Marihuana verschenken ist verboten

ALTSTÄTTEN. Die junge Frau und Mutter hat zugegebenermassen ab und zu gekifft. Auch mit ihrem Bruder. Jetzt muss sie 500 Franken Busse und 1400 Franken Verfahrenskosten bezahlen. Weil sie ihrem Bruder Marihuana geschenkt hat. Das ist verboten.

René Schneider
Drucken
Teilen
Das Haus Raben in Altstätten, Sitz des Kreisgerichts Rheintal. (Bild: Archiv/sc)

Das Haus Raben in Altstätten, Sitz des Kreisgerichts Rheintal. (Bild: Archiv/sc)

Der Besitz und der Konsum von Kleinmengen von Marihuana oder Haschisch wird in der Schweiz nicht mehr geahndet. Der Handel und auch das Verschenken sind aber strafbar. Gestern verurteilte der Kreisrichter in Altstätten eine 30-jährige Rheintaler Mutter. Sie hat monatlich ein- bis zweimal mit ihrem Bruder Marihuana geraucht, von ihm ab und zu ein bis zwei Gramm Marihuana geschenkt bekommen und ihm manchmal Marihuana geschenkt. Woher sie es hatte, verschwieg sie dem Richter. «Ich will niemanden belasten.» Gegen ihren Bruder und ihren Ex-Freund laufen eigene Verfahren.

Unwissend

Schmerzhaft ist für die Verurteilte (sie ist vor sechs Jahren wegen ihres Ex-Mannes von Deutschland in die Schweiz gezogen), dass sie nicht wusste, dass das Verschenken auch von Kleinstmengen von Marihuana verboten ist. Und dass sie, arbeitslos, mit wachsenden Schulden, mit zwei Kindern in einer gekündigten Wohnung lebend, seit Anfang Jahr praktisch ohne Einkommen ist. Sie weiss nicht, wie sie 500 Franken Busse und 1400 Franken Verfahrenskosten bezahlen soll, sagte sie dem Richter. Wenn sie die Busse nicht bezahlt, muss sie ins Gefängnis.

Der Einzelrichter blieb im Urteil deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, weil die Frau reuig ist, ehrlich in der Untersuchung und vor Gericht war, und (aus Versehen) selber die Justizmühle in Betrieb gesetzt hatte.

Selbstanzeige aus Versehen

Nachdem auch der zweite Partner und Vater des zweiten Kindes sie verlassen hatte, zog die Frau – auch aus wirtschaftlichen Gründen – mit ihrem Bruder zusammen. Der baute (angeblich ohne ihr Wissen) im Keller Marihuana an. Nachdem der Bruder ausgezogen war und die beiden sich verkracht hatten, meldete die Frau die verlassene Hanfanlage der Polizei. «Ich wollte nichts mit der Hanfanlage zu tun haben», begründete sie vor Gericht.

Mildes Urteil

Nach der Verkündung des zwar milderen, aber dennoch für die Frau unbezahlbaren Urteils – mit Kosten von 1900 Franken und einer auf Bewährung ausgesetzten Geldstrafe von 900 Franken – gab ihr der Richter den Rat: «Melden sie sich mit ihren Akten aus Deutschland beim Sozialamt ihrer Wohngemeinde und beantragen sie Alimentenbevorschussung.» Die Frau bedankte sich beim Richter für das milde Urteil und die kostenlose Rechtsberatung am Rand lächelnd und mit einem Handschlag.

Aktuelle Nachrichten