Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Konto per E-Mail erhalten.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

MARBACH: Jazz trifft auf Klassik

Zum spätestmöglichen Termin für einen Weihnachtsevent, am Abend vor Heiligabend, gaben die beiden Musiker Franz Pfab und Peter Lenzin in der evangelischen Kirche ihr «Classic meets Jazz»-Konzert.
Der «Mann am Klavier», Franz Pfab (l.), und Peter Lenzin mit seinem Saxofon gaben ein überzeugendes Konzert. (Bild: Ulrike Huber)

Der «Mann am Klavier», Franz Pfab (l.), und Peter Lenzin mit seinem Saxofon gaben ein überzeugendes Konzert. (Bild: Ulrike Huber)

Dicht an dicht drängten sich die Zuhörer im ausverkauften Saal der evangelischen Kirche in Marbach. Jazz-Organist und Pianospieler Franz Pfab und der Saxofonist Peter Lenzin gaben mit «Classic meets Jazz» ein aussergewöhnliches Konzert. Ein Konzert, bei dem zwei Könner ihres Fachs ein weiteres Mal bewiesen, wie schön Musik sein kann. Musik, die tief in die Seele dringt. Tatsächlich eine bekömmliche Mischung aus klassischen Stücken und Jazz-Improvisationen. Oder wie Peter Lenzin eingangs bereits ankündigte: «Jeder von uns hat beim Spielen seinen ­Freiraum, man weiss nie, was passiert.»

Abenteuerliche Reise voller Genuss und Improvisation

Was wirklich passierte, war, dass zwei Musiker am Werk waren, die sich in ihren Vortrag vertieften und sich darin oft wie in Trance verloren. Die mit «Der Winter» aus den Vier Jahreszeiten Antonio Vivaldis das Konzert begonnen und sich selbst und das Publikum sofort abgeholt haben auf eine abenteuerliche Reise voller Genuss und Improvisation. Und in einem Ausschnitt aus der H-Moll-Suite von Johann Sebastian Bach ihre Fortsetzung fanden. Faszinierend, wie Peter Lenzin mit einem zur Zeit der Entstehung dieser Kompositionen noch lange nicht existierenden Instrument genau den Grundton, das Gefühl, die Basis dieser Melodien herausschälte und damit spielte. Franz Pfab versteht es wie wohl nur wenige, aus einer Kirchenorgel ein veritables Jazz-Instrument zu machen, gab jeweils die Originalmelodie vor, die dann von Peter Lenzin übernommen und von beiden oft übergangslos in die Improvisation geführt wurde.

Freilich kein harter, echter und für viele nur schwer erträglicher Free Jazz, der da geboten wurde, sondern eine Art easy-listening Lounge-Music. Und wenn dann noch von Franz Pfab der Charlie-Chaplin-Song «Smile», bekannt in der Fassung von Nat King Cole aus dem Jahr 1948, gesungen wurde, spätestens dann fühlte man sich in eine herrlich verrauchte Jazzkneipe der Fünfziger-Jahre irgendwo in New York, New Orleans oder Chicago versetzt.

Optische Aufhellung des Gebotenen mit Naturbildern

Die beiden Protagonisten beschränkten und konzentrierten sich ausschliesslich auf ihre Musik. Scheinwerferlicht oder eine Andeutung von Bühnenbild – Fehlanzeige. Im Halbdunkel einer einzigen funzeligen Lichtquelle spielten die beiden abwechselnd überhaupt im Rücken der Zuschauer oder vor den Besuchern, wobei auch dann der «Mann am Klavier», Franz Pfab, dem Zuschauerraum den Rücken zukehrte. Einzig die auf einer Leinwand gezeigten Naturbilder von Christian Fitze waren verantwortlich für eine optische Aufhellung des Gebotenen. Wobei diese Bilder in ihrer wohl bewussten Reduziertheit und Schlichtheit eine ungeheure Kraft ausstrahlten. Einsame Höfe in karger Winterlandschaft, eisige Seen, gewaltige Gebirgszüge und Nahaufnahmen von Schiefer- und Gesteinsplatten bildeten die manchmal opulente Begleitung der gespielten Stücke.

Gerhard Huber

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.