Mit Traum-Renditen gelockt

Mit einem Schneeballsystem soll eine Firma mit Sitz in St. Gallen 50 Millionen Franken ertrogen haben.

Urs-Peter Zwingli
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st. gallen. Sie versprachen das grosse Geld – und über 600 Anleger und 240 Versicherte fielen darauf herein: Drei Männer im Alter von 36 bis 39 Jahren sollen aus zwei Pensionskassen, einer Freizügigkeitsstiftung und mehreren Anlagefirmen 50 Millionen Franken abgezweigt haben.

Ihre Opfer lockten sie mit bis zu angeblichen 40 Prozent jährlicher Rendite auf das investierte Kapital. «Mit der Zeit haben sie mit immer höheren Prozentzahlen neue Leute angeworben.

Es handelte sich um ein klassisches Schneeballsystem», sagt Untersuchungsrichter Adrian Pfeiffer, der bei der St. Galler Staatsanwaltschaft für den Fall zuständig ist.

Die Fäden der Betrüger liefen am Hauptsitz des Firmenkonglomerats an der Vadianstrasse in St. Gallen zusammen. Die Männer, die aus Ex-Jugoslawien stammen und über österreichische Pässe verfügen, finanzierten sich mit den ertrogenen Millionen einen aufwendigen Lebensstil: So mieteten sie laut einem Bericht der «NZZ am Sonntag» Ende 2007 in St.

Moritz eine Luxusboutique sowie ein Appartement für 30 000 Franken pro Monat. Zudem soll einer der Firmeninhaber mit seiner Frau zahlreiche Luxusreisen unternommen haben. Die Zeche zahlen jetzt die Betrogenen: «Viele Leute haben ihre gesamten Ersparnisse fürs Alter verloren», sagt Untersuchungsrichter Pfeiffer. Die Chancen, dass die Geschädigten zu ihren Geldern kommen, schätzt er als gering ein. An die beiden Pensionskassen waren rund 60 Firmen angeschlossen.

Als die mutmasslichen Betrüger, darunter zwei Brüder, im Sommer 2009 nicht mehr liquid waren und ihr Schneeballsystem in sich zusammenzubrechen drohte, zeigten sie sich selber an.

Sie sind laut Pfeiffer grundsätzlich geständnisbereit und kooperativ. «Sicher haben sie sich mit ihrer Selbstanzeige auch einen gewissen Strafminderungseffekt erhofft», sagt Pfeiffer.

Er rechnet damit, dass das Strafverfahren aufgrund der aufwendigen Ermittlungen und der grossen Anzahl Betroffener noch mehrere Monate in Anspruch nehmen wird.

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