Mit Kontrollen gegen Einbrecher

Die St. Galler Polizei hat im Stadtzentrum eine gross angelegte Verkehrskontrolle durchgeführt. Dabei ging es nicht primär um Raser und Alkoholsünder.

Patrick Baumann
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Es gibt Schöneres, als abends um 22 Uhr in eine Verkehrskontrolle zu geraten. Genau dies aber passierte 55 Autofahrern am vergangenen Freitag auf der St. Leonhard-Strasse in St. Gallen. Zu notieren gab es für die Stadtpolizei während der zweistündigen Aktion nicht viel. Nebst einigen Ordnungsbussen mussten ein paar Beanstandungskarten für technische Mängel ausgestellt werden. Ein 45-Jähriger wurde mit 0,74 Promille aus dem Verkehr gezogen. «Die klassische Verkehrskontrolle war aber auch nicht das Primärziel der zweistündigen Aktion», sagt Roman Kohler, Mediensprecher der Stadtpolizei St. Gallen. In erster Linie habe es sich um eine Sicherheitskontrolle im Hinblick auf Einbruchdiebstähle gehandelt. «Ziel war es, Präsenz zu markieren und allfälliges Deliktgut von Einbrüchen sicherzustellen.» Wie viele Polizisten in der Nacht auf Samstag im Einsatz waren, will Kohler aus polizeitaktischen Gründen nicht sagen.

«Kontrollen sind durchaus zielführend»

Dass die Aktion zu dieser Jahreszeit stattfindet, ist kein Zufall. «Im Herbst und Winter nehmen die Einbruchdiebstähle zu. Daher setzen wir auch gezielt Schwerpunkte», sagt Kohler. Auch die Kantonspolizei Thurgau führt momentan solche Kontrollen durch. «Wir haben am Freitag vor einer Woche auf dem Autobahnzubringer bei Arbon kontrolliert», sagt Matthias Graf von der Kantonspolizei Thurgau.

In St. Gallen gab es am vergangenen Freitag keinen konkreten Verdächtigen. Diebesgut wurde auch keines sichergestellt. Trotzdem zweifelt Kohler nicht an der Wirkung solcher Kontrollen. «Sicherheits- und Verkehrskontrollen eignen sich durchaus, um Personen, die mit Diebesgut unterwegs sind, dingfest zu machen.» Dies gelinge auch immer wieder, da die Einbrecher ihre Beute zwangsläufig per Auto transportierten. «Natürlich positionieren wir unsere Verkehrskontrollen auch nicht einfach irgendwo. Wir analysieren Daten über Einbrüche und suchen uns dann Stellen, die die Einbrecher mit hoher Wahrscheinlichkeit passieren müssen.» Nicht zuletzt hätten solche Kontrollen auch eine präventive Wirkung. Eine organisierte Einbrecherbande nehme die Kontrollen durchaus wahr und werde durch diese abgeschreckt, so Kohler.

Aktionstage fallen auf

Den Eindruck vieler Autofahrer, dass sich Verkehrskontrollen im Advent häufen, kann Kohler nicht bestätigen. «In der Adventszeit gibt es nicht mehr Verkehrskontrollen. Das gilt übrigens auch für die Offa oder die Olma.» Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, bestätigt dies und fügt an, dass es meist spezielle Aktionstage wie am Freitag seien, die den Autofahrern auffallen. Es könne aber gut sein, dass Verkehrskontrollen an Grossanlässen schlicht von mehr Leuten wahrgenommen werden. Wer bei einer Kontrolle herausgepickt wird, hängt von unterschiedlichen Faktoren ab. «Viele Polizisten entwickeln mit der Zeit ein Gespür dafür, bei welchen Fahrern eine genaue Kontrolle angebracht ist», sagt Kohler. Es werde beispielsweise darauf geachtet, wie ein Autolenker in die Verkehrskontrolle fahre oder wie er sich verhalte. Oft seien aber viel trivialere Gründe ausschlaggebend. «Es kann beispielsweise sein, dass gerade ein rotes Auto zur Fahndung ausgeschrieben ist. Wer dann in einem roten Auto sitzt, wird eher kontrolliert.»