MOUNTAINBIKE: Freud und Leid ohne Rhythmus

In Lenzerheide, auf der WM-Strecke vom nächsten Jahr, kamen die Rheintaler Profis unterschiedlich gut zurecht. Während Jolanda Neff aufsteigende Form erkennen liess, wurde Thomas Litscher von einer tückischen Verletzung gestoppt.

Yves Solenthaler, Lenzerheide
Drucken
Teilen
Thomas Litscher wurde in Lenzerheide einmal mehr unter seinen Möglichkeiten geschlagen: Er leidet an muskulären Problemen im Becken. (Bild: Yves Solenthaler)

Thomas Litscher wurde in Lenzerheide einmal mehr unter seinen Möglichkeiten geschlagen: Er leidet an muskulären Problemen im Becken. (Bild: Yves Solenthaler)

Yves Solenthaler, Lenzerheide

Nach dem vierten Platz wirkte die 24-jährige Thalerin Jolanda Neff gelöst: «Im dritten Weltcup in Lenzerheide hatte ich endlich die Strecke im Griff.» Der Parcours unterscheide sich von anderen Weltcups: «Er enthält zwar nicht extreme Schwierigkeiten, bietet aber ausser dem kurzen Aufstieg auf Teer keine Passage, um den eigenen Rhythmus zu fahren.»

Das gibt ihr Mut für die WM im nächsten Jahr – und ihr erstes Saisonziel in einem bisher von ihrem Studium in Zürich überlagerten Jahr: In drei Wochen steht die Europameisterschaft in Italien und somit das Projekt Titelverteidigung auf dem Programm.

Bei den Frauen ist es so spannend wie noch nie

Den Status als Nummer 1 der Welt hatte Neff vor einer Woche an die Ukrainerin Jana Balomoina verloren, die schon zu U23-Zeiten eine (meist unterlegene) Gegenspielerin gewesen war. Die beiden sind zusammen mit der zurzeit wegen Todesfällen in der Familie aussetzenden Olympiasiegerin Jenny Rissveds die herausragenden Vertreterinnen der neuen Generation, welche die immer noch kompetitiven Altmeisterinnen Gunn-Rita Dahle Flesjaa und auch Sabine Spitz (beide über 40 Jahre) unter Druck setzen. Dazu sind mit Weltmeisterin Annika Langvad und Lenzerheide-Siegerin Annie Last seit letztem Jahr weitere Fahrerinnen an der Weltspitze aufgetaucht.

Cross Country der Frauen ist derzeit so spannend wie noch nie.

Vor etwa drei Wochen hatte Jolanda Neff an der Uni in Zürich die Semesterprüfungen abgeschlossen (und bestanden). Bis zur WM vom September in Cairns (Australien) konzentriert sie sich nun aufs Biken. Um wie vorgenommen Ende Saison wieder an der Spitze der Weltrangliste zu stehen, müssen noch weitere und grössere Schritte folgen, am letzten Sonntag hat Neff aber einen Anfang gemacht.

«In einem anderen Team hätte ich diese Zeit zum Formaufbau nicht bekommen», ist Neff überzeugt. Beim polnischen Kross Racing ist ihre Teamkollegin Maja Wloszczowska die grosse Figur: «Dadurch kann ich mich zurücknehmen.»

Litscher machen muskuläre Probleme zu schaffen

Der 28-jährige Rheinecker Thomas Litscher war nach der Zieldurchfahrt in gegenteiliger Stimmung, nämlich sehr sauer. Später erklärte er gefasst: «Ich leide an muskulären Verspannungen und auch Entzündungen im Becken. Dadurch blockieren die Muskeln im rechten Bein.»

Das Problem ist letzte Woche in Andorra erstmals aufgetaucht: «Ich habe aber mit Physio und Spezialübungen einen Weg gefunden, um die Probleme zu beheben.» Aber dieser benötige Zeit. Und die hat ein Biker während der Saison nicht: «In Lenzerheide konnte ich immerhin schon länger rund in die Pedale treten als vor einer Woche.» Nämlich etwa zweieinhalb Runden, dann fiel er aus den Top 10 bis auf den 42. Platz zurück.

Die Behinderung ärgert ihn, obschon (oder gerade), weil er sich mit Verletzungen auskennt: «Gerade am Heimweltcup hätte ich gerne gezeigt, dass ich gut in Form bin.» So blieb es, ähnlich wie bei den bisherigen Weltcups, bei der Andeutung dieser Form: Nach dem Start hatte Litscher den sechsten Platz eingenommen.

Wäre bei solchen Problemen nicht eine Rennpause angebracht? «Nun bestreite ich noch die Schweizer Meisterschaften am Sonntag in Montselvier JU», sagt Litscher, «wenn ich mich nicht für die EM qualifizieren kann, wonach es im Moment aussieht, kann ich ein paar Wochen aussetzen.»

Gelitten hätte er in Lenzerheide auch ohne Verletzung, bestätigt Neffs Einschätzung: «Auf dieser Strecke kann man kaum sei eigenes Tempo fahren.»