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Mehr Dreck für mehr Fisch?

Die Berufsfischer fordern, dass mehr Gesamtphosphor im Bodensee zugelassen wird, damit mehr Fische in ihren Netzen zappeln. Damit sind die Umweltverbände und der Bund aber nicht einverstanden.
Christoph Zweili
Die Berufsfischer wollen wieder mehr Fische fangen. (Bild: Archiv)

Die Berufsfischer wollen wieder mehr Fische fangen. (Bild: Archiv)

Soll der Bodensee künftig noch sauberer werden oder soll er mit Nährstoffeinträgen produktiver gemacht werden, damit die Berufsfischer wieder mehr fangen? An der Forderung der Berufsfischer rund um den Bodensee von letzter Woche scheiden sich die Geister. Die Umweltverbände WWF und Pro Natura halten nichts von einer Phosphor-Untergrenze.

Berufspatente reduzieren

In den letzten Jahrzehnten seien Milliarden in die Abwasserreinigung investiert worden. «An dieser Stossrichtung gibt es nichts zu ändern», sagt etwa Pro-Natura-Geschäftsführer Christian Meienberger. Der Bodensee sei Trinkwasserreservoir für rund fünf Millionen Menschen. «Dass die Fischer eine bewusste (Wieder-)Verschmutzung des Bodensees fordern, ist zynisch und schlichtweg unverantwortlich», betont er. Es gebe nur einen Weg, damit sie wieder ein gesichertes Auskommen hätten: «Die Anzahl der Berufspatente muss reduziert werden. Dann stehen für den einzelnen Fischer auch wieder genügend Fische zur Verfügung.» Der Kreislauf ist relativ simpel: Im Bodensee ist Phosphor, enthalten in Futtermitteln und Dünger, der wichtigste Nährstoff. Er ist für das Algenwachstum verantwortlich. Gibt es mehr Algen, haben die Fische mehr zu fressen und die Fischer wieder mehr Fische in ihren Netzen.

Taktgeber am Bodensee ist die Internationale Gewässerschutzkommission, die massgeblichen Anteil daran hat, dass es dem See heute besser geht als in den 1960er- und 1970er-Jahren. Auf dem Weg zum naturnahen Zustand wurde als Zwischenziel eine Phosphor-Obergrenze von 30 Milligramm pro Kubikmeter Wasser (1000 Liter) festgelegt. Heute beträgt der aktuelle Wert im Bodensee sieben Mikrogramm Gesamtphosphor pro Liter Wasser.

«Mit dem wirtschaftlichen Aufschwung nach 1945 nahm die Phosphorbelastung der Gewässer aus den Siedlungen, der Industrie und der Landwirtschaft zu», sagt Manuel Kunz, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Bundesamt für Umwelt (Bafu), Abteilung Wasser. Im überdüngten Bodensee wurde 1979 mit rund 87 Mikrogramm Phosphor pro Liter Wasser der Höchstwert registriert. Seit den 1980er-Jahren gehen die Werte wieder zurück, zurückzuführen auf Gewässerschutzmassnahmen, den Ausbau der Abwasserreinigung, das Verbot von Phosphat in Textilwaschmitteln (1986) und die Ökologisierung der Landwirtschaft (ab 1990). Die Schweiz hat im internationalen Vergleich bezüglich Phosphor-Belastung sehr saubere Seen – damit hat sie schon früh eine Vorreiterrolle eingenommen. Laut Kunz sind aber nicht alle Schweizer Seen gesund, «etwa die Mittelland-Seen oder der Zugersee».

«Jeder See ist individuell»

Der Gesamtphosphor-Wert schwankte 2013 von See zu See. Im Genfersee wurden 19,7 Mikrogramm pro Liter gemessen, im Zürichsee 19, im Bodensee 7, im Vierwaldstättersee 5, im Walensee 4 und im nährstoffarmen Brienzersee 3. «Jeder See ist individuell», sagt Kunz. «Einen Einfluss haben Grösse und Volumen des Sees, aber auch der Wasseraustausch in der Tiefe oder die geographische Ausrichtung und vor allem, wie viele Menschen im Einzugsgebiet wohnen, was auch den hohen Wert im Genfersee erklärt.»

Einen gültigen numerischen oberen Grenzwert gibt es beim Gesamtphosphor nicht. Je nach See und Kanton wurden andere Faustregeln festgelegt, mit dem Ziel, «eine höchstens mittlere Produktion der Biomasse zu erreichen. «Heute wird als Ziel ein möglichst naturnaher Zustand definiert», sagt Kunz. «Beim Phosphor orientieren wir uns an der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts, als die Seen noch nicht so belastet waren.» Und beim Fischertrag? «Im Bodensee werden derzeit noch immer mehr Fische als vor 70 Jahren gefangen», sagt Kunz salomonisch.

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