Mittlerweile sind es wieder Hunderte: Wie die Störche ins Rheintal zurückfanden

Vor 30 Jahren war Reto Zingg die treibende Kraft, um für den Storch im Rheintal wieder Lebensraum zu schaffen. Ein Blick zurück.

Heidy Beyeler
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In Gams bereiteten sich fast 200 Störche auf den Abflug Richtung Süden vor.

In Gams bereiteten sich fast 200 Störche auf den Abflug Richtung Süden vor.

Bild: Margrith Heule

Anfang des 20. Jahrhunderts – im Jahr 1923 – verschwand der Storch im Alpenrheintal vollends. Erst nach 60 Jahren – Anfang der 1980er-Jahre – brütete ein erstes Paar bei Hohenems im Vorarlberg, welches aus einem Ansiedlungsprojekt aus der Schweiz stammte. Nachdem die Rheintaler Bevölkerung für Anliegen des Landschaftsschutzes in den Achtzigerjahren des letzten Jahrhunderts vermehrt Verständnis für den Naturschutz zeigte, machte die Wiederansiedlung von Freund Adebar im Tal Sinn. Am 8. November 1990 wurde deshalb auf Initiative von Reto Zingg in Kriessern der Verein Rheintaler Storch gegründet.

Das war der Anfang eines erfolgreichen Projekts zur Wiederansiedlung des Weissstorches. Anlässlich der Hauptversammlung des Vereins Rheintaler Storch vom 17. August in Montlingen feierten die Mitglieder das 30-Jahr-Jubiläum.

Rund 150 Storchpaare brüteten im Rheintal

Das Resultat des Bestrebens, den Storch hier nachhaltig wieder anzusiedeln, lässt sich sehen. Rund 150 Storchpaare haben dieses Frühjahr im Alpenrheintal gebrütet. Deren Jungvögel bereiteten sich nun dieser Tage auf ihren Flug nach Süden vor. Ingrid Hasler, Mitglied des Vereins, ist es gelungen, am Samstag in Gams fast 200 Störche zu fotografieren, die sich für den gemeinsamen Abflug in den Süden trafen.

Mit viel Geschick, Beharrlichkeit und politischer Vernetzung ist es dem Verein Rheintaler Storch gelungen, dieses Ziel binnen 30 Jahren zu erreichen. Ein Ergebnis, das sich sehen lässt und Grund genug, dies auch feiern und neue Ziele zu setzen, wie Vereinspräsident Beni Heeb festhielt.

Bestand der Brutplätze festigen

Mit Blick in die Zukunft wird der Vorstand den Bestand der Brutplätze festigen und aktiv vorläufig nur in Ausnahmefällen neue schaffen. Im Zentrum stehen Horstpflege und Betreuung (Monitoring). «Dieses Bestreben soll auch in der Presse sichtbar sein», betonte er.

Vereinspräsident Beni Heeb (l.) ehrt Reto Zingg für sein grosses Engagement.

Vereinspräsident Beni Heeb (l.) ehrt Reto Zingg für sein grosses Engagement.

Bild: Heidy Beyeler

Ebenso wichtig ist demzufolge die proaktive Beschaffung finanzieller Mittel. Neu wurde dieses Jahr in Grabs, auf dem Dach des Hauses des «Storchennestes» der Stiftung «Spielraum-Lebensraum» ein Horst installiert, um den Störchen einen neuen Nistplatz zu gewähren. Ein Storchenpaar hat dieses Jahr zudem den ganzen Sommer im Sarganserland verbracht. Reto Zingg hofft, dass das Paar nächstes Jahr wiederkommt. Vor ein paar Jahren war schon einmal eines im Sarganserland, das allerdings nach einiger Zeit unverrichteter Dinge weiterzog.

Über 250 Jungvögel sind ausgeflogen

Im Alpenrheintal wurden in diesem Sommer insgesamt 173 Brautpaare gezählt; davon in der Schweiz 74, im Vorarlberg 76 und im Liechtenstein 23 Storchenpaare. 252 Jungvögel sind ausgeflogen; in der Schweiz waren es 100, im Vorarlberg 99 und in Liechtenstein 53. Die Kolonie mit den meisten Störchen ist jene im Saxerriet mit 30 Brutpaaren und 46 ausgeflogenen Jungvögeln. Im Verein Rheintaler Storch hofft man, dass sich weitere Brutpaare nun sukzessive in Richtung Sarganserland niederlassen werden. Mit der derzeitigen Entwicklung ist man aber sehr zufrieden. Das war an der 30-Jahr-Feier gut spürbar.

Mitgliederbeitrag an der HV erhöht

Beni Heeb, Präsident Verein Rheintaler Storch, durfte nach einem stimmigen Spaziergang durch die vielfältige Rietlandschaft zwischen Oberriet und Altstätten 26 Gäste bzw. Mitglieder in der «Steigmatt» in Montlingen begrüssen. Ja, es war ein besonderer Abend. Immerhin konnten die Anwesenden einen Blick in die Vergangenheit werfen und feststellen, dass die Gründungsmitglieder und neue Mitglieder gemeinsam das Ziel erreicht haben.

«Es ist nun unsere Aufgabe, dem Erreichten Sorge zu tragen, damit sich auch die nächsten Generationen über die eleganten Vögel freuen können. Die Wiederbesiedlung des Rheintals ist eine Erfolgsgeschichte. Darüber gäbe es noch viel zu erzählen», freute sich Beni Heeb. Er war aber auch sehr angetan davon, dass Rolf Huber, Gemeindepräsident Oberriet, dem Verein die Ehre gab, an der Hauptversammlung anwesend zu sein. Dem Antrag, den Mitgliederbeitrag für Einzelmitglieder von 20 auf 30 Franken zu erhöhen, wurde einstimmig stattgegeben. Anschliessend zeigte Gerhard Heule, Vereinsmitglied, den von ihm gedrehten, eindrücklichen Film «Störche im St. Galler Rheintal», welchen er während den vergangenen Monaten aufnahm. (hbe)