MOUNTAINBIKE: Für die Sportschule ins Ausland

Wer den Sport zum Lebensmittelpunkt machen will, kann die Sport-Oberstufe besuchen. Der 15-jährige Thaler Andrin Dudler geht dabei über die Grenze: Im Herbst wird er das Liechtenstein zum zweiten Mal an einem internationalen Wettkampf vertreten.

Andrea Kobler
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Andrin Dudler (l.) nimmt im Sommer sein letztes Jahr an der Sportschule Liechtenstein in Angriff. Sein Trainer Urs Graf (r.) ist überzeugt vom Talent des jungen Mountainbikers aus Thal. (Bild: Andrea Kobler)

Andrin Dudler (l.) nimmt im Sommer sein letztes Jahr an der Sportschule Liechtenstein in Angriff. Sein Trainer Urs Graf (r.) ist überzeugt vom Talent des jungen Mountainbikers aus Thal. (Bild: Andrea Kobler)

Andrea Kobler

Die Sportschule Liechtenstein entsprach von Beginn weg den Vorstellungen von Andrin Dudler. Am Montag drückt er jeweils ganztags die Schulbank der dritten Oberstufe der Realschule Schaan (zweite Oberstufe in der Schweiz), Dienstag bis Freitag wird am Nachmittag trainiert. Trotz der langen Tage – der Jugendliche geht am Morgen um 6.30 Uhr aus dem Haus und kehrt abends um 18 Uhr zurück – fühlt er sich wohl. Trainer ist Urs Graf. Der Kriessner war für die Liechtensteiner der Wunschtrainer. Er begeistert mit einem abwechslungsreichen Training. An der Generalversammlung des Liechtensteiner Radfahrerverbandes lässt er das Jahr jeweils mit Bildern Revue passieren. Dabei bewundern die Verbandsmitglieder die Technik und die Ausdauer der Sportschüler, die nicht nur auf Geschicklichkeitsparcours, sondern auch auf Langlaufskiern oder mit den Schneeschuhen unterwegs sind.

Premiere auf der Strasse

Im Radquertraining brach sich Andrin Dudler letzten Winter den Ellbogen. «Die zwölf Wochen Pause waren sehr hart», erzählt der quirlige Sportler. Durch den Trainingsrückstand revidierte er auch seine Saisonziele. Anstelle Top-5-Platzierungen im Swiss Bike Cup, will er nun in jedem Rennen in die besten Zehn fahren. Im dritten Rennen der Schweizer Rennserie in Solothurn ist ihm dies erstmals gelungen. Davor kämpfte er nicht nur mit Trainingsrückstand, sondern hatte beim Saisonauftakt in Monte Tamaro zudem einen gebrochenen Lenker zu beklagen. Dazu kam ein Plattfuss beim Ostschweizer Bike Cup in Arbon.Kürzlich wagte sich der junge Sportler auf ein ganz anderes Terrain. Er bestritt die Berner Rundfahrt und damit erstmals ein Strassenrennen. Dabei wurde er guter 19. im Sprint. Dass die Fahrer einmal jährlich in einem Strassenrennen an den Start gehen, ist eine der Bedingungen des Schweizer Junioren-Nationalkaders, dem Andrin Dudler seit Anfang 2017 angehört.

Eine Sportschule ist ein guter Weg

Andrin Dudler konnte sich mit dem Besuch der Sportschule in Liechtenstein einen Traum erfüllen. Trainer Urs Graf empfiehlt diesen Schritt alle jenen, die die Möglichkeit dazu haben. Ihm ist bewusst, dass Sportschüler ein tolles Leben haben: «Es ist schön, wenn man in einem so sportlichen Umfeld aufwachsen kann. Der Alltag der Jugendlichen ist klar strukturiert. Langweile hat kaum Platz. Ein Sportschüler wird dadurch sehr schnell selbstständig.» Für Dudler war es kein Problem, einen anderen Weg zu gehen als seine ehemaligen Schulkameraden. Auch konnte er seine ehemaligen Freundschaften aufrechterhalten. So besuchte er erst kürzlich mit einem Rheintaler und einem Liechtensteiner Kollegen gemeinsam ein Fussballspiel des FC St. Gallen. Urs Graf und Andrin Dudler besprechen die ersten Saisonrennen: «An der Feinmotorik müssen wir noch etwas arbeiten. So, dass du auch bei schlechtem Wetter in den Abfahrten nicht zu forsch rangehst», meint der Trainer. Sein Schützling pflichtet ihm bei.

Die Weichen stellen sich in mancher Hinsicht

Ansonsten ist Urs Graf sehr zufrieden mit den Fortschritten Dudlers: «Die Resultate sind nach den vielen Verletzungen noch beachtlicher. Andrin hat Talent.» Seine Eltern, Patrick und Corinne, sind gespannt, wie ihr Sohn sich im vierten Jahr der Sportschule entwickeln kann: «Dann wird die Schere zwischen den vier Jahr jüngeren 1.-Klässlern und den 4.-Klässlern sehr gross.» Für Andrin Dudler werden sich im kommenden Jahr viele Weichen stellen. Erst kürzlich schnupperte er als kaufmännischer Angestellter, Automatiker, Metallbauer und Elektroplaner. Noch weiss er nicht, wohin ihn sein beruflicher Weg führen soll. «Doch gewiss ist, Sport soll auch in Zukunft einen hohen Stellenwert in meinem Leben einnehmen», so Andrin Dudler.

Mit FL-Team an die Europameisterschaft

Mountainbike Das Saisonhighlight wird die Jugend-Europameisterschaft im August in Graz sein. Dabei wird erstmals ein Liechtensteiner U17-Team am Start stehen, nachdem Andrin Dudler 2016 zusammen mit Nicole Göldi und Sven Langenegger das U15-Team bildete. 2017 stellt sich das Team nebst Andrin Dudler aus Loris Dal Farra, seinem Liechtensteiner Kollegen beim bsk-Graf-Team, und der Werdenbergerin Nicole Göldi zusammen. Göldi geht wie Dudler in die Sportschule der Realschule Schaan – deshalb dürfen sie für Liechtenstein starten. Loris Dal Farra wird ab August die United school of sports in St. Gallen besuchen. Der gemeinsame Entscheid für Liechtenstein zu fahren, scheint sich bereits im Vorfeld als richtig zu erweisen.

«Es gibt einen gewaltigen Zusammenhalt», erzählt Urs Graf, der dem Team bei diesem Wettkampf, der über fünf Tage und verschiedene Disziplinen geht, einen Top-15-Platz unter rund 80 Teams zutraut. Allen sei aber bewusst, dass dafür alles zusammen stimmen muss: «Fängt einer der Fahrer zum Beispiel im Teamrennen einen Platten ein, sind wir aus der Entscheidung, da die Rennen mit Rangpunkten bewertet werden.» (ak)

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