MOUNTAINBIKE: Die nächste goldene Generation

Am Swiss Cup dieses Wochenende in Solothurn gehören Rheintalerinnen und Rheintaler in der U17 wieder zu den Favoriten. Fünf von ihnen sind Mitglied des Nationalteams in der entsprechenden Altersklasse.

Yves Solenthaler
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Stiven Thür: Der Bernecker strebt in dieser Saison drei nationale Goldmedaillen an – eine davon hat er bereits gewonnen. (Bilder: Yves Solenthaler)

Stiven Thür: Der Bernecker strebt in dieser Saison drei nationale Goldmedaillen an – eine davon hat er bereits gewonnen. (Bilder: Yves Solenthaler)

Yves Solenthaler

In den Jahren 2007, 2011 (Thomas Litscher) sowie 2012 bis 2014 (Jolanda Neff) stellte das Rheintal fünfmal einen Weltmeister bzw. eine Weltmeisterin in den Nachwuchskategorien. Die U17-Fahrer bestreiten ausser einer Europameisterschaft noch keine internationalen Rennen und man sollte mit Vorschusslorbeeren zurückhaltend sein – das zeigt nicht zuletzt die Karriere von Thomas Litscher, der in der Elite bisher die Erfolge zu Junioren- und U23-Zeiten nicht wiederholen konnte.

Aber einige aus diesen zwei starken Jahrgänge (2001 und 2002) scheinen das Potenzial zu haben, dereinst in die Fussstapfen der zwei Thaler Profis zu treten.

Stiven Thür: Gold-Triple, EYOF- und EM-Quali als Ziel

Der junge Biker mit dem grössten Potenzial ist der Bernecker Stiven Thür. Er fährt schon seit ein paar Jahren in seiner jeweiligen Altersklasse an der Spitze. Der 16-Jährige gewann bereits die Gesamtwertung des Swiss Bike Cups, auch den Zürcher EKZ-Cup und den Ostschweizer Cup dominiert er regelmässig. Zudem steuerte er letztes Jahr einen grossen Teil zum Schweizer Meistertitel der polysportiven OMR-Stafette bei; auf der Mountainbikestrecke hatte er einen Vorsprung herausgeholt, an dem sich die Konkurrenten der Heerbrugger Schüler die Zähne ausbissen. Stiven Thürs grösster Erfolg ist aber der Europameistertitel der U15 im Jahr 2015.

Für dieses Jahr hat sich das Talent des Teams bsk-Graf Grosses vorgenommen: «Ich möchte drei Goldmedaillen an Schweizer Meisterschaften gewinnen – im Quer, im Mountainbike und auf der Strasse.» Den ersten Titel hat sich Thür bereits gesichert, in der Wintersaison wurde er im Quer erstmals Schweizer Meister. Im Cross Country, also Mountainbike, wird er im nationalen Championat bei intakter Gesundheit bestimmt zu den Favoriten gehören, das zeigte Stiven Thür mit zwei Siegen in den beiden Startrennen des Swiss Cups. Am Ostschweizer Cup vor einer Woche in Thal hielt er die Konkurrenten in Schach, obschon er in der letzten Runde «etwas Gas wegnahm». Denn am nächsten Tag folgte das zweite von vier Strassenrennen der Saison, bei «Rund um Uzwil» wurde er Dritter. Das erste Rennen des Jahres in Rüfenacht hatte der Bernecker gar gewonnen.

Die Strassenrennen – es folgen noch die Berner Rundfahrt und eben die Schweizer Meisterschaften – bestreitet Stiven Thür, um ein weiteres grosses Ziel zu erreichen: Er möchte sich für das European Olympic Youth Festival (EYOF) in Györ (Ungarn) qualifizieren. Und weil es dort nur Strassenrennen gibt, versucht er es eben auf diesem Weg.

Und dann gibt’s mit der U17-EM in Graz noch einen internationalen Anlass, an dem Thür einen Start vorsieht. Auch für diese Meisterschaften muss er sich erst qualifizieren. Aber weil er dort vor zwei Jahren in der tieferen Altersklasse EM-Gold gewann, zählt er auch in Graz zu den Favoriten.

Bis zum Sommer besucht Stiven Thür noch die OMR-Sportschule in Heerbrugg, im August beginnt er am gleichen Ort eine Lehre als Logistiker bei «libs».

Blöchlinger und Klaiber: Kolleginnen trotz allem

Ebenfalls im zweiten U17-Jahr ist Ronja Blöchlinger aus Heiden. Die Fahrerin des Teams Bischi­bikes scheint nach zwei von Verletzungen geprägten Jahren – in denen dennoch einmal eine EM-Bronzemedaille resultierte – wieder richtig in Schwung zu kommen. Am letzten Wochenende gewann die 16-Jährige sowohl am Bikecup in Thal als auch am Tag darauf das Strassenrennen «Rund um Uzwil». Auch die Trogner Sportschülerin macht den Ausflug auf die Strasse, um sich für das EYOF qualifizieren zu können. Als weiteres Ziel fasst sie ebenfalls einen Start an der U17-EM ins Auge.

Sie tritt in Thal gemeinsam mit der gleichaltrigen Altstätterin Giara Klaiber vom Biketeam Ostschweiz Druck zum Interview an. «Wir fahren seit dem Alter von neun Jahren gegeneinander», sagen beide. Auch wenn das Ren­-nen – Blöchlinger gewann vor Klaiber – erst seit gut fünf Minuten beendet ist, scherzen sie schon wieder miteinander. «Auf dem Kurs sind wir Konkurrentinnen», sagt Klaiber, «daneben aber Kolleginnen.» Sie schätzt diese Atmosphäre. Im Pfingst-Trainingslager des Bundesamts für Sport (Baspo), wo auch Nachwuchsathletinnen und -athleten anderer Sportarten dabei sind, erfahren sie jeweils, dass dort der Konkurrenz­- kampf oft verkrampfter abläuft.

Giara Klaiber setzt sich ebenfalls einen Start an der U17-Europameisterschaft sowie einen Top-3-Platz im Swiss-Cup-Gesamtklassement zum Ziel. Sie besucht die normale 2. Sekundarklasse in Altstätten: «Im ersten Semester dieses Schuljahrs war ich an der Sportschule in Dornbirn.» Dieser Abstecher brachte ihr aber keine Vorteile – im Gegenteil: «Wegen drei Stunden Schulweg jeden Tag war ich viel zu müde zum Trainieren.» Deshalb wechselte sie wieder in eine reguläre Schule, liess sich aber um ein Jahr zurückversetzen: «So habe ich mehr Zeit für die Lehrstellensuche.»

Schmid und Dudler: Die Jüngeren in der U17

Nächstes Jahr steht Blöchlinger und Klaiber die Bewährung im U19-Weltcup bevor. Die Marbacherin Vera Schmid (Pink Gili) und der Thaler Andrin Dudler (bsk-Graf) dürfen hingegen ein weiteres Jahr in der U17 fahren.

Von Eingewöhnungszeit in der höheren Kategorie ist bei der 15-jährigen Vera Schmid nichts zu spüren; sie hat die ersten zwei Rennen des Swiss Cups gewonnen: «Das hat mich selbst überrascht», sagt die U15-Europameisterin des letzten Jahres, «mein Ziel war Top 5». Nun strebt sie im Swiss Cup aber einen Podestplatz in der Gesamtwertung an, in Solothurn kann sie allerdings nicht starten. Sie erholt sich erst von einer Grippe, der Arzt hat ihr deshalb Startverbot erteilt: «Schade, aber die Gesundheit geht vor.»

Schmid besucht die Natio­nale Elitesportschule (NET) in Kreuzlingen, im Sommer beginnt sie in St. Gallen ein Praktikum als Kleinkinderbetreuerin. Auch sie will sich 2017 wieder für die Junioren-EM qualifizieren: «Am wichtigsten ist mir jedoch nach wie vor, dass ich Spass habe am Biken.»

Andrin Dudler ist der Spass im Winter zwischenzeitlich vergangen – ein im Querrennen zugezogener Ellbogenbruch setzte ihn zwölf Wochen ausser Gefecht. Nun ist er wieder gesund, aber den Trainingsrückstand merkt er noch. Dudler besucht die Sportschule in Schaan und gehört deshalb auch zum Liechtensteiner Nationalkader, wo sein Vereinstrainer Urs Graf Übungsleiter ist. Für Liechtenstein wird der Schweizer sicher an der U15-EM starten können: «Sonst geht es für mich in dieser Saison vor allem darum, möglichst den Anschluss an die älteren Fahrer zu realisieren.»