Mit Feuer dem Regen getrotzt

Erstmals hatten die einheimischen Riettüfel Triber zu einem Sommerfest auf die Altstätter Allmend eingeladen und dabei Einblick in ihr Schaffen als aktive Brauchtumsgruppe gegeben. Die unheimlichen Gestalten gewannen dabei viele Sympathien.

René Jann
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Das Publikum erlebte auf der Allmend einen teuflischen Abend.

Das Publikum erlebte auf der Allmend einen teuflischen Abend.

ALTSTÄTTEN. Für einmal stand am Samstagnachmittag und -abend die Allmend im Zeichen von Feuer, Rauch und «gfürchigen» Perchten. Doch gaben sich letztere gegenüber den Kindern auf dem Platz geradezu lieblich-zahm, wenn es etwa darum ging, im direkten Kontakt die Angst zu nehmen und jegliche Berührungsängste abzulegen.

Präsident Philippe Sinz und OK-Präsident Daniele Di Domizio waren sich bewusst, bei Jung und Alt viele Sympathien gewonnen zu haben. So gab es am späteren Nachmittag auch viele Aktivitäten auf dem Platz, um gerade die jüngeren Besucher zu begeistern – sei es beim Bullenreiten, beim Tummeln im Stroh, beim Büchsenschiessen oder beim Nageln. So durfte man auch selbst das glühende Brandeisen auf das Holzbrettchen ansetzen und dabei miterleben, wie ein unauslöschliches Brandzeichen entsteht. Die ältere Generation liess sich an der Bar einen Drink schmecken oder verpflegte sich in der Festwirtschaft, die auch Schutz vor den immer wieder einsetzenden Regengüssen bot. Doch dies tat der Stimmung in der Westernstadt kaum Abbruch.

Vier Neumitglieder gewonnen

Wie Sinz mit Freuden erwähnte, haben die zwanzig Aktiven heuer erneut einen Zuwachs von vier Riettüfel Tribern verzeichnen dürfen.

Zusammen mit rund 50 freiwilligen Helferinnen und Helfern haben sie vergangene Woche während fünf Tagen die Feststadt auf der Allmend vorbereitet und aufgebaut. Von November bis zum Fasnachtsende wird dann wieder das Perchtenwesen gepflegt, das gemäss Philippe Sinz erstmals im neunten Jahrhundert urkundlich erwähnt wurde.

Heute seien es Perchtengruppen im Alpenraum, in Bayern, im Tirol, in Kärnten und in der Steiermark, die den alten Brauch weiter pflegen.

Wohl in die gleiche Richtung gehe das Klausen im Lötschental wie auch das Treiben der Appenzeller Silvesterkläuse. Auch sie hätten zum Ziel, den Winter und die bösen Geister zu vertreiben.

Bemerkenswerte Auftritte

Wie auf Geheiss machte der Himmel die Schleusen kurz vor der grossen, von Hundertschaften mit Spannung erwarteten Show zu. Mit einem Riesenklamauk, viel Rauch und einem Feuerwerk traten die Riettüfel Triber ins gleissende Rampenlicht und sorgten für den eigentlichen Höhepunkt.

Danach galt die Aufmerksamkeit den verschiedenen befreundeten Perchtengruppen aus dem In- und Ausland. Mit bemerkenswerten Auftritten schufen diese «auf Teufel komm raus» eine tolle Stimmung auf dem Allmendplatz.

Grosse Beachtung fand zudem die am Nachmittag von Rochus Federer aus Rebstein mit der Motorsäge geschnitzte Skulptur, die zugunsten der schwerstbehinderten Jessica Gschwend aus Altstätten für 2600 Franken versteigert wurde. Mit dieser Summe wurden laut Philippe Sinz alle Erwartungen übertroffen. Bei Hochbetrieb in der Beizenstadt klang der «tüflisch-höllische» Abend in bester Stimmung aus.

Rochus Federer schnitzte für Jessica. (Bilder: René Jann)

Rochus Federer schnitzte für Jessica. (Bilder: René Jann)