Mit dem Baby ins Museum

Schreiende Kleinkinder sind im ruhigen Museumsambiente eher fehl am Platz. Das Forum Würth bietet neu Führungen für Erwachsene mit Kindern bis zwei Jahren an: Die jungen Mütter sind begeistert.

Jolanda Riedener
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Mit dem Säugling eine Kunstausstellung zu besuchen, erfordert Mut: Wenn das Kind schreit, haben die meisten Museumsbesucher wenig Verständnis. Auch für junge Mütter ist das unangenehm. Das Forum Würth in Rorschach öffnete deshalb diese Woche erstmals die Türen nur für Erwachsene mit Kleinkindern und bot eine entsprechende Führung an. Rund zehn Mütter folgten dem Angebot mit Kinderwagen und Schoppen.

Museumsambiente entspannt Neugeborene

Kunstvermittlerin Hanna Falk führt die Gruppe durch die aktuelle Ausstellung «Waldeslust». Sie erklärt den Müttern den Unterschied zwischen Impressionismus und Expressionismus, dazwischen schreit das erste Baby wie am Spiess. Die meisten sind zwischen drei und vier Monate alt. «Wir lassen uns Zeit und schauen in der Gruppe, was auf uns zukommt», sagt Falk, die das Projekt entspannt angeht. «Wenn ein Baby gewickelt werden muss, ist das kein Problem.» Auf die Idee für diese Veranstaltung ist Falk selbst gekommen: «Ich war mit einer Freundin, die ein Kleinkind hat, in einer Ausstellung. Die Mutter musste sich ständig Sorgen machen, dass ihr Baby weinen könnte.» Nun fand die Veranstaltung das erste Mal statt: «Wir brauchen mindestens fünf Anmeldungen zur Durchführung.» Bei den Müttern kommt die Führung gut an: «Ich würde wieder kommen», sagt eine Besucherin. Auch die Zeit, eine knappe Stunde, sei ideal. Während des Mutterschaftsurlaubs schätze sie es sehr, mit ihrem Neugeborenen etwas ausserhalb der eigenen vier Wände zu unternehmen. «Das Ambiente macht die Kinder ruhig, es ist entspannend», sagt eine andere Mutter. Tatsächlich: Nach den ersten zehn Minuten sind die meisten Kinder ruhig, und die Mütter können den Ausführungen von Hanna Falk lauschen. Ein Bub scheint von Malereien, die Pilze abbilden, ganz angetan zu sein: Mit wackligen Schritten und beiden Handflächen voran stürzt er sich auf die bunten Kunstwerke. In letzter Sekunde kann die Mutter eingreifen und Schlimmeres verhindern.