Mit dem Express in die NLA

FAUSTBALL. Der STV Walzenhausen – Schweizer Meister 1983 und 1984 – ist direkt von der 5. Liga in die Nationalliga A aufgestiegen. Die Vorderländer können auf ungewöhnlich viele, etwa gleichaltrige Nachwuchsspieler zählen. Den Aufschwung beschleunigt, hat die Zusammenarbeit mit Widnau.

Yves Solenthaler
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Alle Stufen von der 5. Liga bis zur Nationalliga A erklommen (kniend von links): Stefan Fehle, Noah Kellenberger. Stehend (v. l.): Cyrill Schreiber (Trainer), Rolf Schmid (Coach), Remo Pinchera, Sandro Pfändler, Christian Kellenberger, Beda Kellenberger, Lukas Züger und Luca Rechsteiner. (Bild: Yves Solenthaler)

Alle Stufen von der 5. Liga bis zur Nationalliga A erklommen (kniend von links): Stefan Fehle, Noah Kellenberger. Stehend (v. l.): Cyrill Schreiber (Trainer), Rolf Schmid (Coach), Remo Pinchera, Sandro Pfändler, Christian Kellenberger, Beda Kellenberger, Lukas Züger und Luca Rechsteiner. (Bild: Yves Solenthaler)

Sechs Aufstiege in fünf Jahren, auf direktem Weg zurück in die höchste Liga. Dass Walzenhausen so schnell in die NLA zurückkehrt, überrascht gar die Protagonisten. Dass es geschieht, hingegen nicht. Die Walzenhauser ernten die Früchte von zwei Saaten, die sie vor sieben und drei Jahren ausgelegt haben.

Das Ende wurde zum Anfang

Der erste Anfang entstand aus einem Ende. 2008 hatte sich die Faustballgemeinschaft Appenzeller Vorderland aufgelöst. Es war der Moment, in dem Max Schreiber von der Walzenhauser Faustball-Familie sich entschloss, mit einer guten Handvoll talentierter Spieler etwas Neues aufzubauen. Lukas Züger, Beda und Noah Kellenberger, Sandro Pfändler und Luca Rechsteiner gehörten zu dieser Gruppe. Sie sind heute knapp über oder unter 20, waren zum Teil schon in der 5. Liga dabei – und nehmen nächstes Jahr ihre erste NLA-Saison in Angriff. Die jungen Spieler sind nicht nur auf dem Rasenviereck Freunde, auch daneben unternehmen sie viel gemeinsam.

Im Frühjahr 2012 folgte der nächste Schritt, sozusagen der zweite Anfang: Widnau ging mit dem damaligen 2.-Ligisten Walzenhausen eine Trainingsgemeinschaft ein. Die jungen Spieler – trainiert von Cyrill Schreiber, dem seit Jahren besten Schweizer Faustballer – konnten gemeinsam mit Widnaus NLA-Team trainieren. Dafür kehrte Schreiber zu Widnau zurück und nahm seinen Schwager Juliano Fontoura mit. Das sportliche Ziel des Projekts war: NLA-Aufstieg von Walzenhausen und Weltcupsieg von Widnau. Um ihren Teil auch zu erfüllen, bekommen die Widnauer Faustballer am 17./18. Oktober in Brasilien die Gelegenheit.

Kehrt «Fausto» zurück?

Cyrill «Fausto» Schreibers Traum war es schon immer, einmal mit seinem Heimatverein Walzenhausen in der NLA zu spielen. Ob er nun wechselt, entscheide er erst im November nach der WM, sagt Schreiber. Es sieht ganz danach aus: Walzenhausen braucht wohl Verstärkung, um sich in der NLA zu halten – und allzu lange kann Cyrill Schreiber seinen Traum nicht mehr aufschieben; er ist 31-jährig und hat eine beachtliche Verletzungs-Geschichte hinter sich.

Dank der Zusammenarbeit mit Widnau kam auch Remo Pinchera auf den Walzenhauser Sportplatz Franzenweid. Er hat hier seine ersten Schritte als Faustballer gemacht – vor 25 Jahren, als sein und Cyrills Vater gemeinsam bei Walzenhausen spielten. Schreiber und Pinchera haben gemeinsam mit dem Sport angefangen – ihr erster Jugendtrainer war Rolf Schmid, der seit dieser Saison Coach der Walzenhauser ist.

Der Einfluss des «Papis»

«Ich bin vor drei Jahren mit der klaren Absicht gekommen, die jungen Spieler zu führen», sagt der 31-jährige Pinchera. Der Bernecker ist, wie er selbst sagt, der «Papi» im Team. «Die jungen Spieler ziehen gut mit, nur selten muss ich sie ermahnen, den Ausgang nicht zu überziehen.» Pinchera lacht bei diesen Worten; er weiss, dass er als junger Spieler auch nicht immer der Vorzeigesportler gewesen ist. Cyrill Schreiber hatte diesem Bild schon als 20-Jähriger eher entsprochen. Auch der strenge Trainer lobt den Fortschritt der Jungen, fügt aber an: «Im Training müssen sich die Spieler in der Nationalliga A steigern: Die Intensität wird höher – und auch bei der Einstellung der Jungen ist noch Verbesserungspotenzial vorhanden.»