Mit der Kamera gegen Vorurteile

«Es soll Diskussionen geben», sagen Peter und Jolanda Sonderegger. Sie haben einen Film über Thomas Torgler gedreht. «Der mit dem Leopardenmantel» feiert am Montag, 18. November, Premiere im Kinotheater Madlen.

Monika von der Linden
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Jolanda und Peter Sonderegger haben «Der mit dem Leopardenmantel» produziert. «Ich hoffe, dass viele aufgrund des Filmes Thomas Torgler anders betrachten werden», sagt Jolanda Sonderegger. (Bild: Monika von der Linden)

Jolanda und Peter Sonderegger haben «Der mit dem Leopardenmantel» produziert. «Ich hoffe, dass viele aufgrund des Filmes Thomas Torgler anders betrachten werden», sagt Jolanda Sonderegger. (Bild: Monika von der Linden)

BERNECK. Thomas Torgler ist in Berneck bekannt. Er ist der mit dem Leopardenmantel.

«Ich wusste, wer er ist, kannte ihn aber nicht und hielt ihn sogar für einen Spinner», sagt Peter Sonderegger.

Weil ihn der Typ Mensch interessierte, sprach er Thomas Torgler spontan an der Bushaltestelle an. «<Ja, warum nicht>, beantwortete er sofort meine ungehobelt gestellte Frage, ob Jolanda und ich einen Film über ihn machen dürfen.»

Warum trägt er den Mantel?

Das Porträt mit dem treffenden Titel: «Der mit dem Leopardenmantel» zeichnet ein feines Bild des Rheintalers Thomas Torgler. Die Filmemacher urteilen und kommentieren nicht, beantworten aber die Frage, warum Thomas Torgler immer den Mantel trägt.

«Manchmal zweifelten wir, ob wir den Film machen dürfen. Sind wir zu indiskret oder treten wir Thomas mit dem Porträt zu nahe?», sagt Jolanda Sonderegger. «Anfangs bekamen wir viele negative Reaktionen. Macht man einen Film über eine berühmte Person, sind alle begeistert. Bei dem Aussenseiter Thomas hörten wir viele Vorurteile.»

Peter Sonderegger sagt überzeugt: «Wir dürfen es! Wir wollen den Berneckern zeigen, wer Thomas ist. Wir haben uns entschlossen, unser revidiertes Bild der Öffentlichkeit vorzustellen.»

«Der Film soll Diskussionen auslösen.» Thomas Torgler stehe gerne mit seiner Kunst in der Öffentlichkeit, ergänzt Jolanda Sonderegger.

Sie hatten zwar ein Konzept und einen Fragenkatalog zusammengestellt. Ein Drehbuch gab es aber nicht. «Dadurch waren wir komplett frei und konnten gut auf Änderungen reagieren», sagt Jolanda Sonderegger. Sie und Markus Löliger führten die Interviews. «Thomas war sehr offen und hat alle Fragen spontan und ehrlich beantwortet.» Hingegen sei es schwerer gewesen, Leute zu finden, die sich vor der Kamera äussern wollten. Sie hoffe, es schauen sich auch Leute den Film an, die von einer endogenen Depression – wie Thomas Torgler – betroffen sind. «Vielleicht hilft es ihnen, dass wir das Thema aufgreifen und in der Öffentlichkeit zeigen», sagt Jolanda Sonderegger. Dann hätte der Film eine überregionale Bedeutung.

Feinfühlig vorgehen

Vor zwei Jahren erhielten Jolanda und Peter Sonderegger mehrere Auszeichnungen für «Boxenstopp». Bei einem Film über die Restauration eines Autos sei vieles gegeben, sagt Peter Sonderegger. «Bei Thomas haben wir bei null angefangen. Die erste Frage an ihn war: <Wer bist Du?> Wir mussten feinfühlig vorgehen und flexibel sein. Das ist uns gelungen.»

Sind Sie stolz auf den Film?

«Ja, sonst zeigten wir ihn nicht im Kino und an Filmwettbewerben. Wir haben ein heikles Thema so umgesetzt, dass man gerne zuschaut», sind sie überzeugt.

«Der mit dem Leopardenmantel» feiert am Montag, 18. November, um 18 Uhr, im Kinotheater Madlen in Heerbrugg Premiere. Am Samstag, 23. November, ist um 17.15 Uhr eine weitere Vorführung. An beiden Terminen werden Bilder von Thomas Torgler ausgestellt. Die «Ostschweiz am Sonntag» bringt ein Porträt über Thomas Torgler.

Thomas Torgler ist «Der mit dem Leopardenmantel».

Thomas Torgler ist «Der mit dem Leopardenmantel».

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