Marti und die hohe Vorgabe

1156 Teilnehmende, 19 Sieger, 1 glücklicher Viertplatzierter: Der 28. Altstätter Städtlilauf.

Samuel Tanner
Merken
Drucken
Teilen

Adrian Marti waren Anstrengung und Aufregung des ganzen Rennens noch anzusehen, als er im Ziel bei dem Mann stand, dem er die riesigen Erwartungen zu verdanken hatte.

Die Zuschauer durchsuchten das Hauptfeld nach «äm Marti», der ausgerechnet die Startnummer 1 trug. Sie sprachen von seinen Zielen. Und Speaker Robert Schumacher rief während des Rennens in sein Mikrophon: «Da kommt Adrian Marti, der eigentlich Grosses vorhatte!»

Aber eben. Es war Vorjahressieger Christian Kreienbühl, der im Vorfeld sagte: «Ich hoffe, dass Adrian Marti gewinnt. Er ist in einer derart guten Form, ich würde sogar auf ihn wetten.» Nun, nach dem Zieleinlauf, stand Marti neben ihm und sagte: «Deine Aussage hat mich schon ziemlich unter Druck gesetzt.» – «Das war ja auch das Ziel», bemerkte Kreienbühl und grinste.

Erfolg, aber keine Marti-Party

Adrian Marti, 35, aufgewachsen in Altstätten und nun für den TV Oerlikon am Start, nahm am Ende Gratulationen für den vierten Rang entgegen; von der Marti-Party zu sprechen, wäre etwas übertrieben, aber ein Erfolg ist es dennoch.

Marti sagte: «Christian Kreienbühls Vorgabe war ein bisschen zu optimistisch, aber ich bin zufrieden mit meiner Leistung. Die Zeit ist gut, vor allem deshalb, weil ich die letzten vier Wochen hart trainiert hatte.»

Seine Schlusszeit: 27:46,80 Minuten, 90 Sekunden schneller als 2012. Aber nicht schnell genug, um den Afrikanern Paroli zu bieten, die ein horrendes Tempo anschlugen.

Wie im Vorjahr setzten sich die Städtlilauf-Stammgäste Chengere Tolossa und Kadi Nesero ab, damals fokussierten sie sich aber auf den Goldsprint nach der ersten kleinen Runde. Heuer war der Gesamtsieg ihr Plan. Tolossa, der auch schon den GP Bern gewann, landete einen Start-Ziel-Sieg. Im Anschluss an die Siegerehrung erklärte er sein Rennen in knappen Worten: «Es lief grossartig.»

Was sollte er auch weiteres sagen? Er hatte nie einen Läufer vor sich, er bekam ja gar nichts mit vom Rennen der anderen.

In jenem anderen Rennen zeichnete sich aus regionaler Sicht nicht nur Adrian Marti aus. Der Widnauer Tri-Top-Team-Athlet Mathias Nüesch klassierte sich im 15. Rang und gewann die Wertung «Dä schnällscht Rhintaler». Dies ist einer von zwei Spezialpreisen, die in der Hauptklasse vergeben werden – der andere: Der und die schnellste Schweizerin. In der Frauen-Kategorie war die schnellste Schweizerin gleich auch die schnellste überhaupt. Monika Oberlin, die Siegerin von 2009. Sie lief ihr Rennen wie das männliche Pendant Tolossa: Von der Spitze aus, mit einer Konkurrentin im Nacken. «Kbra Kiros lief während des ganzen Rennens einen Meter hinter mir. Ich dachte, dass sie dann in der letzten Runde aufdrehen würde. Ich bin deshalb glücklich, dass dies nicht geschah und ich mich sogar noch entscheidend absetzen konnte.» Oberlin hatte am Ende zwanzig Sekunden Reserve auf Kiros.

Ungefähr sieben Minuten Vorsprung hatte Monika Oberlin auf die schnellste Rheintalerin im Feld: Brigitte Hauser aus Altstätten, Jahrgang 1969. Sie rechnete wohl nicht damit, für ihren elften Rang ausgezeichnet zu werden – auf jeden Fall verpasste sie die Ehrung im Festzelt in der Marktgasse.

Auf dem Podest standen stattdessen Adrian Marti und die Kollegen aus der Hauptklasse der Männer. Vorjahressieger Kreienbühl betrachtete die Szene aus der Distanz, er nahm heuer nicht teil, weil es seine Wettkampfplanung nicht zuliess.

Aber er war für grossen Rummel verantwortlich – auch wenn er an dem Abend Jeans und keine Laufbekleidung trug.