Mit dem Ball am Fuss zieht er los

Widnau und die zweite Mannschaft des FC Rapperswil-Jona trennen sich in der 2. Liga nach einem guten Spiel 1:1. Der Widnauer Mittelfeldspieler Daniele Lamorte bereitet das einzige Tor seines Teams vor.

Beni Bruggmann
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Daniele Lamorte entwischt einem Rapperswiler Gegenspieler – mit dem Ball am Fuss. Der 20-Jährige träumt nicht mehr von der Profikarriere, aber er möchte den Sport zum Beruf machen. (Bild: Ulrike Huber)

Daniele Lamorte entwischt einem Rapperswiler Gegenspieler – mit dem Ball am Fuss. Der 20-Jährige träumt nicht mehr von der Profikarriere, aber er möchte den Sport zum Beruf machen. (Bild: Ulrike Huber)

«Er ist ein Lamorte: Super am Ball, aber nicht gerade lauffreudig», sagt Widnaus Trainer Sven Sonderegger über seinen eleganten Mittelfeldspieler, den 20-jährigen Daniele Lamorte, Italiener, 1,81 m gross. Aber im nächsten Satz korrigiert er: «Also, in den letzten Spielen hat er mir in Sachen Laufen das Gegenteil bewiesen.» Diesen Beweis bringt er auch in diesem Match gegen Rapperswil-Jona, und zwar eindrücklich.

Daniele Lamorte spielt hinter der Sturmspitze, hinter Jasmin Abdoski, im offensiven Mittelfeld. Er ist stets unterwegs, jederzeit anspielbar, ganz im Dienst der Mannschaft. Er ist ausgesprochen lauffreudig. Mit dem Ball geht er geschickt um. Gekonnte Ballannahme, auch in Bedrängnis, und gute Zuspiele wirken wie selbstverständlich. Er ist einer, der mit seinen Direktpässen das Spiel schnell machen kann. Und wenn er mit dem Ball am Fuss loszieht, dann wird es für jeden Gegner gefährlich. Er ist technisch stark.

Führungstor für Widnau perfekt vorbereitet

In der 28. Minute erobert Lamorte in einem Zweikampf den Ball, setzt sich mit einem rassigen Antritt vom Gegenspieler ab und spielt seinem Kollegen Abdoski den Ball so gefühlvoll in den Lauf, dass dieser im Strafraum in beste Schussposition kommt. Der Torschütze vom Dienst trifft zum 1:0. Damit wäre eigentlich der Weg zum zweiten Heimsieg des FCW geebnet, doch in der zweiten Halbzeit gleichen die Gäste das Spiel und durch einen Freistoss aus weiter Distanz auch das Resultat aus.

Am Schluss steht es 1:1. «Schade», sagt Lamorte, «es wäre mehr möglich gewesen.»

Fussball gehört zur grossen Familie Lamorte. Die fünf Männer spielen alle beim FC Widnau: Vater Moreno bei den Veteranen, Dario, der älteste, ist Torhüter in der dritten Mannschaft, Daniele spielt in der ersten Mannschaft, Giuliano spielt als Offensivspieler im «Zwei» in der 3. Liga und Gabriele, der jüngste der Buben, bei den Junioren. Kein Wunder, ist auch Mutter Monika zusammen mit ihrem Mann an diesem Sonntag auf dem Fussballplatz, auf dem Arm das einzige Töchterchen Ornella, erst ein paar Monate alt.

Schon bei den Widnauer E-Junioren heisst Danieles Trainer Sven Sonderegger. Als 14-Jähriger spielt er im Team Rheintal-Bodensee. Da trainiert Sonderegger auch. Dann geht Daniele Lamorte zum Nachwuchs des FC St. Gallen. Er träumt von einer Karriere als Fussballer. Gleichzeitig macht er die Lehre als Sanitär-Installateur. In dieser Zeit realisiert er, dass der Weg zum Profi schwierig werden könnte. Über Höchst und Diepoldsau kommt er zu Beginn dieses Jahres zum FC Widnau – und ein paar Monate später zurück zu seinem Trainer aus der Kinderzeit: Anfang April wird Sven Sonderegger Trainer des Widnauer Fanionteams.

In Widnau wird Daniele Lamorte schnell Stammspieler.

Sport als Beruf, nicht nur Fussball

Zurzeit geht er täglich in St. Gallen zur Schule. Er will die Berufsmatura erreichen. Dann hat er den Grundstein gelegt zu seinem grossen beruflichen Ziel: «Ich möchte in Magglingen die Ausbildung zum Sportlehrer machen. Ich liebe die Bewegung, ich liebe den Sport, nicht nur den Fussball.» So kann er auch die Frage klar beantworten, ob er nochmals einen Versuch unternehme, in den Spitzenfussball zu kommen. «In den nächsten Jahren sicher nicht», sagt er, «und wenn später nochmals eine Chance kommt, dann – vielleicht …»

Nach 70 Minuten, es steht immer noch 1:0 für Widnau, wird Daniele Lamorte ausgewechselt. Also doch zu wenig gelaufen? Zu wenig geleistet? Dem Team zu wenig gebracht? Die Antwort ist einfach: Er war während der Woche krank. Aber er wollte unbedingt spielen. Nicht die 20 Minuten, die er am Schluss zuschauen musste, sind entscheidend, sondern vielmehr die 70 Minuten, die er gespielt hat. Er verdankt sie einem Trainer, der ihm vertraut.