Martin Köppel bleibt optimistisch

AU. Als Präsident von katholisch Au kandidiert Martin Köppel nicht mehr. Ein Nachfolger oder eine Nachfolgerin ist noch nicht in Sicht. Im Interview beschreibt er die schönen Seiten seines Amtes, sagt aber auch, dass es attraktiver sein könnte.

Monika von der Linden
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In seiner Amtszeit erlebte Martin Köppel, wie sich Au, Berneck und Heerbrugg zu verweben begannen. «Wir müssen uns künftig weiter darum bemühen», sagt er. «Und dabei achtsam sein.» (Bild: Monika von der Linden)

In seiner Amtszeit erlebte Martin Köppel, wie sich Au, Berneck und Heerbrugg zu verweben begannen. «Wir müssen uns künftig weiter darum bemühen», sagt er. «Und dabei achtsam sein.» (Bild: Monika von der Linden)

Herr Köppel, nach vier Jahren treten Sie als Präsident der Katholischen Kirchgemeinde Au zurück. Warum gerade jetzt?

Martin Köppel: Ich kann jetzt ein Erbe ohne grosse Pendenzen an eine neue Person weitergeben. Mit der Gründung der Seelsorgeeinheit schlossen wir letzten November eine grosse Aufgabe ab. Die viele Jahre dauernden Bemühungen rundeten wir mit einem guten Ergebnis ab.

Gibt es aktuelle bauliche oder personelle Pendenzen?

Köppel: Nein. Grosse Umbauten sind nicht geplant und Pastoralassistent Mike Chukwuma wird erst in drei Jahren pensioniert.

Zogen Sie für sich eine zweite Amtszeit überhaupt in Betracht?

Köppel: Mit der Annahme der Wahl gab ich ein Versprechen für vier Jahre. Das habe ich Ende Jahr eingelöst – mit Herzblut sowie in einem engagierten, solidarischen und kooperativen Team. Präsident zu sein, ist eine aufwendige Aufgabe. Ich bin selbständig. Positiv daran ist, ich teile meine Zeit selbst ein. Ein Nachteil ist, dass ich einen Teil meiner Arbeitszeit für die Kirche einsetze. Daraus folgen finanzielle Einbussen, die durch Entschädigungen nicht kompensiert werden. Mir passt das gesamte Arrangement nicht mehr.

Das klingt nicht gerade so, als sei das Amt besonders attraktiv.

Köppel: Ich bin überzeugt, eine höhere Entschädigung steigerte die Attraktivität und drängte die schönen Seiten des Amtes nicht so weit in den Hintergrund.

Steht darum kein Präsidentschaftskandidat auf den Auer Stimmzetteln?

Köppel: Wir fragten bis jetzt etwa fünfzehn für das Amt geeignete Personen an. Einige kamen aus dem engeren Kreis der Kirchgemeinde, andere aus dem weiteren. Bei niemandem lässt sich die Aufgabe ins private oder berufliche Leben einbauen.

Sind Sie deswegen enttäuscht?

Köppel: Nein. Ich bin optimistisch und zuversichtlich, das Amt zum 1. Januar übergeben zu können.

Diepoldsau, St. Margrethen, Lüchingen und Berneck waren in der gleichen Situation. Die Kirchbürger zogen die Notbremse und fanden doch noch einen Präsidenten. Stimmt Sie das Vorbild optimistisch?

Köppel: Das Potenzial ist gross an Personen, denen die Kirchgemeinde und die Pfarrei wichtig sind. Wir haben längst noch nicht alle angesprochen. Ich sehe das Interview auch als Chance, mögliche Kandidaten zu erreichen und zu motivieren. Sie dürfen sich gerne bei mir melden: Telefon 071 744 04 15, Mail m.koeppel@bluewin.ch.

Was geschieht, wenn beim zweiten Wahlgang, am 8. November, niemand gewählt wird.

Köppel: Dann ist nicht mehr die absolute, sondern eine relative Mehrheit nötig. Der oder die Gewählte muss natürlich die Wahl dann annehmen. Tritt das nicht ein, schalten wir den Administrationsrat ein. Er setzt dann einen Kurator ein, mit der Aufgabe, die Geschäfte der Kirchenverwaltung weiterzuführen und die Behörden wieder zu vervollständigen.

Wie kann St. Gallen es schaffen, einen Präsidenten zu finden?

Köppel: Der Administrationsrat kann zum Beispiel eine bezahlte Verwaltungsstelle einrichten und damit die Pflegschaft entlasten. Das müssen aber natürlich die Kirchbürger bezahlen.

Wird das Thema Zwangsverwaltung im Moment in Au diskutiert?

Köppel: Bis jetzt wurde ich nicht darauf angesprochen. Ich glaube nicht, dass der Schritt den Leuten bewusst ist.

Benno Zürn ist Vizepräsident, käme er als Präsident in Frage?

Köppel: Er kandidiert wieder für den Verwaltungsrat. Ich weiss aber nicht, ob er auch wieder Vize sein möchte.

Vorhin sprachen Sie von den schönen Seiten des Amtes. Gehen Sie darauf bitte näher ein.

Köppel: Die Kirche besteht nicht nur aus Gebäuden und Gottesdiensten. Sie ist eine Hauptschlagader im Dorfleben, bietet hierfür eine wichtige Plattform: Man trifft sich, macht und hört Musik, lebt Kultur und pflegt Geselligkeit. Viele Menschen holen sich Trost und Stärke oder werden durch Freud und Leid begleitet. All das fördere und ermögliche ich gern, hat mich stets motiviert und zufrieden gemacht. Ausserdem hat jedes Ratsmitglied die Möglichkeit, ein Projekt anzureissen. Der Präsident kann Ideen anschieben und mitgestalten – erst Recht jetzt, da es aktuell keine ausserordentlichen Projekte gibt.

Schreckt die junge Seelsorgeeinheit ab, weil sie Mehrarbeit bedeutet?

Köppel: Es gibt etwas mehr Aufwand, zum Beispiel im Kreisrat. Er übernimmt aber auch Geschäfte der Verwaltungsräte.

Wie hat sich die Seelsorgeeinheit im ersten Jahr entwickelt?

Köppel: Wir verweben uns alle gut miteinander. Jede Seite bemüht sich ehrlich, freundschaftliche Bande zu pflegen. Die Behörden gehen mit gutem Beispiel voran, besuchen sich an Kirchenfesten und treffen sich informell. Die Beziehungen müssen wir künftig achtsam pflegen. Das ist für Au ein wichtiges Projekt. Ich wünsche mir, Berneck und Heerbrugg sehen es genauso.

Glauben Sie, das öffentliche Bild der Weltkirche hat Einfluss auf Au.

Köppel: Ich habe nicht den Eindruck, dass es sich auf die Wahlen niederschlägt. Bei Austritten stelle ich keine Wellen fest, egal ob nach unpopulären Publikationen oder dem Versand der Steuerrechnung.

Was denken Sie über die Haltung der Kirche?

Köppel: Ich identifiziere mich mit der liberalen Haltung des Bistums St. Gallen und seinem Kirchenbild besser als mit dem anderer Bistümer. Aber meine Aufgabe ist, die Verwaltung zu leiten und nicht die Seelsorge.