Mehr als ein paar Bier zu viel

ALTSTÄTTEN. Am Dienstag stand ein 28-Jähriger vor dem Einzelrichter, weil er im Januar nach einer durchzechten Nacht mit Restalkohol gefahren war. Es ist sein drittes Vergehen am Steuer – dementsprechend hart fiel das Urteil aus.

Seraina Hess
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«Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Polizei um 11 Uhr an einem Werktag Kontrollen durchführt», sagte der Angeklagte. (Symbolbild: Reto Martin)

«Ich habe nicht damit gerechnet, dass die Polizei um 11 Uhr an einem Werktag Kontrollen durchführt», sagte der Angeklagte. (Symbolbild: Reto Martin)

Als der Industrieanlagen-Mechaniker aus dem oberen Rheintal am 9. Januar kurz nach 11 Uhr seine Wohnung verliess, hatte er Kopfschmerzen. «Mehr nicht, mir war nicht schlecht oder so», berichtete er gestern dem Einzelrichter am Kreisgericht Rheintal. An jenem verhängnisvollen Vormittag stieg er ins Auto, um zu seinem Vater zu fahren, dem er versprochen hatte, auf dem Bauernhof zu helfen. Er rechnete nicht mit der Polizeipatrouille, die ihn noch in seiner Wohngemeinde anhielt und kontrollierte. Weil die Polizisten Alkohol-Mundgeruch feststellten, ordneten sie einen Atemlufttest an, später eine Blutentnahme. Das Ergebnis: 1,36 Promille Blutalkohol.

«Keinen Kater gehabt»

Der Angeklagte gab zu Protokoll, dass er in der vorangehenden Nacht mit der Schwester und dem Schwager in einer Beiz war und zwischen 18 und 5 Uhr dreieinhalb bis vier Liter Bier getrunken hatte. «Genau kann ich mich nicht mehr erinnern», sagte der Mann, «ich zähle für gewöhnlich nicht jedes Spezli, wenn ich ausgehe.» Nach Hause gefahren habe ihn schliesslich seine Schwester – denn nach dieser Menge Alkohol sei er «schon ein bisschen wackelig auf den Beinen» gewesen.

Mehrmals fragte ihn der Richter, was ihn dazu bewogen hatte, am Tag nach der durchzechten Nacht ins Auto zu steigen – ob er vorsätzlich, also in vollem Bewusstsein um seinen Rausch, gefahren sei, oder ob er fahrlässig gehandelt habe. Und mehrmals verneinte der Angeklagte, einen Kater gehabt zu haben. Doch der Richter hakte nach. Denn mit einem Wert von 1,36 Promille Blutalkohol um 11 Uhr vormittags und einem medizinisch definierten Alkoholabbau von 0,1 Promille in der Stunde müsse der Angeklagte in der Nacht zuvor einen Vollrausch gehabt haben. Schliesslich gestand der 28-Jährige, doch von einem gewissen Restalkohol ausgegangen zu sein, aber nicht damit gerechnet zu haben, dass ihn die Polizei genau an jenem Vormittag, einem Freitag, kontrollieren würde.

Die Staatsanwaltschaft, die an der Verhandlung nicht vertreten war, beantragte, den Angeklagten des Fahrens in angetrunkenem Zustand schuldig zu sprechen und ihn zu einer vollziehbaren Freiheitsstrafe von acht Monaten zu verurteilen. Ausserdem seien die Kosten des Verfahrens von ihm zu tragen.

«Bereits genug gestraft»

Die beantragte Strafe würde ihn hart treffen, sagte der Angeklagte dem Richter zerknirscht. Zumal er mit der Kündigung seines Arbeitgebers rechnen müsse, wenn es tatsächlich zu einer Gefängnisstrafe komme. Ausserdem sei er mit dem Führerscheinentzug für zwei Jahre und der stetigen Abgabe von Haarproben für die Wiedererlangung des Ausweises bereits genug gestraft.

Sieben Monate Gefängnis

Nichtsdestotrotz sprach ihn der Richter schuldig und verurteilte ihn zu sieben Monaten unbedingter Freiheitsstrafe. Auch die Kosten des Verfahrens fallen zu seinen Lasten, wobei das Urteil noch nicht rechtskräftig ist.

Der Einzelrichter liess aufgrund der Kooperation des Angeklagten die Haftstrafe nicht ganz so hart ausfallen wie beantragt – sie als bedingt anzuordnen, schien ihm aber nicht angemessen. Denn es war im Januar nicht das erste Mal, dass der Angeklagte wegen Alkohol am Steuer auffiel. Bereits im Alter von 23 Jahren war er nach der Fasnacht mit 1,53 Promille unterwegs, später ein zweites Mal mit 0,95 Promille nach dem Aufenthalt in einem Restaurant. «Die Geldstrafen und Bussen von damals hätten als sogenannter Wink mit dem Zaunpfahl gelten sollen», sagte der Richter. «Die Wirkung der Strafen hat anscheinend zu schnell nachgelassen.»