Mist im Herbst ist Mist

Was in der Landwirtschaft verboten ist, wird im Hausgarten noch immer gemacht: Der Mist wird im Herbst auf unbewachsenen Boden ausgebracht.

Eveline Dudda
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Mist ist der perfekte Dünger – aber nur, wenn er zur rechten Zeit eingesetzt wird. (Bild: Eveline Dudda)

Mist ist der perfekte Dünger – aber nur, wenn er zur rechten Zeit eingesetzt wird. (Bild: Eveline Dudda)

Wer im Herbst auf unbewachsene Gartenbeeten Mist ausbringt, verhält sich wie jemand, der ein grosses Buffet in der Einöde aufstellt. Es ist niemand da, der die Köstlichkeiten geniessen kann! Denn wo keine Pflanzen wachsen, können auch keine Nährstoffe aufgenommen werden. Solange es unter fünf Grad kalt ist, bleiben die Nährstoffe wo und wie sie sind. Doch an warmen Tagen wird ein Grossteil davon mobil, vom Regen ausgeschwemmt und landet auf Nimmerwiedersehen im Untergrund oder dem nächsten Gewässer. Tschüss Düngewirkung! Was zurückbleibt, ist die organische Substanz. Die ist zwar auch nicht schlecht, aber davon allein werden die Pflanzen später nicht satt.

Ein Nährstoff hält sich allerdings wacker: der Phosphor. Er ist nur kurze Zeit wasserlöslich und geht danach schwer lösliche Verbindungen mit dem Boden ein. Wer Jahr für Jahr im Herbst Mist ausbringt, erhöht damit langsam, aber sicher den Gehalt an schwer löslichem Phosphor im Boden. Mit dem Phosphor-Überschuss ist es wie mit Übergewicht: Es ist leicht zu bekommen und schwer wieder loszuwerden. Aufs Düngen verzichten ist keine Option, ohne Düngung gibt es auf Dauer keinen Ertrag. Aber man sollte wenigstens nur noch phosphorarme Dünger einsetzen. Im Handel sind solche Dünger erhältlich und gekennzeichnet. Mist und Kompost sind auch nicht tabu, sofern sie mit stickstoffbetonten Düngemitteln wie Hornmehl, Hornspänen, Federn oder Federmehl ergänzt werden.

Bei Pflanzen, die auch noch im Winter wachsen, stellt sich das Problem nicht. Stauden, Beeren, Obst, überwinternden Gründüngungen etc. kann man im Herbst durchaus eine Gabel Mist verabreichen. Die Wurzeln dieser Pflanzen gehen bei wärmeren Temperaturen im Boden auf Nährstofffang.

Ansonsten ist es allemal besser, den Boden grüngedüngt statt braungemistet in den Winter zu entlassen. Wer den Mist schon ausgebracht hat, sollte ihn zumindest mit einem Kompost-Vlies zudecken, damit der Regen (oder Schnee, falls es welchen gibt) die Nährstoffe nicht auswaschen kann. Plastik ist zum Abdecken weniger geeignet, da der Mist darunter erstickt.

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