Melodien, die Geschichten erzählen

Die Musikgesellschaft St.Margrethen lud zum traditionellen «Konzert im Advent» ein und spielte ein anspruchsvolles Programm.

Gerhard Huber
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Die MG St.Margrethen spielte mit ihrem neuen Dirigenten Wolfgang Käser ein anspruchsvolles Konzert.

Die MG St.Margrethen spielte mit ihrem neuen Dirigenten Wolfgang Käser ein anspruchsvolles Konzert.

Ulrike Huber

Musik kann verzaubern. Musik kann in fremde Welten entführen. Musik kann einfach unterhalten. Musik kann auch Geschichten erzählen, seelische Erlebnisse und Geschehnisse durch tonmalerische Elemente in ihre eigene Sprache übersetzen. Eine Sprache, die von jedem Liebhaber verstanden wird.

Deutlich wird diese Sprache vor allem, wenn der Komponist bewusst eine Kurzgeschichte, einen Roman oder eine historische Episode in die Sprache der Musik transferiert.

Musikalische Bergtour auf den Gipfel des Eigers

So wie der amerikanische Komponist James Swearingen mit seinem eigens für Blasmusikorchester geschriebenen Stück «Eiger – a Journey to the Summit», mit dem die Musikgesellschaft ihr anspruchsvolles und ausgezeichnet interpretiertes Konzert eröffnete.

Mit diesem Werk machten sich die Musiker unter der Leitung des neuen Dirigenten Wolfgang Käser auf eine anforderungsreiche musikalische Bergtour auf den Eiger. Der Komponist beschreibt die Geschichte des John Harlin, der als kleiner Junge seinen Vater an die Eigernordwand verloren hatte und vierzig Jahre später selbst die Klettertour auf diesen Berg wagt. Es ist eine Musik, die mächtig, kräftig und stark wie der Berg selbst ist. Dann ist sie wieder leise und melodisch, bevor das nächste Gewitter aufzieht und die Komposition in einem furiosen Crescendo und dem Gipfelsieg endet.

Der Mut der Heldsberger, sich mit dem neuem Dirigenten gleich an derart schwierige Stücke zu wagen, hat sich ausbezahlt. Es folgte ein weiteres Beispiel für exzellente Programmmusik, Musik, die Geschichten erzählt, nämlich Steven Reinekes «Die Hexe und die Heilige». Reineke liess sich durch das gleichnamige Buch von Ulrike Schweikert zu dieser Komposition inspirieren und erzählt von einem der dunkelsten Kapitel des Mittelalters, den Hexenverfolgungen. So beschrieb die MG St.Margrethen in musikalischer Form den Widerstreit von Gut und Böse, machte in dunklen Tönen das Heranschleichen der Häscher hörbar und liess zum Zeichen der Hoffnung die Glocken erklingen.

Nach schwerem Unfall mit Herzlichkeit begrüsst

Ebenso grossartig war die Leitung Wolfgang Käsers, der mit viel Gefühl für die Stimmung der Musikstücke und mit sehr exakter Stabführung sein neues Orchester souverän durch die Schwierigkeiten der symphonischen Erzählungen führte. Kompetent und fachkundig wie jedes Jahr war die Moderation Guido Schneiders, der sich von einem im Sommer erlittenen schweren Unfall wieder erholt hat und von den Musikern und ihrem Präsidenten Donatus Gerig wie auch vom zahlreichen Publikum mit grosser Herzlichkeit und viel Applaus begrüsst wurde.

Wie es sich für ein «Konzert im Advent» gehört, kamen dann noch winterlich-weihnachtliche Töne zu Gehör. Mit der populären «Schlittenfahrt» von Leroy Anderson ging es auf die Reise durch einen schönen, schneereichen Wintertag. Da klingelten die Schlittenglöckchen, wieherten die Trompeten wie Zugpferde und knallten die Peitschen durch eine fröhliche und zur Jahreszeit passende Melodie.

Eine Melodie, die Ende der Vierziger des letzten Jahrhunderts komponiert, zur Weihnachtszeit vor einem Jahr erstmals die deutschen und Schweizer Charts eroberte. Auch ein kleines Weihnachtswunder. Genauso wie das «Konzert im Advent» der MG St.Margrethen.

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