Mehr Geschichten von früher

Das Museum Prestegg will spannender werden und hat dazu den Museologen Marcel Zünd als Kurator engagiert. Leuten, die sich bislang kaum für die Geschichte unseres Tals interessiert haben, will er zeigen, wie faszinierend diese ist.

Max Tinner
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ALTSTÄTTEN. Ein regionales Zentrum für Geschichte und Kultur will das Museum Schloss Prestegg sein. Diese künftige Positionierung in der Rheintaler Museumslandschaft hat die Museumsgesellschaft Altstätten als Trägerin des Museums schon vor zehn Jahren so formuliert. Trotz darauf präsentierter Pläne für den Ausbau der herrschaftlichen Museumsliegenschaft blieb dieses Ziel aber schwammig. Jetzt will die Museumsgesellschaft es konkretisieren.

Wurzeln in Montlingen

Die dazu nötigen Konzepte kann der ehrenamtlich tätige Vorstand aber nicht alleine erarbeiten. Dafür ist ein Fachmann eingestellt worden, der St. Galler Marcel Zünd. Der Museologe mit Wurzeln in Montlingen war zunächst Primarlehrer und hat dann Ethnologie, Volkskunde und Psychologie studiert, später auch Museologie. Er hat ein Pilotprojekt für Museumspädagogik am Kunstmuseum St. Gallen geleitet, war Kulturbeauftragter des Kantons Appenzell Ausserrhoden und Leiter des Appenzeller Volkskundemuseums in Stein. Nachdem er sich die letzten Wochen bereits eingearbeitet hat, wird Zünd ab Neujahr Kurator des Museums Altstätten, also eigentlicher Leiter des Museums sein. Thomas Stadler wird ihn unterstützen und als Custos weiterhin für den baulichen Unterhalt des Museums, für gesellschaftliche Anlässe auf dem Museumsareal und für die Stadtführungen verantwortlich sein.

Wie sich das Altstätter Museum positionieren wird, hängt nicht zuletzt von der Sammlung ab. Diese ist umfangreich, und nicht alles, was ihr über die Jahre hinzugefügt wurde, ist aus heutiger Sicht tatsächlich sammlungswürdig.

Sortieren und inventarisieren

Es wird darum ebenfalls Aufgabe Marcel Zünds sein, die Sammlung zu inventarisieren und auszusortieren, was nicht in den Bestand des Museums gehört. Er wird aber nicht nur entscheiden, was man künftig den Museumsbesuchern zeigen will, sondern auch, wie man es zeigen will. «Heute ist die Ausstellung des Museums Altstätten sammlungsorientiert», sagt Zünd, «man kommt als Besucher vor allem auf seine Kosten, wenn man an einer Führung teilnimmt und sich vom Führer die Exponate erklären lässt.» Ziel müsse es nun sein, die Ausstellung mehr auf die Besucher auszurichten und sie so zu gestalten, dass das Museum selbst als Medium wirkt: «So, dass die Ausstellung selbst Geschichten erzählt.»

Auf diese Weise will der neue Kurator nicht nur die Leute ansprechen, die das Museum bereits kennen – Leuten, die sich bislang kaum oder gar nicht für die Geschichte unseres Tals interessierten, will er zeigen, wie spannend diese ist.

Ein Glücksfall

Dazu brauche es eben weniger einen eigentlichen Historiker, sondern jemanden wie Zünd, einen Fachmann für Museumsgestaltung, betont Paul-Josef Hangartner, der Präsident der Museumsgesellschaft Altstätten. Solche Leute seien rar. Dass man Zünd habe fürs Museum Altstätten gewinnen können, sei darum ein Glücksfall.

Die Neuausrichtung des Museums ist als vierjähriges Projekt ausgelegt. Die Kosten dafür sind mit 400 000 Franken veranschlagt. 130 000 Franken hat die Museumsgesellschaft aus dem kantonalen Lotteriefonds zugesprochen bekommen («Rheintaler» und «Volkszeitung» vom 3. Dezember). 80 000 Franken stellt die Rheintaler Kulturstiftung zur Verfügung, 60 000 Franken (zusätzlich zum jährlichen Beitrag) die Stadt Altstätten. Für das restliche Drittel der Kosten erbringt die Museumsgesellschaft Eigenleistungen.

Danach renovieren

Mit dem Erarbeiten neuer Konzepte ist die Neuausrichtung des Museums Altstätten nicht abgeschlossen. Danach wird man noch die Räume auf einen zeitgemässen Stand bringen müssen. Im Besonderen will man den Nordflügel renovieren. Mit den neuen Konzepten als Argument hofft man das nötige Geld aufbringen zu können.

Es wird allerdings keine vier Jahre dauern, bis Marcel Zünds Wirken spürbar wird. Schon bald möchte er die Geschichte der Textilwirtschaft thematisieren, die für die Industrialisierung des Rheintals wesentlich war. Ein Schwerpunkt wird das Wirken Jacob Rohners sein: Der Rheintaler Stickerei-Pionier soll 2017 Mittelpunkt einer Sonderausstellung im Rahmen eines ostschweizerischen Museumsprojekts sein, an dem sich voraussichtlich acht Museen beteiligen werden.

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