Mit viel Gespür für die Natur

RÜTHI. Mensch und Tier standen am letzten Sonntag in und vor der St. Valentinskirche in Rüthi im Mittelpunkt – und natürlich Gottes herbstliche Natur, ganz wie es an einer Hubertusmesse Brauch ist.

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Pater Othmar Baldegger spendet den Vierbeinern mit Weihwasser den kirchlichen Segen. (Bilder: pd)

Pater Othmar Baldegger spendet den Vierbeinern mit Weihwasser den kirchlichen Segen. (Bilder: pd)

RÜTHI. Im Kirchenraum sorgten herbstliche Utensilien aus Wald und Flur für die passende, herbstlich-farbige Kulisse. Die Jagdgesellschaft Rüthi-Lienz war dafür besorgt, dass Gottes herrliche Natur in der Rüthner Pfarrkirche für die Augen der Kirchgänger ansprechend zur Geltung kam. Den musikalischen Auftakt zum Gottesdienst besorgten die Jagdhornbläser Werdenberg.

Bis ins Innerste

Die fein abgestimmten Darbietungen der Jagdhornbläser umrahmten die Messe passend. Die gekonnten Klänge erfüllten jede Ecke des Gotteshauses und drangen in bestem Sinne durch Mark und Bein.

Die Hubertusmesse ist eine instrumental erklingende Messe. Sie wird jährlich zu Ehren Gottes und zur Erinnerung an den heiligen Hubertus von Lüttich um den 3. November, den Hubertus-Tag, gehalten. Der Pfarreibeauftragte Jürgen Kaesler erinnerte an die Legende des heiligen Hubertus. Der Überlieferung nach war dieser als junger Edelmann ein leidenschaftlich ausschweifender Jäger, der die Erlegung des Wildes als Selbstzweck sah. Später erkannte er in allen Wesen Geschöpfe göttlichen Ursprungs und setzte sich hegend und pflegend für sie ein. Diese Grundhaltung der Achtung vor dem Geschöpf ging später als Waid-Gerechtigkeit in die Verhaltensgrundsätze der Jägerschaft ein.

Um den Geist dieser Waid-Gerechtigkeit für die heimische Jägerschaft wurde denn auch im sehr gut besuchten Gottesdienst gebeten. «Die Jäger haben besonders viel Gespür dafür, wenn in der Natur etwas nicht stimmt», hob Kaesler hervor. Sie seien geprägt von ihrer Verbundenheit mit allen Geschöpfen der Natur. Traditionell würden sich die Waidmänner für die Hege und Pflege der Natur einsetzen.

Der grosse Respekt gegenüber der Schöpfung in Wald und Feld kam auch in einem vom Kirchenvolk gesungenen Lied mustergültig zum Ausdruck. «Die Sonne hoch am Himmelszelt, die Sterne und die weite Welt, die Blumen, Vögel, jedes Tier, die Wälder, Flüsse und das Meer – alles hat Gott gemacht», dieser dankbare Text hallte durch die festlich geschmückte Kirche.

Achtung vor dem Tier

Achtung und Respekt zeigen die Jäger auch gegenüber ihren treuen tierischen Begleitern. Um das nachhaltig zum Ausdruck zu bringen, fand im Anschluss an die Hubertusmesse eine Tiersegnung auf dem Kirchplatz statt. Zahlreiche Pferde und Hunde waren von ihren Herrchen und Frauchen auf den Valentinsberg geführt worden. Sie kamen aus der ganzen Region, viele auch aus dem Werdenberg, um den kirchlichen Segen für ihre geliebten Vierbeiner zu erhalten, den Pater Othmar Baldegger den Tieren mit Weihwasser spendete.

Grosse Symbolkraft

Längst nicht alle, die mit ihren Vierbeinern an die Tiersegnung kamen, sehen sich als besonders gläubig. Aber alle schätzten diese Möglichkeit, den kirchlichen Segen für ihre Lieblinge zu erhalten. «Ich finde es schön, dass es diese Tiersegnung gibt.» – «Ich hoffe, es hilft, dass mein Hund bald wieder gesund wird.» – «Es ist ein Erlebnis mit einer gewissen Symbolik, die sich nicht verleugnen lässt.» So liessen sie sich vernehmen. Vom halbjährigen Hundewelpen bis zum 14-jährigen Hundesenior und zur 24-jährigen Pferdedame liessen alle die Weihwasser-»Dusche» mehr oder weniger achtungsvoll über sich ergehen. Dass das Föhnwetter den Segensakt angenehm machte, darf getrost als positives Zeichen für den Respekt vor der Natur gedeutet werden.

Die Vierbeiner lassen die Weihwasser-«Dusche» mehr oder weniger achtungsvoll über sich ergehen.

Die Vierbeiner lassen die Weihwasser-«Dusche» mehr oder weniger achtungsvoll über sich ergehen.