Mit offenen Armen empfangen

MARBACH. Bis 1955 genossen die evangelischen Marbacher Gastrecht in der katholischen Kirche. Ab August halten nun die Katholiken ihre Gottesdienste in der reformierten Kirche ab. Der Kreis schliesst sich.

Andrea Kobler
Drucken
Teilen
Freuen sich auf die gemeinsame Zeit unter dem Dach der evangelischen Kirche Marbach: Hansruedi Heeb (katholischer Kirchenverwaltungsratspräsident) und Heidi Gsell (Präsidentin der evangelischen Kirchgemeinde). (Bild: Andrea Kobler)

Freuen sich auf die gemeinsame Zeit unter dem Dach der evangelischen Kirche Marbach: Hansruedi Heeb (katholischer Kirchenverwaltungsratspräsident) und Heidi Gsell (Präsidentin der evangelischen Kirchgemeinde). (Bild: Andrea Kobler)

Ab dem Schulstart Mitte August wird der Innenraum der katholischen Kirche renoviert. Da bis 28. April 2013 keine Gottesdienste abgehalten werden können, schaute sich die katholische Kirchenverwaltung früh nach einer Alternative um. Die evangelische Kirche, nur einige 100 Meter bergwärts entfernt, gewährt Gastrecht. «Eine optimale Lösung», so der katholische Kirchenverwaltungsratspräsident Hansruedi Heeb.

Zwei Predigten am Sonntag

Bekannterweise gibt es Unterschiede in der Art, wie die beiden Konfessionen Gottesdienste feiern. «Doch dies erwies sich in den Gesprächen als unproblematisch», erzählt Heidi Gsell, Präsidentin der evangelischen Kirchgemeinde. Dass dies so ist, ist auch auf die unkomplizierte Art der Katholiken zurückzuführen. «Wir sind Gast in der evangelischen Kirche und werden uns den Gepflogenheiten des Hauses anpassen», so Hansruedi Heeb, der sich sehr freute, dass die Katholiken mit ihrem Anliegen mit offenen Armen empfangen wurden.

So wird es nur geringfügige, äusserlich erkennbare Anpassungen zwischen den Gottesdiensten geben. Zum Beispiel wird Weihwasser im Eingangsbereich aufgestellt. Die evangelische Kirchgemeinde wird ihren Sonntagsgottesdienst weiterhin um 9.30 Uhr abhalten, die Katholiken um 11 Uhr. Somit wird der Turnus in der katholischen Seelsorgeeinheit Altstätten ein weiteres Jahr beibehalten.

Ökumenischer Erntedank

Die beiden Glaubensgemeinschaften nehmen die Gelegenheit aber auch wahr, spezielle Gottesdienste zu feiern. Erstmals wird deshalb am 28. Oktober das Erntedankfest gemeinsam – also ökumenisch – gefeiert. Der Gottesdienst zum Schulstart am 12. August um 9.30 Uhr wird wie bisher ebenfalls gemeinsam abgehalten – für einmal in der evangelischen Kirche. Auf einen gemeinsamen Gottesdienst dürfen sich die beiden Kirchgemeinden auch in der Adventszeit freuen – auf denjenigen am zweiten Adventssonntag, am 9. Dezember.

Eng wird es voraussichtlich bei den katholischen Gottesdiensten an Weihnachten und Ostern. Der einstigen Mutterkirche des Rheintals, mit Ursprung im 8. Jahrhundert, gehören heute rund 1000 Gläubige an, die an diesen hohen Feiertagen die katholische Kirche mit ihren etwa 300 Sitzplätzen füllen. Da heisst es im Kirchenraum der evangelischen Kirche mit 250 Sitzplätzen zusammenrücken.

Einweihung mit dem Bischof

Die unter Bundesschutz stehende katholische Kirche St. Georg wird zwischen August 2012 und April 2013 innen für 1,6 Mio. Franken renoviert. Wieder eingeweiht wird sie mit der Altar-Segnung durch Bischof Markus Büchel zum Patrozinium des heiligen St. Georg Ende April 2013.

Aktuelle Nachrichten