MONTLINGEN: Auf der grossen Bühne

Joel Schwendener und Ivo John machen erst seit zehn Monaten miteinander Musik – und haben vor Kurzem einen ersten Karrierehöhepunkt erlebt. Die beiden 20-Jährigen traten am Electric Love in Salzburg auf.

Remo Zollinger
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Voll im Element: Ivo John (links) und Joel Schwendener am Electric Love Festival in Salzburg. Die beiden jungen Montlinger sind die ersten Schweizer DJs, die am Open Air für elektronische Tanzmusik auftreten durften. (Bild: Mario Banoza)

Voll im Element: Ivo John (links) und Joel Schwendener am Electric Love Festival in Salzburg. Die beiden jungen Montlinger sind die ersten Schweizer DJs, die am Open Air für elektronische Tanzmusik auftreten durften. (Bild: Mario Banoza)

Remo Zollinger

Was das Open Air St. Gallen für Indie-Rocker und ihre Fans ist, ist das Electric Love für die Freunde der elektronischen Musik. Es ist noch eine Nummer grösser: Etwa 200000 Musikbegeisterte trafen sich kürzlich in der Nähe Salzburgs, um vier Tage lang zu feiern. Unter ihnen zwei junge Rheintaler, die nicht nur Party, sondern auch Musik machten: Joel Schwendener und Ivo John hatten einen grossen Auftritt.

Das Duo, das den Künstlernamen Slendr trägt und in der Stilrichtung Future House zu Hause ist, legte am Freitagnachmittag auf. Dass sich da noch nicht gerade Tausende Fans vor der Bühne versammelten, stört sie nicht: «Wir sehen es eher als Chance, längerfristig auf uns aufmerksam zu machen», sagt Joel Schwendener. Die beiden hoffen, durch den Auftritt am Electric Love bekannter zu werden und Kontakte zu knüpfen. Ausserdem seien etwa 60 Rheintaler dabei gewesen, um beim Auftritt der beiden zu feiern: «Das macht mich schon ein bisschen stolz», sagt Ivo John.

Vier von 200 haben einen Auftritt gewonnen

Die beiden durften in Salzburg auftreten, weil sie einen Wettbewerb gewonnen haben. Gefragt war, die Festivalhymne «Believe in Me» der bekannten DJs Khazun und Felice zu remixen; das heisst, sie auseinanderzunehmen und neu abzumischen. Das ist ihnen gelungen: 200 Teilnehmer machten mit, der Hauptpreis für vier von ihnen war ein Auftritt am Festival. Publikum und Jury entschieden dann darüber – und wählten Slendr.

Als erste Schweizer DJs in fünf Jahren Electric Love traten Schwendener und John gleich auf der grossen Hauptbühne des Festivals auf. «Ein unbeschreibliches Gefühl», sagt Ivo John.

Die beiden kennen das Electric Love von früheren Jahren aus der Optik der Besucher – und jetzt auch aus der eines Künstlers. «Es war sehr eindrücklich, zu sehen, wie es hinter der Bühne läuft und wer sich da so aufhält», sagt Joel Schwendener. Sie hatten dabei auch die Möglichkeit, einige Worte mit Grössen aus der Szene zu wechseln und zu sehen, wie die sich auf ihre grossen Auftritte vorbereiten. Ausserdem: «Ohne Anstehen aufs Festivalgelände zu kommen, war schon praktisch», sagt Joel Schwendener lachend.

«Er ist mein Mentor», sagt John über Schwendener

Mit 20 Jahren sind die beiden Montlinger zwar jung, aber nicht die jüngsten, die in Salzburg auftraten: Toby Romeo, der öster- reichische Neuling, mit dem Schwendener und John viel Zeit verbrachten, ist erst 16. «Im letzten Jahr hat er den Wettbewerb gewonnen, durfte wegen seines Alters aber nicht mal auftreten», sagt Ivo John. Er ist selbst noch fast ein Neuling: Erst seit zehn Monaten macht er an der Seite Schwendeners Musik.

«Er ist mein Mentor», sagt Ivo John über seinen Kollegen, der schon vier Jahre Erfahrung hat. Gemeinsam sind sie in diesen zehn Monaten auf der Rhema-Bühne gestanden, immer wieder werden sie für die «Nachtschicht» in Hard oder andere Anlässe in der Umgebung gebucht. Der Auftritt in Salzburg war ein Höhepunkt in der jungen Karriere von Slendr – «ein kleiner Senkrechtstart», wie Ivo John sagt.

Ob die Erfahrung Electric Love wirklich etwas bringt, wird sich zeigen. «Viel zu viel» Freizeit investieren sie aber heute schon in die Musik, sagt Joel Schwendener. Dies ist nötig, denn die Konkurrenz ist riesig und es gilt ständig, sich neu zu erfinden. Das nächste Ziel der beiden ist es, mehr eigene Lieder zu produzieren und die dann bekannt zu machen: Das bringt mehr Wiedererkennungswert und soll zu einem Schneeballeffekt führen.