Müllentsorger ist Umweltsünder

In der grössten Mülldeponie Vorarlbergs im nördlichen Lustenau, unmittelbar an der Grenze zu den rechtsrheinischen Rietbesitzungen der Ortsgemeinde Au, ist ein Umweltskandal aufgeflogen.

Gernot Grabher
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LUSTENAU. Das Unternehmen Häusle verscharrte unerlaubt rund 400 Tonnen Kunststoffmüll in einem Erdwall.

Der Donnerstag war allerdings alles andere als ein grüner Donnerstag für die Müllfirma. Geschäftsführer Thomas Habermann musste vor den Medien einräumen, dass bei auf eigene Faust durchgeführten Probebohrungen weitere 1000 Kubikmeter Kunststoffreste entdeckt wurden, die schon vor einigen Jahren ebenfalls in einen Damm auf dem Gelände eingearbeitet worden waren. Habermann räumte ein, dass noch weitere Zeitbomben unter dem Müllberg ticken könnten.

Aufgedeckt hat das illegale Vorgehen ein Spaziergänger, der auch prompt die zuständige Abfallbehörde der Landesregierung informierte.

Firma wollte Spuren verwischen

Die Beamten schauten nach, fanden jedoch nichts zu beanstanden. Der Passant wollte aber offensichtlich nicht als Lügner dastehen, begab sich erneut zum Erdwall und hielt mit der Kamera fest, was er sah. Die Beamten rückten abermals aus, allerdings unangemeldet. Prompt wurden sie Zeugen, wie offensichtlich mit Baggern an einem Erddamm versucht wurde, die Spuren der gesetzwidrigen Abfallentsorgung zu verwischen.

Justiz eingeschaltet

Die Abteilung Abfallwirtschaft der Vorarlberger Landesregierung sah sich nun veranlasst, die Justiz gegen das Unternehmen Häusle einzuschalten. Die Staatsanwaltschaft ordnete eine genaue Untersuchung der Vorgänge an, eine Reihe von Überprüfungen bis zu eventuellen Auswirkungen auf das Grundwasser sind die zwangsläufige Folge. Der Häusle GmbH, deren grösster Anteilsinhaber die in Götzis ansässige Firma Loacker-Recycling mit weiteren privaten Gesellschaftern ist, stehen nun unangenehme und vor allem teure Folgen ins Haus.

Selbstanzeige durch Chefs

Inzwischen schritt man auf der Häusle-Chefetage zur Selbstanzeige und versicherte, man werde jede Unterstützung leisten, um zur Aufklärung der Vorgangsweise beizutragen.

Der Geschäftsführer hatte vorläufig nur eine schwache Erklärung für das Vergraben der Kunststoffabfälle.

Er war zwar schon vorher beim Abfallverwerter beschäftigt, sei aber erst seit Ende 2015 im Amt als Geschäftsführer. Die Abfälle seien vor seiner Zeit vergraben worden.

Der Grossteil der Hunderten Tonnen Kunststoffmüll, der beim Müllsortierer Häusle jährlich anfällt, wird heute der Wiederverwertung zugeführt, nachdem auch der Müllberg die Landschaft im unteren Rheintal zu beeinträchtigen begann und ein weiteres Aufstocken des «Monte Müllo» untersagt worden war.

Aus dem Plastikabfall entstehen heute Granulate, aus denen neue Produkte von Joghurtbechern bis zu Mineralwasserflaschen entstehen. Der geringere, meist verschmutzte Teil wird der Verbrennung zugeführt und muss in die Kehrichtverbrennungsanlage Buchs gekarrt werden.

Auf illegale Weise viel gespart

Auch Frauenfeld und süddeutsche Verbrennungsanlagen bieten sich an. Durch den Entfall dieser LKW-Kilometer habe sich das Unternehmen zwischen 40 000 und 70 000 Euro erspart, schätzten die «Vorarlberger Nachrichten» die Ersparnis durch das Verlochen.

In der Bevölkerung ist man auch darüber entrüstet, dass sich ein Unternehmen dieser Grössenordnung einer solchen illegalen Praxis befleissigte.

Einst mit Jauche begonnen

Die Häusle-Müllverwertung geht auf den Dornbirner Gründer Hubert Häusle zurück, der mit Jaucheentsorgung mit kleinsten Anfängen begann. Das Unternehmen wuchs mit der Wegwerfgesellschaft zu ungeahnten Dimensionen.

Die Dornbirner Gründerfamilie entschloss sich zum Verkauf der Anlage, die an der Gemeindegrenze zwischen Lustenau, Fussach und Hard genehmigt wurde, wo laut den beauftragten Geologen eine Lehmschicht das Eindringen von Sickerflüssigkeiten ins Grundwasser dauerhaft verhindern konnte.

Das Häusle-Unternehmen wurde dann von den Vorarlberger Kraftwerken erworben, die aber ihrerseits das öffentlich wichtige Unternehmen 2007 für rund 35 Millionen Euro an die jetzige Eigentümergesellschaft absetzte.