Meistertitel für die Ostschweiz

Die U15-Juniorinnen des Ostschweizer Fussballverbands (OFV) haben an der Schweizer Futsal-Meisterschaft in Widnau souverän gewonnen. Am Rande diskutierten Maura Graglia und Hildegard Fässler über Frauenförderung im Sport.

Yves Solenthaler
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Vier Rheintalerinnen in der Ostschweizer U15-Auswahl (v. l.): Seraina Scherrer (Altstätten), Deborah Fanchini (Heerbrugg), Jana Brunner (Altstätten) und Noemi Wetter (Rheineck). (Bilder: ys)

Vier Rheintalerinnen in der Ostschweizer U15-Auswahl (v. l.): Seraina Scherrer (Altstätten), Deborah Fanchini (Heerbrugg), Jana Brunner (Altstätten) und Noemi Wetter (Rheineck). (Bilder: ys)

Futsal. Die Juniorinnen des OFV geben zu Hoffnungen Anlass – nimmt man die Matches vom Wochenende in Widnau zum Nennwert, wird die eine oder andere Ostschweizer U15-Juniorin in einigen Jahren im Frauen-Nationalteam erscheinen.

Unter anderem über die Zukunftsaussichten dieser Nationalmannschaft diskutierten am Samstag in Widnau Hildegard Fässler und Maura Graglia. Fässler ist SP-Nationalrätin und Mitglied des neugegründeten Frauenfussballrats. Graglia feierte als Trainerin des LC Brühl mehrere Schweizer Meisterschaften im Frauenhandball. Heute arbeitet die Baslerin als Sportpsychologin.

Fortschritte im Fussballverband

Die zwei Frauen versuchten zu erörtern, wie Mädchen im Sport wirkungsvoller gefördert werden könnten. Gemäss Fässler ist dies kein geschlechterspezifisches Problem in der Schweiz: «Wir freuen uns über erfolgreiche Schweizer Sportlerinnen und Sportler, aber die Ausbildung solle möglichst nichts kosten.» Das gelte für Buben ebenso wie für Mädchen. Gerade der Fussballverband habe, was die Förderung von Mädchen angeht, viele Fortschritte gemacht. «Mitunter fehlt vielleicht noch etwas das Bewusstsein, dass auch Mädchen kicken», sagt Fässler. Doch im Vergleich zu der Zeit, in der sie noch aktiv gegen den Ball trat, würden die Mädchen viel besser betreut.

Nötig seien für den Frauenfussball indes Erfolge wie eine EM- oder WM-Teilnahme. Die zuletzt knapp verpasste WM-Quali der Schweiz hat gemäss Fässler gezeigt, dass solche Erfolge «nicht mehr lange auf sich warten lassen.» Als Musterland des Frauenfussballs gilt Deutschland, wo im Sommer die WM stattfinden wird («es war mir nicht möglich für ein Deutschland-Spiel noch Tickets zu bekommen», sagt Graglia). Doch auch die deutschen Frauen mussten kämpfen, bis sie dieses Level erreicht hatten. So hatte der Deutsche Fussballbund im Jahr 1955 Frauenfussball offiziell verboten (!) – erst 1970, also vor 40 Jahren, wurde dieses Verbot wieder aufgehoben. «Die sporttreibenden Mädchen brauchen mehr weibliche Vorbilder», sagt Fässler, «Männer gelten im Sport oft als Helden, Frauen leider viel seltener.»

Elf Tore in der Finalrunde

Dass das Niveau im Frauen- und Mädchenfussball immer höher wird, bestätigte das U15-Turnier im Futsal in der Widnauer Aegetenhalle. Die besten Mädchen der Altersklasse boten meist begeisternden Sport, allen voran die Ostschweizerinnen konnten überzeugen. In der Vorrunde vom Samstag qualifizierten sie sich problemlos für die Finalrunde. In dieser Sechser-Poule schwangen sie mit zwölf Punkten obenaus; vier Siegen stand nur eine Niederlage gegen Bern/Jura gegenüber. Der Schweizer Meistertitel war auch deshalb verdient, weil die Ostschweizerinnen mit elf Toren in der Finalrunde klar die treffsichersten waren.

«Sportler sind Helden, aber Sportlerinnen leider keine Heldinnen», waren sich Sportpsychologin Maura Graglia (links) und Frauenfussballrätin Hildegard Fässler während der Podiumsdiskussion einig.

«Sportler sind Helden, aber Sportlerinnen leider keine Heldinnen», waren sich Sportpsychologin Maura Graglia (links) und Frauenfussballrätin Hildegard Fässler während der Podiumsdiskussion einig.

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