Mehr Platz dank Trittstein-Konzept

LUSTENAU. Das Hochwasserschutzprojekt Rhesi kommt in eine neue Phase: Am Donnerstag und Freitag treffen sich alle Akteure zum zweiten Werkstattbericht in Dornbirn. Die Anliegen verschiedener Interessengruppen wurden in das neue Konzept aufgenommen.

Maya Seiler
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Bei Mastrils mündet die Landquart in den Rhein; die beiden Flüsse bilden ein natürliches Auen-Gebiet, das Vorbild für die Trittsteine im Rheintal ist. (Bild: pd)

Bei Mastrils mündet die Landquart in den Rhein; die beiden Flüsse bilden ein natürliches Auen-Gebiet, das Vorbild für die Trittsteine im Rheintal ist. (Bild: pd)

Zu Rhesi, dem länderübergreifenden Jahrhundertprojekt zum Hochwasserschutz, wurden bereits 25 Info-Veranstaltungen angeboten, zwölf Projektbeiratssitzungen abgehalten und rund 450 Gespräche mit Einzelpersonen oder Kleingruppen geführt. Ausserdem besuchte die Wanderausstellung 16 Gemeinden dies- und jenseits des Rheins.

Die Projektbeteiligten haben weit über 80 Rückmeldungen mit Anliegen von Akteuren und Interessenvertretern aufgenommen und zu über einem Drittel auch bereits berücksichtigt. Zwei Fünftel der Anliegen können erst in der generellen Projektierungsphase einbezogen werden. Der grösste Teil der Rückmeldungen betrifft die allgemeine Planung, Postulate zur Grund- und Trinkwasser-Situation und zu ökologischen Belangen waren weitere zentrale Fragen.

Auch Wirtschaft und Landwirtschaft meldeten ihre Bedenken und Wünsche an. Im Wesentlichen gab es bisher zwei Lager: Die einen wollen den Überschwemmungsschutz allein mit Erhöhung der Dämme verbessern, die andern plädieren dringend dafür, dem Hochwasser mehr Fläche zu geben. Nun geht die Planung in eine entscheidende Phase. Um ein bewilligungsfähiges Projekt zu erstellen, braucht es Entgegenkommen und Kompromissbereitschaft von beiden Seiten.

Konzept erstmals vorgestellt

Am Montag trafen sich die Repräsentanten von St. Gallen und Vorarlberg, Baudepartementschef Willi Haag und Landeshauptmann Markus Wallner, die Vertreter der gemeinsamen Rheinkommission Urs Kost (St. Gallen) und Walter Sandholzer (Vorarlberg) sowie Projektleiter Markus Mähr, im Museum Rheinschauen in Lustenau zu einem Mediengespräch. Anwesend waren ORF, Radio Vorarlberg, die Austria Presseagentur und verschiedene Zeitungen.

Projektleiter Markus Mähr betonte, dass umfangreiche Untersuchungen zur Machbarkeit und weitere Abklärungen gemacht wurden. Die verschiedenen Projektvarianten wurden im Trittstein-Konzept zusammengefasst. «Trittsteine» sind Rhein-Aufweitungen analog dem Gebiet der Mastrilser Auen, um Platz für Hochwasser und ökologische Anliegen zu schaffen. Mit Bodenverbesserungen will man den Landwirten eine Kompensation für verlorene Pachtflächen im Rheinvorland anbieten. Auch dem Trinkwasser wird die nötige Beachtung geschenkt; ausser zwischen Widnau und Höchst, wo auf beiden Seiten zahlreiche Trinkwasserfassungen existieren, sollen die Brunnen nicht tangiert werden. Es ist die Rede von vier bis fünf Trittsteinen, dazwischen liegen Strecken, wo der Rhein auf einer Länge von jeweils vier bis fünf Kilometern im bestehenden Bett fliesst.

Nun kommt der nächste Planungsschritt, und den gilt es voranzutreiben. Landeshauptmann Wallner betonte, dass ein grosses Hochwasser bei der intensiven Besiedlung des Rheintals einen Schaden von sechs bis sieben Milliarden (Euro oder Franken) verursachen könnte: «Aufgrund der enormen Auswirkungen auf die Menschen, die im Rheintal leben und arbeiten, hat das Schutzprojekt höchste Priorität.» Auch Willi Haag, Chef des St. Galler Baudepartements, forderte eine konstruktive Zusammenarbeit aller Beteiligten, weg von Eigeninteressen, Misstrauen und Angst: «Die Hochwassergefährdung ist auf dem Abschnitt unterhalb der Ill-Mündung am grössten. Alle wollen Hochwasserschutz und Sicherheit, also müssen wir schnell handeln.»

Interaktive Visualisierung

Bereits heute können alle Interessierten unter www.rhesi.org in einer interaktiven Visualisierung die aktuelle Situation und ein mögliches Gefährdungsszenario ansehen.

Auf den Werkstattbericht vom 5. und 6. November hin kann man sich online auch über die Rückmeldungen und Anliegen und den Stand der Berücksichtigung informieren.