Maschinenbauer müssen auch im Rheintal kämpfen

Handelsstreit, Brexit und der starke Franken: Die Situation in der Maschinenbaubranche bleibt angespannt.

Benjamin Schmid
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Sollten die Kapazitätsauslastungen weiter abnehmen, müssten einige Firmen die Kurzarbeit einführen.

Sollten die Kapazitätsauslastungen weiter abnehmen, müssten einige Firmen die Kurzarbeit einführen.

Symbolbild: Trix Niederau (Arbon, 17. Oktober 2006)

Laut dem Swissmechanic-Wirtschaftsbarometer schätzen über 70 Prozent der Maschinen-, Elektro- und Metallindustrie- Unternehmen (MEM) die aktuelle Lage als ungünstig ein. Auch Rheintaler Firmen spüren die Krise in der Automobilindustrie und kämpfen mit Auftragsrückgängen und Umsatzeinbussen. «Die generelle Situation am Maschinenmarkt ist sicher gedämpfter», sagt Patrick Berhalter, Inhaber der Widnauer Berhalter AG. Laut einer Studie der internationalen Unternehmensberatung A.T. Kearney habe sich jedes fünfte Maschinenbauunternehmen über die letzten Monate in eine kritische Lage gebracht. Noch immer hallt der Frankenschock von 2015 in der MEM-Branche nach und drückt auf die Stimmung. Aber auch der nahende Brexit, der Handelsstreit zwischen den USA und China sowie die Umstrukturierung in der Automobilindustrie führen zu einer angespannten Lage: «Es wird immer schwieriger, eine Prognose zu tätigen, da die Kurzfristigkeit stark zugenommen hat», sagt Udo Hutter, Geschäftsleiter der Stephan Hutter AG in Diepoldsau. Die Maschinenbauindustrie sei traditionell stark von aktuellen regionalen und globalen Entwicklungen und konjunkturellen Veränderungen abhängig.

Keine weitere Verschlechterung erwartet

«Wir hatten 2019 ein durchzogenes Jahr mit schlechten, aber auch guten Monaten», sagt Michael Schachtler-Sarri, Geschäftsführer der CMA CNC- Mechanik AG, «aber letztes Jahr war auch ein wirkliches Rekordjahr.» Nachdem die MEM-Branche auf ein gutes Vorjahr zurückblicken konnte, setzte 2019 ein Abwärtstrend ein. In den ersten neun Monaten reduzierten sich die Auftragseingänge um 13,2 Prozent, die Umsätze um 3,7 Prozent und die Exporte um 1,4 Prozent. Der Abschwung erfolgte schnell und massiv: Innerhalb von 15 Monaten kam es beim Bestellungseingang gemäss Swissmem zu einem Volumenverlust von 27 Prozent. «Die Aufträge sind massiv weniger geworden», sagt Udo Hutter, und versprochene Bestellungen werden verschoben.» Immerhin erwarten die Mitglieder von Swissmechanic, dem führenden Arbeitgeberverband für die KMU-MEM-Branche, keine weitere Verschlechterung der Auftragsdynamik. «Die Einkaufsindizien, die eher nach unten schauten, zeigen auch Gegentrends zum Positiven», sagt Patrick Berhalter, «und die Kundennachfrage ist nach wie vor vorhanden.» Ermutigend ist, dass die Unternehmen trotz der angespannten Lage vorsichtig investieren. «Wir haben für nächstes Jahr bereits eine Investition getätigt», sagt Michael Schachtler-Sarri. Ziel sei es, mit der neuen Fertigungsanlage schneller und flexibler auf den Markt und die Kundenbedürfnisse reagieren zu können.

Ein Drittel der Unternehmen plant, 2020 die Produktionskapazitäten auszubauen, nachdem rund 30 Prozent der Investitionen im laufenden Jahr bereits in die Modernisierung der Produktionsinfrastruktur geflossen sind. «Selbstverständlich werden wir 2020 Investitionen tätigen, um unsere erfolgreichen Geschäftsfelder noch stärker am Markt zu positionieren», sagt Patrick Berhalter, während sich Udo Hutter noch nicht ganz sicher ist, in welchem Rahmen Investitionen vollzogen werden. Immerhin meldet auch etwas mehr als ein Viertel der Unternehmen, dass für Zukunftsinvestitionen finanzielle Restriktionen bestehen.

Beschäftigung bleibt stabil

Die negative Entwicklung hat sich bisher noch nicht auf die Beschäftigung ausgewirkt. Allerdings ist es im Verlauf des Jahres zu einer deutlichen Verringerung der Kapazitätsauslastung in den Betrieben gekommen. Lag diese im vierten Quartal 2018 noch bei 91,6 Prozent, sank sie innerhalb von wenigen Monaten auf 83,7 Prozent.

In gewissen Geschäftsfeldern ist die Produktionsauslastung gemäss Patrick Berhalter weiterhin auf einem recht hohen Niveau. Michael Schachtler-Sarri ist trotz durchzogenem Jahr mit der Auftragsentwicklung einigermassen zufrieden: «Wir haben eine gewisse Grundauslastung, aber wir müssen uns auch jeden Monat neu auf dem Markt beweisen.» Für Udo Hutter sehen bei anspruchsvollen Maschinenteilen die Aussichten mittel bis gut aus, während sie bei einfacheren Teilen getrübt seien. Fällt die Produktionsauslastung weiter, könnte es zu einem Anstieg der Betriebe mit Kurzarbeit kommen.

Trotz schwierigem Marktumfeld waren die Voranmeldungen zur Kurzarbeit für das Rheintal gemäss Thomas Oegerli, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Fachstelle für Statistik beim Kanton, in den letzten zwölf Monaten sehr stabil und bewegten sich im Zeitraum September 2018 bis September 2019 zwischen 160 und 180 Mitarbeitenden. «Die Zahl der Betriebe mit Kurzarbeit lag nie über zehn», sagt Thomas Oegerli. Aktuell sei die Zahl der Voranmeldungen etwas höher und liege bei zirka 300 Mitarbeitenden. Wie die Situation Anfang Jahr aussehen wird, lässt sich noch nicht sagen.

«Die Rahmenbedingungen für den internationalen Markt sind sehr herausfordernd», sagt Patrick Berhalter, «das Erfolgsgeheimnis dahinter sind nach wie vor Themen wie Innovation, Digitalisierung und eine hervorragende Mitarbeiterstruktur.» Auch Udo Hutter verortet mögliche Lösungsansätze in der Digitalisierung und Spezialisierung:

«Flexibilität und kurze Lieferfristen, gepaart mit einer hohen Qualität der Maschinenteile, versprechen Erfolg.»