MONTLINGEN: «Bitte nicht vor unsrer Stubentür»

Bei der Oberrieter Kläranlage wollen Sandra und Martin Wüst-Lüchinger einen Geflügelstall für 9000 Masthühner bauen. Gegen die nötige Umzonung ist das Referendum zustande gekommen. Abgestimmt wird am 5. Juni. Gestern Mittwoch wurden die Hintergründe erklärt.

Max Tinner
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Etwa 50 Interessierte kamen, um sich die Erklärungen Josef Schmids anzuhören. Platz gehabt hätten wohl doppelt so viele. (Bild: Max Tinner 9450 Luechinge)

Etwa 50 Interessierte kamen, um sich die Erklärungen Josef Schmids anzuhören. Platz gehabt hätten wohl doppelt so viele. (Bild: Max Tinner 9450 Luechinge)

MONTLINGEN. Es geht um den Geruch. Die Gegner des Geflügelstall-Projekts bei der Oberrieter Kläranlage fürchten, dass es bis zu ihren Häusern nach Hühnermist stinken könnte. Das nächstgelegene Haus ist zwar rund 130 Meter entfernt, ennet dem Binnenkanal. Aber «Hühnermist stinkt stark und lange», wehrte sich eine Frau aus dem Referendumskomitee gestern an der Informationsveranstaltung, zu der die Gemeinde ins Gasthaus Kreuz in Montlingen eingeladen hatte. Sie esse ja selbst gerne ein Schweizer Poulet und habe nicht grundsätzlich etwas gegen solche Betriebe, meinte die Frau. Solche gehörten «aber nicht gerade vor unsere Stubentür».

«Die Kläranlage riecht strenger»

Josef Schmid relativierte die Befürchtung: «Wenn jemand in einem einfachen Hühnerstall zehn Hühner hält, dann stinkt es dort mehr als vor einem modernen Geflügelstall mit 9000 Masthühnern», meinte der Ingenieuragronom, den die Gemeinde als unabhängigen Sachverständigen her gebeten hatte. Auch von der ARA her dürfte es strenger riechen als vom Geflügelstall. Das liege nicht zuletzt an den vielen Vorschriften, die solche Betriebe einhalten müssen.

Die Ängste könne er den Leuten freilich nicht nehmen, stellte Schmid fest, er könne lediglich versichern, dass im Verlauf des Bewilligungsverfahrens die gesetzlichen Vorgaben genau geprüft werden. Das Referendumskomitee bezweifelt dies allerdings. Es beruft sich dabei auf eine Auskunft des kantonalen Amts für Raumentwicklung und Geoinformation (Areg), nach der ein Geflügelstall, wie er hier geplant ist, in der Landwirtschaftszone nicht bewilligungsfähig sei.

Spezielle Zone für solche Ställe

Genau deshalb sei ja die Umzonung in eine Intensivlandwirtschaftszone nötig, entgegnete Gemeindepräsident Rolf Huber. Josef Schmid bestätigte dies in seinen Ausführungen. Diese spezielle Zone sehe das Raumplanungsrecht für bodenunabhängig produzierende Landwirtschaftsbetriebe vor, im Besonderen für Geflügelställe, für Schweineställe und auch für Gemüse-Gewächshäuser. Schmid räumte ausserdem mit Begrifflichkeiten auf, die das Referendumskomitee in seiner Stellungnahme in den Abstimmungsunterlagen verwendet hat. Intensivlandwirtschaft habe nichts mit Industrie zu tun, betonte er. Auch von einer Tierfabrik könne keine Rede sein, wobei Schmid mit ausländischen Verhältnissen verglich: «Wer Schweizer Betriebe Tierfabriken nennt, hat etwas Grundsätzliches in der Schweizer Landwirtschaft nicht verstanden.» Die Schweiz habe eines der strengsten Tierschutzgesetze Europas: die Tiere würden auf viel grösserer Fläche gehalten als in der EU, sie bekämen mehr Tageslicht und die Transportwege zu den Schlachtbetrieben seien viel kürzer. All dies mache die Schweizer Produkte auch so viel teurer als die ausländischen. Aber diese Qualität sei gefragt, vor allem beim Geflügelfleisch. Es bestehe darum durchaus ein öffentliches Interesse nach solchen Betrieben.

Am Baggersee stinkt's auch nicht

Der Kobelwälder Ernst Gächter meinte in der abschliessenden Diskussion beschwichtigend, dass er als Pensionär im Sommer oft am Baggersee liege. Dort habe es auch einen solchen Geflügelstall in der Nähe. Von diesem habe er noch nie etwas gerochen. «An einem Motocross-Rennen oder wenn die Bauern güllen, stinkt's sicher mehr», meinte er.

Der Geflügelstall soll neben die Sammelstelle Ökoville bei der Kläranlage hin gebaut werden, dort wo das Plakat für eine Zustimmung zum Teilzonenplan wirbt. Die Distanz zum nächstgelegenen Haus ennet dem Binnenkanal beträgt rund 130 Meter. Für die Behörden ist dies ausreichend. Am 5. Juni wird sich zeigen, ob die Stimmbürger es ebenso sehen. (Bild: Max Tinner)

Der Geflügelstall soll neben die Sammelstelle Ökoville bei der Kläranlage hin gebaut werden, dort wo das Plakat für eine Zustimmung zum Teilzonenplan wirbt. Die Distanz zum nächstgelegenen Haus ennet dem Binnenkanal beträgt rund 130 Meter. Für die Behörden ist dies ausreichend. Am 5. Juni wird sich zeigen, ob die Stimmbürger es ebenso sehen. (Bild: Max Tinner)