Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Moschee: «Es gab nie Klagen»

REBSTEIN. Als die Islamische Gemeinschaft im Jahr 2003 ein Gebäude kaufen und eine Moschee einrichten wollte, war der Widerstand beträchtlich. 20 Jahre nach der Vereinsgründung gehen hier 360 Familien ein und aus.
Gert Bruderer
Streng muslimisch zu leben kommt für Mevludin Ademi (links) und Muamed Ebibi nicht in Frage. (Bilder: Gert Bruderer)

Streng muslimisch zu leben kommt für Mevludin Ademi (links) und Muamed Ebibi nicht in Frage. (Bilder: Gert Bruderer)

REBSTEIN. Der frühere Gemeindepräsident Max Reich erinnert sich: Ein normales Bauprojekt habe vor acht, neun Jahren zur Beurteilung vorgelegen. Es gab mehrere Einsprachen, die Zonenkonformität wurde bestritten. Die Sache zog sich hin, aber alles, sagt Reich, «lief korrekt». Bis zum Bundesgericht. Am Ende wurde die Mosche gebaut. Angefangen hat alles vor 20 Jahren in Kriessern. Dort war die Islamische Gemeinschaft «Bashkësia Islame» Mieterin eines Lokals, das sie, mitten im Zentrum, nur während des Fastenmonats rege benützte. Nach vier Jahren zog man um nach Rebstein. Keine 200 Meter nördlich des heutigen Standorts beim Gewerbezentrum hatte man einen Raum ganzjährig in Betrieb. Die heutige Moschee ist viermal grösser und wird von doppelt so vielen Familien benützt wie der frühere Raum.

Nur der Verkehr stört

Nicht alle Anwohner von einst sind noch da. Die vor zwei Jahren zugezogene Corinne Spagnolli sagt, man merke heute einzig den Verkehr, als störend werde der Gebetsraum nicht empfunden. Auch die benachbarten Ribis erwähnen nur die Autos. Diese seien halt schon lästig. Wenn freitags Auto um Auto zur Gewerbestrasse hochfährt, zum Freitagsgebet. Das ist der wöchentliche Hauptanlass, gewissermassen. Rund 200 Gläubige, sagt der 32-jährige Sekretär Muamed Ebibi, kämen regelmässig. 100 bis 150 seien es am Sonntagmittag. Wer beten möchte, kann dies täglich fünfmal tun. Denn wann immer gebetet wird (vor Sonnenaufgang, am Mittag, nachmittags, am Abend und in der Nacht) ist die Moschee geöffnet.

SVPler stellt gutes Zeugnis aus

Hans Hohl, Gemeinderat, Präsident der evangelischen Kirchgemeinde und Beisitzer im SVP-Ortsparteivorstand, stellt der Islamischen Gemeinschaft ebenfalls ein gutes Zeugnis aus. Er, der früher die SVP-Ortspartei präsidierte, sagt: «Es gab nie Klagen.» Alle seien überrascht, wie reibungslos es laufe. Auch Hohl erwähnt – als «einzigen Reibungspunkt» – die ab und zu zahlreichen Autos – und gibt zu bedenken: «Wenn die evangelische Kirche ein grosses Fest durchführt, sagt wegen der Autos auch niemand was.» Die Muslime gäben sich jedenfalls grosse Mühe, nicht unangenehm aufzufallen. Das zeigt sich auch darin, dass bei Parkplatznot freie private Plätze nicht einfach belegt werden, wie Corinne Spagnolli anerkennend bemerkt.

Junge sind die grosse Mehrheit

Die Muslime, die in Rebstein die Moschee besuchen, sind zu fast 80 Prozent junge Menschen bis 40. Auf radikales Gedankengut angesprochen, sagt der 25-jährige Präsident Mevludin Ademi: Menschen, von denen eine Gefahr ausgehe, würden selbstverständlich nicht toleriert. Und für den Staat harmlose Gläubige mit fundamentalistischem Gedankengut werden «sofort gebremst», sagt Ebibi. Einzelne solche Besucher habe man schon gehabt – und ihnen klargemacht, dass sie nicht willkommen seien. Ebibi sagt, auf die Gemeinschaft bezogen: «Würden wir streng muslimisch leben, was wir nicht möchten, wären wir hier in der Schweiz am falschen Ort. Dann müssten wir die Koffer packen.»

Einladung für September

Zum Glauben zu stehen, finden die beiden «Bashkësia Islame»-Vertreter allerdings wichtig. Ebibi (dessen Frau keine Kopfbedeckung trägt) findet zum Beispiel schade, dass die Kopfbedeckung hierzulande nicht wirklich akzeptiert sei und wünscht sich mehr Kontakt der Islamischen Gemeinschaft zur nicht-muslimischen Bevölkerung. Im Arbeitsalltag sei ein angenehmes Miteinander selbstverständlich, aber ihr Lokal in Rebstein werde kaum je aufgesucht. «Das liegt auch an uns selbst», übt Muamed Ebibi Selbstkritik und fügt hinzu: «Der nächste Tag der offenen Tür findet im September statt. Über viele Besucherinnen und Besucher würden wir uns sehr freuen.»

Die Moschee (rechts, ohne Turm) befindet sich beim Gewerbezentrum.

Die Moschee (rechts, ohne Turm) befindet sich beim Gewerbezentrum.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.