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MONTLINGEN: Neue Pflichten für Arbeitgeber

Wenn die Arbeitslosenquote in einem Beruf acht Prozent übersteigt, müssen Firmen ab Mitte Jahr freie Stellen für diesen Beruf dem RAV melden. Dies als Folge der angenommenen Masseneinwanderungsinitiative.
Max Tinner
Diskutieren über die neue Stellenmeldepflicht, von links: Michael Kummer (Personalchef Bauwerk Boen Group), Karin Stäbler (Personalchefin Hexagon Geosystems), Nationalrat Thomas Ammann, Peter Kuratli (Leiter kantonales Amt für Wirtschaft und Arbeit), Albrecht Dieffenbacher (Leiter Recht im Staatssekretariat für Migration). (Bilder: Max Tinner)

Diskutieren über die neue Stellenmeldepflicht, von links: Michael Kummer (Personalchef Bauwerk Boen Group), Karin Stäbler (Personalchefin Hexagon Geosystems), Nationalrat Thomas Ammann, Peter Kuratli (Leiter kantonales Amt für Wirtschaft und Arbeit), Albrecht Dieffenbacher (Leiter Recht im Staatssekretariat für Migration). (Bilder: Max Tinner)

Max Tinner

Nach dem Ja zur Initiative zur Beschränkung der Zuwanderung hat das Parlament den so genannten Inländervorrang light gezimmert. Ab diesem Sommer gelten die neuen Regelungen. Eine betrifft die Unternehmen speziell, auch im Rheintal: die Stellenmeldepflicht. An einer gemeinsamen Veranstaltung des Vereins St. Galler Rheintal und des Arbeitgeberverbands Rheintal gestern in der CHT Switzerland (der früheren Bezema) in Montlingen konnten sich Personalverantwortliche darüber informieren, was auf sie zukommt.

Sind in einer Berufsgruppe mehr als acht Prozent Arbeitslose gemeldet, haben die Arbeitgeber ab dem 1. Juli freie Stellen für diese Berufsleute den Regionalen Arbeitsvermittlungszentren RAV zu melden. Ab Anfang 2020 wird diese Latte noch tiefer gelegt; dann gilt die Meldepflicht bereits ab einer Arbeitslosenquote (pro Berufsgruppe) von fünf Prozent.

Die Liste gilt für die ganze Schweiz

Für welche Berufe die freien Stellen gemeldet werden müssen, legt das Staatssekretariat für Wirtschaft Seco fest, und zwar für die ganze Schweiz, betont Albrecht Dieffenbacher, Leiter der Rechtsabteilung im Staatssekretariat für Migration. Die Meldepflicht gilt also auch, wenn regional die Arbeitslosigkeit unter der Meldepflichtschwelle liegt.

Die Liste der Berufe, für die ab Juli freie Stellen zu melden sind, liegt noch nicht vor. Zieht man aber die Arbeitslosenstatistik des Seco von Ende 2016 heran, sind dort als Berufe mit einer Arbeitslosenquote von über acht Prozent beispielsweise Berufe der Baubranche aufgeführt, Maler und Tapezierer, verschiedene Berufe der Metall verarbeitenden Industrie, Magaziner und Lageristen, landwirtschaftliche Gehilfen, Berufe der Gastronomie, aber auch Schauspieler, PR- und Marketingfachleute.

Firmen bekommen vom RAV eine Liste mit Bewerbern

Nach der Meldung einer Stelle wird das RAV dem Arbeitgeber innert drei Tagen passende Bewerbungen zukommen lassen. Keine umfassenden Bewerbungsdossiers, sondern nur die wichtigsten Angaben, erklärt Peter Kuratli, der Leiter des kantonalen Amts für Wirtschaft und Arbeit. Das RAV werde darauf achten, dass die Bewerber auch wirklich geeignet seien.

Die Firmen müssen diese Vorschläge prüfen und entscheiden, welche Bewerber sie als geeignet erachten und zu einem Bewerbungsgespräch einladen möchten. Die Arbeitgeber müssen dem RAV ausserdem zu jedem vorgeschlagenen Bewerber rückmelden, wie sie entschieden haben. Sie müssen ihren Entscheid aber nicht begründen.

Fünf Tage Ausschreibungssperre

Aber selbst wenn das RAV niemanden für die gemeldete Stelle vorschlagen kann, darf der Arbeitgeber sie vorerst nicht publik machen. Die Stelle wird zunächst nur für die (schweizweit) bei den RAV gemeldeten Stellensuchenden zugänglich sein. Erst fünf Tage, nachdem das RAV dem Arbeitgeber die Meldung der Stelle bestätigt hat, darf dieser sie auch öffentlich ausschreiben. Damit will man den in der Schweiz wohnenden Stellensuchenden gegenüber solchen aus dem Ausland einen Informationsvorsprung verschaffen.

Am Anlass in Montlingen bat man die Personalverantwortlichen zweier grosser Rheintaler Unternehmen, die Auswirkung der Stellenmeldepflicht einzuschätzen, Karin Stäbler von Hexagon Geosystems in Heerbrugg und Michael Kummer von Bauwerk Boen in St. Margrethen. Selbst Hexagon Geosystems, wo man vor allem Ingenieure suche, werde wohl bei manchen anderen Berufen von der neuen Stellenmeldepflicht betroffen sein, denkt Karin Stäbler. Dass ein Bürokratiemonster auf die Firmen zukommt, wie dies verschiedentlich schon prophezeit wurde, glaubt Michael Kummer indes nicht. Speziell für grössere Unternehmen mit einer gut organisierten Personalabteilung werde sich der Aufwand in Grenzen halten, denkt er. Für kleinere Unternehmen könnte der Mehraufwand wesentlich grösser sein. Kummer rät, die neue Pflicht mit einer positiven Einstellung anzunehmen.

Hinweis

Mehr auf www.arbeit.swiss. Die Liste der meldepflichtigen Berufe wird allerdings erst im Verlauf des Frühlings vorliegen.

«Muss ich die Stelle melden, obwohl ich jemanden für sie hätte?»

«Wenn mir meine Sekretärin sagt, ihr Bub komme nächstens aus der RS und suche noch eine Stelle, und ich für mich denke, den hätte ich gerne in der Firma: Muss ich die Stelle dann trotzdem melden und womöglich noch jemanden aus den vom RAV vorgeschlagenen Bewerbern nehmen?» Dies wollte Albert Grünenfelder von der Kriessner GK Grünenfelder vom Leiter des Amts für Wirtschaft wissen. Immerhin ein Szenario, wie es sich in jedem KMU abspielen könnte.

Geht es um einen gelisteten Beruf, wird Grünenfelder die Stelle tatsächlich melden müssen, gab Peter Kuratli zu verstehen. Das bedeute aber nicht, dass er die Stelle einem Bewerber geben müsse, den das RAV vorschlage.

RAV empfiehlt, weist aber nicht zu

Diese Vorschläge seien als Empfehlungen zu verstehen und nicht als Zuweisungen. Zwar sei zu jedem Vorschlag zu melden, wie man entschieden habe. Es bestehe aber keine Pflicht, die Entscheide zu begründen.

Es gibt zudem einige Ausnahmen von der Meldepflicht. So muss eine Stelle nicht gemeldet werden, wenn sie jemandem vergeben wird, der bei einem RAV gemeldet ist. Sie muss auch nicht gemeldet werden, wenn die Stelle jemand bekommt, der seit mindestens sechs Monaten schon in einer anderen Position in der Firma arbeitet – das gilt auch für Lehrlinge, die weiterbeschäftigt werden. Auch wenn eine Stelle mit jemandem aus der Familie oder engeren Verwandtschaft eines im Unternehmen Zeichnungsberechtigten vergeben wird, muss sie nicht gemeldet werden. (mt)

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