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Medizinisch gegen falsche Demut

Wer Harn oder Stuhl nicht zurückhalten kann, sieht sich stark eingeschränkt. Dem Problem widmet sich seit zwei Jahren ein Ärzteteam mit intensiver interdisziplinärer Zusammenarbeit.
Gert Bruderer
Das neue interdisziplinär arbeitende Team besteht aus Utta Mahlknecht (Physiotherapeutin), Sascha Hoederath (Oberarzt Chirurgie), die in Rebstein lebende Manuela Brunner (Leitende Ärztin Chirurgie), Beatrix Hämmerle (stv. Chefärztin Gynäkologie) sowie die in Altstätten aufgewachsene und lebende Nicole Keller (Oberärztin Gynäkologie). (Bild: pd)

Das neue interdisziplinär arbeitende Team besteht aus Utta Mahlknecht (Physiotherapeutin), Sascha Hoederath (Oberarzt Chirurgie), die in Rebstein lebende Manuela Brunner (Leitende Ärztin Chirurgie), Beatrix Hämmerle (stv. Chefärztin Gynäkologie) sowie die in Altstätten aufgewachsene und lebende Nicole Keller (Oberärztin Gynäkologie). (Bild: pd)

Es tönt sehr hart – und war es auch: Litt früher jemand im hohen Alter an Inkontinenz, wurde nicht lange gefackelt. Ab ins Altersheim und Windeln umgebunden.

Zum Glück ist diese Zeit vorbei. Ein Tabuthema ist Inkontinenz trotzdem noch. Auf dem Land vielleicht umso mehr, mutmasst Sascha Hoederath, Oberarzt Chirurgie am Spital Grabs. Die Gesellschaft sei allerdings gross­zügiger geworden, offener, verständnisvoller, fügt die leitende Chirurgin Manuela Brunner hinzu. Entwickelt habe sich zudem die Medizin, sodass es heute mehr Behandlungsmöglichkeiten gebe.

Urogynäkologin als Glücksfall

Hoederath und die 1994 nach Balgach zugezogene und heute in Rebstein lebende Manuela Brunner bilden zusammen mit drei weiteren Spezialisten das interdisziplinär arbeitende Team, das seit zwei Jahren den Beckenbodenzirkel am Spital Grabs betreibt. Der ist zwar kleiner als das Beckenbodenzentrum am Kantonsspital St. Gallen, was Hoederath bescheiden sagen lässt, sich so zu nennen, hätte man sich nicht getraut. Zwischen St. Gallen und Chur ist der Zirkel allerdings eine unübertroffene Kooperation mit breitem Behandlungsspek­trum.

Beatrix Hämmerle, die stellvertretende Chefärztin Gynäkologie ist eine von schweizweit 27 Urogynäkologen. Ihr Wirken in Grabs bezeichnet die in Altstätten aufgewachsene und hier lebende Nicole Keller als Glücksfall. Solche Spezialisten seien sonst an Unikliniken und Kantonsspitälern tätig, sagt die Oberärztin Gynäkologie. Hämmerle wiederum gibt zu verstehen, man sehe sich in Grabs keinesfalls in der Rolle von Lokalmatadoren, sondern habe stets jenen Standard im Sinn, der jedem Patienten und jeder Patientin zustehe. Will heissen: Bei Bedarf wird die Creme de la Creme beigezogen, weshalb an gewissen Operationen immer mal wieder ein Facharzt aus einem fernen renommierten Haus beteiligt ist.

Lebensqualität markant erhöhen

Aber zurück zum Thema. Zu Inkontinenz und Beckenbodenproblemen. Zum Beispiel kann Inkontinenz mit einer erfolgreichen Krebsbehandlung einhergehen. Inkontinenz als Nebeneffekt birgt die Gefahr, dass Patienten sich in falscher Demut üben, indem sie denken, das neue Problem sei als das kleinere der beiden Übel hinzunehmen. – Ist es aber nicht.

80 Prozent der Patienten, die eines der Probleme haben, mit denen sich der Beckenbodenzirkel befasst, haben am Ende der Therapie eine befriedigende Lebensqualität. Zumindest könnten Patienten bilanzieren, jetzt kämen sie klar, sagt Sascha Hoederath. Er nennt als Beispiel einen Achtzigjährigen, der dank der Therapie seiner Wanderleidenschaft weiterhin (oder wieder) nachgehen kann.

Seit dem Start vor zwei Jahren hat der Zirkel über 200 Menschen geholfen. Knapp die Hälfte stammt aus dem Wahlkreis Rheintal.

Am Altstätter Spital ist am Freitag stets eine Ansprechperson zugegen. Anders als in St. Gallen haben die Patienten in Grabs den Vorteil, kaum warten zu müssen und eine persönliche Atmosphäre vorzufinden. Um Erfolg zu haben, sind Geduld und die Bereitschaft, mitzuwirken, nötig. Zeit zu haben, sei das Wichtigste, sagt Hoederath.

Erster Fortschritt nach drei Monaten

Die Therapie ist stufenweise aufgebaut. Physiotherapie steht meistens am Anfang, sodann können der Einsatz von Hilfsmitteln (z. B. zur Abdichtung der Blase), die Stimulation von Nerven oder eine Operation zur nachhaltigen Besserung führen.

Ein erster merklicher Fortschritt ist in der Regel nach drei Monaten feststellbar, eine Therapie erstreckt sich bis zu einem halben Jahr. Zur Operation kommt es bei jedem fünften an Inkontinenz leidenden Patienten. Eine Beckenbodensenkung macht dagegen praktisch immer eine Operation erforderlich.

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