Mittel in den Kantonsratswahlen

Die Kantonsratskandidierenden haben einen grossen Aufwand betrieben, um auf sich aufmerksam zu machen. Dass sich der Einsatz schon jetzt gelohnt hat, sind sich die Kandidaten einig. Nicht alle würden aber in vier Jahren noch einmal zur Wahl antreten.

Damian Neuländner
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Rheintaler Kandidaten buhlen um die Gunst der Wähler – das ist nicht ganz günstig. (Bild: Gert Bruderer)

Rheintaler Kandidaten buhlen um die Gunst der Wähler – das ist nicht ganz günstig. (Bild: Gert Bruderer)

In den USA kostet der Wahlkampf die Präsidentschaftskandidaten Millionen. In der Schweiz geht man mit Geld sparsamer um. Allerdings ist die Werbekampagne auch hier nicht gratis. Wenn man bedenkt, dass von den 83 Kandidatinnen und Kandidaten nur etwa ein Fünftel auch tatsächlich in den Kantonsrat gewählt wird, stellt sich die Frage, ob sich der Aufwand für alle lohnt.

Die Mehrheit der befragten Anwärterinnen und Anwärter ist überzeugt, dass sich der Einsatz selbst dann lohnt, wenn sie nicht in den Kantonsrat gewählt werden. «Bei Proporzwahlen geht es in erster Linie darum, möglichst viele Listenstimmen zu erreichen», sagt Alex Arnold, Gemeindepräsident von Eichberg und CVP-Kandidat.

Budget schwankt stark

Die Planung und die Finanzierung der Wahlplakate, Inserate und weiteren Werbeauftritte sind von Partei zu Partei sehr unterschiedlich geregelt. Mike Egger, amtierender Kantonsrat der SVP und Präsident der Jung-SVP St. Gallen, investiert mit 1000 Franken gerade einmal die Hälfte der Ausgaben, die Alex Arnold hat. Allerdings wird Arnold im Gegensatz zu Egger finanziell von der Ortspartei unterstützt. Egger zählt bei seinem Wahlkampf vor allem auf die Unterstützung von Freunden und Familie.

Die Kandidaten der glp konnten sich bei der Planung und Umsetzung auf ihren Präsidenten, Benno Stadler, verlassen, der die Wahlplakate in seinem eigenen Photographik-Geschäft erstellte. Im Gegensatz zu den anderen Kandidaten haben die glp-Mitglieder auf Einzelplakate verzichtet. Sie stellen sich lieber zusammen als glp-Rheintal auf. Die einzelnen Kandidaten haben so keine Ausgaben. «Das Budget der glp-Rheintal beläuft sich auf 4500 Schweizer Franken», sagt Benno Stadler. In den anderen Parteien hat jeweils die Regionalpartei die Gestaltung übernommen.

Wirkung mit einfachen Mitteln

Das Wahlkampf-Budget der Grünen Rheintal beläuft sich auf 5000 Franken. Der amtierende Kantonsrat und Partei-Präsident Meinrad Gschwend sagt, die Grünen hätten von allen Parteien das kleinste Budget. «Wir jammern nicht, sondern sind das gewohnt.» Die Grünen werden laut Gschwend weder durch Firmen und Verbände noch durch «Hintergrund-Millionäre» unterstützt. Das garantiere Unabhängigkeit und zwinge die Partei, mit einfachsten Mitteln Wirkung zu erzielen. Nicht zu vergessen sei, dass in der Politik Glaubwürdigkeit das Wichtigste sei, was den Grünen entgegenkomme, ergänzt Gschwend. Die Finanzierung erfolgt aus der Parteikasse, aus Eigenmitteln der einzelnen Kandidierenden und ein paar kleinen Spenden von Privaten. «Wir verzichten bewusst auf den <Kopfsalat>. Die Plakatbilder mit stets lächelnden Köpfen wirken abgedroschen», meint Gschwend.

SP-Kandidatin Katharina Linsi hat sogar noch tiefere Ausgaben als SVP-Mann Mike Egger. Sie schätzt ihr Budget auf 500 bis 1000 Franken. Ob die Partei einen Teil der Ausgaben übernehme, wisse sie im Moment noch nicht. Thomas Percy von der FDP gehört mit Jahrgang 1995 zu den jüngsten Kandidaten. Der Kantonsschüler investiert in seinen Wahlkampf rund 1500 Franken, wovon zwei Drittel die Partei übernimmt. Mit seinem Wahlplakat, das von Christoph Graf, ebenfalls Kandidat für den Kantonsrat, gestaltet wurde, ist Percy sehr zufrieden, er würde nichts ändern.

«Störe mich an Plakatwäldern»

Auch Benno Stadler zeigt sich zufrieden mit seinem selbst entworfenen Wahlplakat. Mike Egger, der mit seinen Plakaten zwar zufrieden ist, hat gegenüber Wahlplakaten aber eine etwas andere Einstellung als seine Konkurrenten: «Ich ärgere mich über all diese Plakatwälder.» Deshalb habe er auch nur acht Plakate machen lassen. «Leider geht es nicht ganz ohne», ergänzt er. Zudem denkt er, dass es nicht so wichtig sei, wie das Plakat im Detail aussehe. Das Wichtigste sei, dass man den Namen lesen könne. Katharina Linsi gibt an, dass sie ihr eigenes Plakat bis jetzt noch nie hängen gesehen habe, der Entwurf auf dem Computer aber in Ordnung gewesen sei.

«Auf sich aufmerksam machen»

Sehr unterschiedlich fallen die Reaktionen aus, als von einer möglichen Nicht-Wahl oder Abwahl und einer allfälligen Kandidatur in vier Jahren die Rede ist. CVPler Alex Arnold sagt, dass er die Situation in dreieinhalb Jahren neu prüfen müsste. Er ist aber grundsätzlich der Auffassung, dass er als Gemeindepräsident und Parteimitglied die Partei unterstützen und für Listenstimmen kämpfen sollte. Ähnlich sieht das Benno Stadler von der glp. Er wisse noch nicht, was in vier Jahren sei, aber der Einsatz für ein ausgewogenes Dreieck aus Wirtschaft, Lebensraum und Sozialem lohne sich doch immer. Stadlers Parteikollege Ramon Waser, der an der Uni Basel Medienwissenschaften und Soziologie studiert, weiss ebenfalls noch nicht, was in vier Jahren ist. Er sei noch jung, könne es sich aber vorstellen, erneut zu einer Wahl anzutreten. «Egal wie die Wahlen enden, der Einsatz hat sich gelohnt», sagt Waser. Er habe während dieser Zeit viele interessante Gespräche und spannende Diskussionen erlebt. Auch Thomas Percy würde erneut zur Wahl antreten. Seine Wahlchancen seien aufgrund seines Alters zwar eher gering, als Jungpolitiker gehe es aber vor allem darum, die Leute auf sich aufmerksam zu machen. Weiter erzählt Percy, dass er auch schon oft gelobt worden sei, weil er so jung für den Kantonsrat kandidiere.

Meinrad Gschwend von den Grünen denkt, dass er eher nicht mehr kandidieren würde. Er ist aber auch der Meinung, dass sich der Einsatz gelohnt hat. «Wenn man zur politischen Vielfalt beiträgt, wenn man den Stimmbürgern eine Auswahl bietet, lohnt sich der Einsatz sowieso.»

Verzicht aus Respekt

Katharina Linsi würde nicht mehr zu einer Wahl antreten. Dies wegen ihrer Lebenssituation. Falls Mike Egger, der knapp nicht in den Nationalrat gewählt wurde, überraschenderweise nicht erneut in den Kantonsrat gewählt wird, würde er «aus Respekt gegenüber dem Rheintaler Stimmvolk» auf eine Kandidatur in vier Jahren verzichten. «Eine Abwahl wäre für mich ein klares Zeichen, das durch die Rheintaler Stimmbevölkerung gesetzt würde. Das würde ich akzeptieren und in vier Jahren nicht mehr zur Wahl antreten.» Egger hofft jedoch, dass er wieder gewählt wird und sich diese Frage erübrigt.