die Rheintalische Gesellschaft für Musik und Literatur ihre Konzertsaison noch einmal mit einem Höhepunkt und begeisterte mit Musik aus der Klassik, der Moderne und der Romantik.

Max Pflüger
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Stimmungsvolle Kammermusik: (von links) Felix Froschhammer (1. Violine), Rachel Späth (2. Violine), Markus Fleck (Viola) und Andreas Fleck (Violoncello). (Bild: Max Pflüger)

Stimmungsvolle Kammermusik: (von links) Felix Froschhammer (1. Violine), Rachel Späth (2. Violine), Markus Fleck (Viola) und Andreas Fleck (Violoncello). (Bild: Max Pflüger)

Am Samstagabend schloss die Rheintalische Gesellschaft für Musik und Literatur (RGML) ihre Konzertsaison 2013/14 mit der Löwenhofserenade in Rheineck. Das renommierte casalQuartett, Zürich, mit Felix Froschhammer (1. Violine), Rachel Späth (2. Violine), Markus Fleck (Viola) und Andreas Fleck (Violoncello), gilt als das zurzeit beste Streichquartett der Schweiz. In Rheineck wurde es seinem hervorragenden Ruf gerecht.

Eröffnet wurde das Programm mit dem Graf Erdödy gewidmeten Streichquartett op. 76/1 in G-Dur von Joseph Haydn. Nach dem klassischen Werk erklang das moderne, 1995 uraufgeführte Streichquartett Nr. 3 von Peteris Vasks. Und nach der Pause schloss die Löwenhofserenade mit dem «Amerikanischen Streichquartett» in F-Dur op. 96 des romantischen Komponisten Antonin Dvorák.

Virtuose Streicher

Die vier Musiker gaben mit dem abwechslungsreichen Konzert einen Einblick in ihr virtuoses Können und in ihre Vielseitigkeit. Sie interpretierten nicht nur drei Streichquartette aus drei Jahrhunderten mit sehr unterschiedlichen musikalischen Stilrichtungen: Sie wagten in der Zugabe sogar einen Abstecher in eine ganz andere Welt. Der Jazztraditional «St. Louis Blues», gespielt von einem klassischen Streichquartett, verblüffte die Zuhörer und begeisterte sie gleichzeitig, wie der kräftige und sogar stehend gezollte Applaus für diese mitreissende Musik bewies.

Bereits im Konzert waren neben den musikalisch grossartig interpretierten und formal ansprechenden Melodien bemerkenswerte Leistungen zu hören. So etwa im neckischen Menuett-Presto, dem dritten Satz des Haydn-Werks. Nach einem munter tänzerischen Auftakt bot dieser eine Vielzahl an witzigen und unerwarteten Wendungen. Zu dieser temperamentvoll und präzise vorgetragenen Musik durften die Zuhörer immer wieder schmunzeln.

Und dann war da noch das lautmalerische Vogelgezwitscher im letzten Satz des modernen Streichquartetts. Mit flinken Fingern gezupfte und knapp angestrichene Violinsaiten zauberten die vier Musiker einen ganzen Vogelschwarm in den Konzertraum, der sich in der anschliessenden Pause zu einem beliebten Gesprächsthema beim reichhaltigen Apéro im stilvollen Löwenhofgarten entwickelte.

Persönliche Reminiszenzen

Kurze Einführungen zu den aufgeführten Werken gab Markus Fleck. Er verstand es, die Zuhörer auf wesentliche Aspekte der Werke hinzuweisen und so ihr Interesse zu wecken und ihre Sinne für die Musik zu öffnen.

Besonders interessant waren seine Ausführungen zum Streichquartett von Peteris Vasks. Er schöpfte sein Wissen nicht aus der Literatur, sondern aus der persönlichen Begegnung und Zusammenarbeit mit dem lettischen Komponisten. So vermochte er lebendig und überzeugend das unbekannte Werk in den Gesamtzusammenhang der leidvollen Geschichte Lettlands zu stellen, in die Geschichte der Unterdrückung durch die Nationalsozialisten und anschliessend durch den russischen Kommunismus. Vasks hat in seinem Werk diese Eindrücke verarbeitet und immer wieder in der Hoffnung auf Frieden und Freiheit in herrliche Choräle, fröhliche Tänze und lautmalerische Naturbilder ausklingen lassen.

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