Mit Akrobatik aufs Podest

Der 25-jährige Skicrosser Marc Bischofberger fährt beim für ihn nächstgelegenen Weltcuprennen als Dritter aufs Podest, nur zwei Franzosen waren schneller. Das ist das beste Ergebnis des Obereggers seit seinem einzigen Sieg vor bald zwei Jahren.

Yves Solenthaler
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Marc Bischofberger spritzte in Montafon fast alle seine Gegner ab und durfte sich im «Heimrennen» über seinen zweiten Weltcup-Podestplatz freuen. (Bilder: Yves Solenthaler)

Marc Bischofberger spritzte in Montafon fast alle seine Gegner ab und durfte sich im «Heimrennen» über seinen zweiten Weltcup-Podestplatz freuen. (Bilder: Yves Solenthaler)

Letzte Saison bildete das Rennen in Montafon den Auftakt zur Weltcup-Saison. Gerade mal zwei Schweizer konnten sich damals fürs Rennen qualifizieren, Alex Fiva rettete als Siebter die Ehre noch halbwegs.

Die Saison der Schweizer blieb durchwachsen: Am Schluss gab es nur einen Sieg (durch Jonas Lenherr) und drei weitere Podestplätze.

Bischi ist ein Symbol des Schweizer Aufschwungs

Diese Saison fand oberhalb von Schruns das vierte Rennen der Saison statt. In den ersten drei Rennen hatten schon zwei Schweizer gewonnen (Alex Fiva in Val Thorens und Romain Detraz in Arosa). In Vorarlberg steuerte Marc Bischofberger den dritten Podestplatz für Swiss Ski bei.

Der Oberegger ist ein Symbol für den Aufschwung des Teams von Cheftrainer Ralph Pfäffli. Letzte Saison überstand er etwa die Hälfte der Qualifikationen nicht, erreichte nur einmal die Viertelfinals (Top 16). Diese Saison musste Bischofberger in vier Rennen noch nie nach der Quali die Koffer packen. Er fuhr je einmal in den Achtel-, Viertel-, Halbfinal und die Endrunde. Als Vierter des Gesamtweltcups ist er für die zwei letzten Rennen der neuen Cross Alps Tour in Innichen (21. und 22. Dezember) bereits fix qualifiziert.

Was machen Bischofberger und das gesamte Schweizer Team besser als vor einem Jahr?

«Wir haben uns in vielen kleinen Details verbessert», sagt Pfäffli. Bischofberger erwähnt, dass er sich mit der neuen Skimarke wohler fühlt. Pfäffli sagt: «Beim Material gibt's keine Geheimnisse. Es liegt sicher nicht nur am Ski.»

Bischofberger war vor dieser Saison als guter Überholer, aber Langsamstarter bekannt. Über das Rennen in Montafon sagt sein Trainer, die Starts seien «phänomenal» gewesen. Der Start ist beim Skicross mehr als ein Detail: Wer als Führender zur ersten Kurve kommt, hält alle Trümpfe in der Hand. Und Bischofberger kam in seinen Heats in dieser Saison oft schnell raus.

Sturz verhindert wie in einem Computerspiel

Aber auch Bischofbergers Körpersprache auf der Strecke hat sich gegenüber der verkorksten letzten Saison verändert, das zeigte sich vor allem im ersten (aussergewöhnlich langen) Rennen in Val Thorens, wo er zwei-, dreimal spektakulär überholen konnte.

Die Glanzleistung zeigte er im Final von Montafon. Der Kanadier Kevin Drury stürzte Bischofberger praktisch vor die Schienbeine. Viele sahen den Oberegger auch schon von der Strecke fliegen. Wie er sich aber auf den Beinen hielt, erinnerte an Jump'n'Run-Computerspiel – als hätte er mittels eines «Boosters» durch den Gegner fahren können. «Wie ich vorbeikam, weiss ich nicht», sagt Bischofberger, «aber in dieser Situation hat sich das Akrobatik-Training bezahlt gemacht.»

Aber die Franzosen Jean- Frédéric Chapuis (Sieger) und Jonas Devouassoux waren danach nicht mehr einzuholen. Auch wegen dieser Schrecksekunde freute sich Bischofberger im Ziel über den dritten Platz wie über einen Sieg. Sein Fanclub «Biski Fantics» machte mit 50 Leuten Stimmung und geriet je länger desto mehr in Feierlaune. Deshalb war der Podestplatz in Montafon, zumindest emotional, für Bischofberger fast schöner als der Sieg in Val Thorens vom Januar 2015.

Mit dem zweiten Top-5-Platz der Saison hat sich Bischofberger für nächste Saison wieder fürs Nationalteam qualifiziert. Auch die WM-Selektion hat er nach den Resultaten bereits geschafft.

Weil aber im März in Sierra Nevada nur vier Schweizer starten können, muss Bischofberger für den tatsächlichen WM-Start noch einen harten Konkurrenzkampf bestehen.