Marias Lobgesang

«Meine Seele macht Gott gross, und mein Geist freut sich an Gott, meinem Heiland.» (Lukasevangelium 1, 46 – 55). So spricht die kleine Maria, minderjährig und schwanger. Sie ist zu ihrer Cousine Elisabeth geeilt, ebenfalls schwanger; sie braucht dringend Unterstützung.

Silke Dohrmann
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«Meine Seele macht Gott gross, und mein Geist freut sich an Gott, meinem Heiland.» (Lukasevangelium 1, 46 – 55). So spricht die kleine Maria, minderjährig und schwanger. Sie ist zu ihrer Cousine Elisabeth geeilt, ebenfalls schwanger; sie braucht dringend Unterstützung. In dieser Begegnung spüren die beiden Frauen: Grosses geschieht mit ihnen und durch sie. Maria hat Visionen – genauso wie Elisabeth, dass ihre kleine Geschichte verwoben ist mit einem grossen, weltweiten Geschehen. Hat ihnen das nicht der Engel offenbart?

Unser Gott schaut auf die Kleinen und macht sie gross. Was er verspricht, das hält er.

Die beiden Frauen freuen sich: Unsere Vorfahren haben auf die Barmherzigkeit Gottes gehofft, sie geht in Erfüllung und wir dürfen es miterleben! «Gott stösst die Gewaltigen vom Thron und erhebt die Niedrigen. Die Hungrigen füllt er mit Gütern und die Reichen lässt er leer ausgehen.» Es gilt nicht mehr das Recht des Stärkeren, sondern Gott sitzt im Regiment: der Gott, der nach allen schaut. Für uns Christen ist Jesus dieser gute Hirte, der sein Leben gibt für seine Schafe. An ihm können sich die weltlichen Hirten, die Regierenden, ein Beispiel nehmen. Und Maria? Sie weiss noch nicht, ob sie Schutz findet als alleinerziehende Mutter oder ob sie verstossen wird. Sie weiss in dem Moment noch nicht, ob Josef bei ihr bleibt.

Elisabeth macht ihr Mut. Drei Monate bleiben die beiden Schwangeren beieinander, und es entsteht ein Gebet, das mir Hoffnung macht.

Es wird nicht alles so aussichtslos bleiben, wie es den Anschein hat. Es lohnt, sich für die Elenden einzusetzen. Eine Erlösung gibt es nur für die ganze Welt und die ganze Schöpfung, das können uns heute auch die Flüchtlingsbewegungen und die Klimaveränderungen lehren.

So spricht Gott also zu Maria und Elisabeth, und später zu ihren Kindern Jesus und Johannes dem Täufer. Gott wird Mensch. Die Hoffnung wird Tat.

Maria hat ein gutes Gespür, eben Geistes-Gegenwart. Wohl deshalb wird sie auch im Islam als Mutter des Propheten Jesus verehrt. Kennen auch Sie eine muslimische Maryam in Ihrer Nachbarschaft?

Und ich frage mich in dieser Adventszeit: Mit welcher Person zusammen schöpfe ich Hoffnung und Mut in verzwickten Situationen? Mit wem wird aus meinem kleinen Ich ein grösseres Wir? Wo und wann spüre ich, dass auch ich wichtig bin im Lauf der Welt, dass meine Kraft gebraucht wird? Und durch wen spricht Gott zu uns – zu mir?

«Meine Seele macht Gott gross, und mein Geist freut sich an Gott, meinem Heiland.»

In dieser Freude wünsche ich Ihnen einen gesegneten vierten Advent.