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Mein Handy – mein Leben?

Aus christlicher Sicht
Jens Mayer
Das Handy ist für viele Menschen ein Begleiter, ohne den der Alltag fast nicht mehr bewältigt werden kann. (Bild: Depositphotos/peshkova)

Das Handy ist für viele Menschen ein Begleiter, ohne den der Alltag fast nicht mehr bewältigt werden kann. (Bild: Depositphotos/peshkova)

«One more thing» – Mit dem berühmt gewordenen Lieblingssatz des verstorbenen Steve Jobs wurde vorletzte Woche das iPhone X vorgestellt, die neueste Handy­generation aus dem Hause Apple. Und wieder einmal versprechen uns die Verantwortlichen und Medien weitere Details, mit denen das neueste Smartphone die unterschiedlichsten Aspekte unseres Lebens vereinfachen wird.

Nun bin ich kein grosser Technikfreund und kann mit meinem vier Jahre alten Smartphone vieles nicht, was mit dem neuen möglich wäre. Aber ich merke, dass ich gar nicht alles machen will. Nicht einmal das, was sogar mein altes Handy noch schaffen würde.

«Der liebe Gott sieht alles!», war eine typische Drohung meiner Kindertage. Dieser recht vage Verweis auf eine höhere Instanz, die mein Leben überwacht, hat mich nicht immer, aber ab und zu doch beschäftigt. Was mag der «liebe Gott» wohl davon halten, was Klein-Jens so macht und treibt? Heutzutage wissen wir: «Das Handy sieht nicht nur alles, es weiss alles – und das Internet vergisst nichts!» Aber als Drohung empfinden wir diese Realität scheinbar nicht. Mit (fast) jeder App, die wir runterladen, erlauben wir den Zugriff auf unsere Kontakte, Kameras und Kalender. Wir geben unseren jeweils aktuellen Standort preis und lassen uns indirekt durch unsere Geräte überwachen.

Unsere technischen kleinen Helfer kennen uns manchmal besser als wir uns selbst. Die gesammelten Daten unserer Persönlichkeit landen in Mega-Datenbanken, in denen unser Verhalten, unsere Gewohnheiten und unsere Vorlieben, gespeichert, analysiert und ausgewertet werden. Und es ist kein Geheimnis, dass mit diesen Daten Geld gemacht wird.

Dabei wird das Handy für den grössten Teil der Bevölkerung mehr und mehr zum täglichen Begleiter, ohne den der Alltag fast nicht mehr bewältigt werden kann. Vor allem bei den jüngeren Generationen ist das Handy zentraler Bestandteil des Lebens. Immer wieder werde ich von meinen Schülerinnen und Schülern komisch angeschaut, wenn ich zugebe, fast keine Apps auf meinem Handy installiert zu haben. Antworte ich ihnen, dass ich mich diesem Gerät nicht so ausliefern möchte, erscheint ihnen dies oft vollkommen unverständlich. Ein Schüler sagte mir gar einmal: «Mein Handy ist mein Leben.» So ausgeliefert möchte ich dem Handy dann doch nicht sein.

Da ist mir Gott als allwissender unsichtbarer Begleiter immer noch lieber als ein scheinbar neutrales Gerät, das mich manchmal mehr durchleuchtet, als ich das selbst Gott zutrauen würde.

Jens Mayer

Pfarrer in Balgach

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