MONTLINGEN: Was war, liegt unter unsern Füssen

Das Rheintal war zur späten Bronzezeit dichter besiedelt als im 19. Jahrhundert. Dies sagt der Archäologe Wolfgang Neubauer. Die Ergebnisse seiner Untersuchungen am Montlinger Bergli stützen diese These.

Max Tinner
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Das Montlinger Bergli ist im Frühling von Archäologen aus Wien mit Hightech-Forschungsgerät untersucht worden. (Bild: Max Tinner)

Das Montlinger Bergli ist im Frühling von Archäologen aus Wien mit Hightech-Forschungsgerät untersucht worden. (Bild: Max Tinner)

Max Tinner

Das Montlinger Bergli war schon vor rund 3000 Jahren besiedelt und dürfte ein Handelsplatz für alpenquerenden Warenverkehr gewesen sein. Das weiss man schon länger. Diesen Frühling untersuchten nun Archäologen des Ludwig-Boltzmann-Instituts das Bergli flächig mit Georadar («Rheintaler» und «Volkszeitung» vom 8. April). Jetzt liegen erste Erkenntnisse daraus vor.

So haben die Forscher Spuren mehrerer Gebäude entdeckt. «Und zu meinem Erstaunen waren diese anders ausgerichtet, als ich es vermutet hätte», sagt der Archäologe und Universitätsprofessor Wolfgang Neubauer, der das Institut in Wien leitet. Erwartet hätte er eine regelmässigere Anordnung. Es habe sich aber gezeigt, dass die Bauten eher dem natürlichen Felsverlauf folgten.

Das Rheintal war zur Bronzezeit intensiv besiedelt

Dicht überbaut war das Bergli aber nicht. «Es gab hier keine Stadt; das war auch nicht zu erwarten», erklärt Neubauer. Die Ergebnisse passten gut ins Bild, das man von diesem Fundort bereits gehabt habe. Dass sich im Rheintal grundsätzlich keine archäologischen Sensationen finden liessen, lässt er aber nicht gelten. Bisherige Funde deuteten vielmehr auf eine starke Besiedlung des Tals zur Bronzezeit hin. «Teilweise war die Siedlungsdichte bei weitem höher als im 19. Jahrhundert», sagt Neubauer, «da dürfte es also auch noch vieles zu entdecken geben.» Funde jüngerer Zeit vor allem in Liechtenstein würden dies belegen. «Das sind nicht nur Hotspots», betont Neubauer, «das Tal war intensiv besiedelt.»

Auch auf dem Plateau unter der Kuppe standen Häuser

Die Untersuchungen vom Frühling zeigen nun auch, wo sich auf dem Montlinger Bergli etwas archäologisch Interessantes im Boden befindet. So steht nun fest, dass das Bergli nicht nur hinter der einstigen Wallanlage auf der Kuppe besiedelt war, sondern auch auf dem vorgelagerten Plateau. Es standen dort allerdings nur einzelne Bauten und möglicherweise auch nicht alle zur selben Zeit. «Aber es hat definitiv auch dort archäologische Strukturen im Boden», betont Wolfgang Neubauer.

Nun, wo man wisse, wo genau die Gebäude standen, wäre es interessant, eine Gebäudestruktur komplett auszugraben, meint er. Dies könnte Aufschluss darüber geben, wie ein solches Gebäude organisiert war, was man wo tat, wo man kochte, wo man schlief ... Wegen der hohen Kosten für eine Grabung und die Folgearbeiten, wird es bis auf weiteres auf dem Montlinger Bergli aber keine Grabung mehr geben. Die Kantonsarchäologie möchte aber, laut deren Leiter Martin Schindler, die Ergebnisse der Wiener Forscher auf dem Bergli und auch im Museum Montlingen den Besuchern zugänglich machen.

Dank der Funde aus früheren Grabungen weiss man immerhin, dass die Siedlung auf dem Bergli Teil der Laugen-Melaun-Kultur war, die sich von Lienz im heutigen Osttirol bis nach Flums als westlichstem Punkt erstreckte. Montlingen war die nördlichste Siedlung. Territorial müsse es «eine ziemlich abgeschlossene Geschichte gewesen sein», meint Neubauer, «das Rheintal scheint eine Grenze gewesen zu sein, an der sich die Machtverhältnisse wesentlich änderten». Dank jener Funde kann man sich auch vorstellen, wie die Montlinger der Bronzezeit lebten. Doch wer sie waren, woher sie kamen, wohin sie gingen, bleibt ungewiss.