Mitdiskutieren ist gefragt

Streitgespräche, faire Auseinandersetzungen und dann aufeinander Zugehen und gemeinsam Lösungen suchen, das bringt die Stadt vorwärts, davon waren die Altstätter Redner am Neujahrsempfang überzeugt.

Max Pflüger
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Der Chor Novum umrahmte die Grussbotschaft des Stadtpräsidenten Ruedi Mattle mit festlichen Melodien. (Bild: Max Pflueger)

Der Chor Novum umrahmte die Grussbotschaft des Stadtpräsidenten Ruedi Mattle mit festlichen Melodien. (Bild: Max Pflueger)

ALTSTÄTTEN. Bereits zum siebten Mal findet der Altstätter Neujahrsempfang im stimmigen Rahmen des Museums Prestegg statt. Über 50 Altstätterinnen und Altstätter folgten am frühen Abend des 1. Januar der Einladung von Gemeinde und Verkehrsverein. Im prunkvollen Göttersaal begrüsste Verkehrsvereinspräsident Wolfgang Kessler die Gäste und führte dann als Moderator durch den Neujahrsempfang. Der Stadtpräsident Ruedi Mattle äusserte sich grundsätzlich zum politischen Klima Altstättens, und Pfarrer Hansurs Walder betrachtete dazu die ökumenische Jahreslosung: «Nehmt einander an, wie Christus euch angenommen hat zu Gottes Lob» (Röm 15: 7).

Musikalisch umrahmt wurde der Neujahrsempfang vom Chor Novum der Musikschule Oberrheintal unter der Leitung von Jean-François Morin. Die festlichen Melodien wie der «Abendzaubergesang» von Julius Wengert, die bekannte «Baccarole» von Offenbach oder die vierstimmige Motette «Locus iste» von Anton Bruckner begeisterten das Publikum. Der hervorragende Chor wurde am E-Piano einfühlsam begleitet von Jola Stawarz.

Schwieriges politisches Pflaster?

Seine Betrachtungen knüpfte Ruedi Mattle an verschiedene Zitate aus der Literatur und aus dem Werk grosser Persönlichkeiten. Aber auch Bemerkungen einfacher Rheintaler waren ihm Denkanstoss: «Ich höre oft, dass Altstätten ein schwieriges politisches Pflaster sei. Hier werde um vieles gestritten, vieles wird in Frage gestellt», und Mattle knüpfte daran die Frage: «Ist das Streiten wirklich etwas typisch Altstätterisches, etwas Negatives für unsere Stadt?» Mattle sieht in der Folge im Streit an sich nichts Negatives: «Es braucht initiative Mutmacher, die mit ihrem veränderten Denken Diskussionen lancieren, damit aber auch anecken und bestimmt auch Angst machen.

Denken verändert

Diese intensiven Diskussionen werden von aussen als Streit wahrgenommen, sie sind aber oft Ausdruck einer lebendigen Stadt, in der sich die Bevölkerung für die Entwicklung einsetzt. Dies sind zwar schwierige Prozesse, allerdings die einzigen, die uns vorwärts bringen.»

In diesem Sinne forderte er seine Zuhörer auf, mitzudenken, mitzustreiten, aber auch zuzuhören und schliesslich Kompromisse zu suchen. Denn «wenn wir dem Streiten überdrüssig werden, dann endlich wäre die Demokratie bequem …, aber wir verändern unser Denken nicht mehr und unsere Stadt steht still». Ausgehend von der ökumenischen Jahreslosung «Nehmt einander an, so wie Gott euch angenommen hat», ermahnte auch Pfarrer Hansurs Walder die Zuhörer, jeden so anzunehmen, wie er nun einmal ist, mit allen seinen Ecken und Kanten, mit allen Mängeln und Fehlern. Wenn sich alle annehmen und alle einander zuhören, dann könnte gegenseitiges Verständnis gefunden werden und Frieden unter den Menschen einkehren.

Die Stadt kredenzte den Wein zur Begrüssung des neuen Jahres aus den historischen Zinnkannen. (Bilder: Max Pflüger)

Die Stadt kredenzte den Wein zur Begrüssung des neuen Jahres aus den historischen Zinnkannen. (Bilder: Max Pflüger)