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MEINUNG: Das Meisterwerk

Gert Bruderer
Der Anblick des geplanten neuen Hallenbades dürfte in jedem Freund ästhetisch anspruchsvoller Architektur angenehme Gefühle wecken. (Bild: pd)

Der Anblick des geplanten neuen Hallenbades dürfte in jedem Freund ästhetisch anspruchsvoller Architektur angenehme Gefühle wecken. (Bild: pd)

Ein Hallenbad ist nichts für mich. Den Aufenthalt in einem Schwimmbad empfand ich stets als unangenehm. Seit meiner Schulzeit meide ich Schwimmbäder strikt. Trotzdem befürworte ich den Bau eines neuen Hallenbades in Altstätten. Denn die Abneigung gegen Schwimmbäder ist gepaart mit Dankbarkeit. Ich bin froh, dass ich schwimmen kann. Und ich bin froh, dass meine Kinder schwimmen können.

Der Schwimmunterricht ist denn auch das gewichtigste Argument für die Abstimmungsvorlage. Kinder aus allen Oberrheintaler Gemeinden kommen regelmässig ins Altstätter Hallenbad. Sie machen etwa die Hälfte der insgesamt zwei Millionen Besucher aus, die seit der Eröffnung des jetzigen Bades vor 44 Jahren hier geschwommen sind.

Das neue Bad ist eine Augenweide! Es zu betrachten, weckt wohl in jedem Freund ästhetisch anspruchsvoller Architektur angenehme Gefühle. Schon der erste Blick von aussen und nach innen lässt auf wundersame Weise die Zweckmässigkeit und den Mehrwert erahnen, den die Region mit diesem Hallenbad bekommt. Die Planer haben es geschafft, Schlichtheit zu einem moderaten (und garantierten!) Preis so darzustellen, dass diese Einfachheit schon beinahe luxuriös wirkt.

Dreieinhalb Jahre ist es her, dass in Altstätten die Diskussion über den Hallenbad-Neubau hohe Wellen schlug. Wer sie miterlebte, konnte wahlweise rot- oder schwarzsehen und enttäuscht einem sich abzeichnenden Debakel entgegenblicken. Stark nach oben berichtigte Kosten, die ungeklärte Form der Beteiligung der anderen Oberrheintaler Gemeinden sowie die offenkundige Unvereinbarkeit der vorhandenen Wünsche setzten dem damals noch vagen Projekt zu. Auch eine Abstimmungsbeschwerde drückte die Stimmung.

Und nun? Als sei Politik ein Kinderspiel, haben die Verantwortlichen der sechs Gemeinden des oberen Rheintals klare Verhältnisse mit der Bereitschaft geschaffen, eben jenen Zweckverband zu gründen, den in Altstätten viele gefordert hatten. Altstätten als Stand­ortgemeinde übernimmt 60 Prozent aller Kosten und steuert das Grundstück bei.

Es gibt sicher kein Grossprojekt, dem nicht zumindest Bedenken erwachsen. In Altstätten gibt es zum Beispiel die folgenden Fragen: Braucht es ein Warmwasser-Aussenbecken? Ist die Rutschbahn am richtigen Ort? Wird genug in die Erneuerungsreserve eingezahlt? Muss die Stadt wirklich das Grundstück einbringen?

Der Abstimmung über ein Hallenbad, das in sechs Gemeinden gutgeheissen werden soll, geht zwangsläufig eine Gratwanderung voraus. Eine Vielzahl von Kompromissen. Die Wahrung des Gleichgewichts zwischen Wunsch und Notwendigkeit. Es geht zugleich um ein verlässliches Gespür für das Entbehrliche und die Bereitschaft, offenkundigen Zusatznutzen nicht stur des Geldes wegen auszuschliessen.

Wie gesagt, gegenseitige Zugeständnisse sind unumgänglich. Und welche Gemeinde wie viel bezahlt, hängt zwar von Zahlen ab, liegt aber auch im Ermessen aller Betroffenen. Dass Altstätten als Standortgemeinde mehr zu leisten hat, ist selbstverständlich. Die Stadtbewohner und Altstättens Schulen haben das Hallenbad in der Nähe, und die Zahl der Altstätter Badbesucher liegt eher leicht über der Hälfte aller Badegäste aus der Region des Zweckverbandes.

Natürlich lässt sich über Teile des Projektes streiten. Doch als Ganzes ist es ein plausibel aufgebautes kleines Meisterwerk, das nicht nur architektonisch, sondern auch betriebstechnisch durch Feingliedrigkeit und Kompaktheit besticht. Die Leistungskraft des neuen Hallenbades äussert sich in dessen Überschaubarkeit, im Energiekonzept wie in der Ablauforganisation, im künftig unbehinderten Nebeneinander von Schul-, Vereins- und Freizeitschwimmen und in einem leicht vorstellbaren, im Vergleich zu heute deutlich gesteigerten Wohlbefinden der Badegäste. Mich selbst lässt dieses neue Hallenbad bedauern, dass ich ungern schwimme. Doch ich freue mich für jeden, der das neue Angebot wird nutzen können.

Gert Bruderer

In Altstätten wird am 26. November an der Urne abgestimmt, die anderen Gemeinden im oberen Rheintal stimmen an ihren Bürgerversammlungen im Frühjahr ab.

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