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MARBACH: Freiwilligen Kompetenzen abgeben

Michael Kontzen ist Pfarreibeauftragter von St.Georg. Ab August ist er einer von zwei Mitarbeitern im Personalamt des Bistums. Das Verständnis von Seelsorge müsse sich ändern, sagt er.
Monika von der Linden
Viviane Keel (links) und Anouk Bucher kommen auf Michael Kontzen zu und planschen mit ihm im Dorfbrunnen. (Bild: Monika von der Linden)

Viviane Keel (links) und Anouk Bucher kommen auf Michael Kontzen zu und planschen mit ihm im Dorfbrunnen. (Bild: Monika von der Linden)

Monika von der Linden

Seit drei Jahren ist Michael ­Kontzen Pfarreileiter in Marbach. Im Juli verlässt er das Rheintal wieder. Er wechselt ins Personalamt im Ordinariat des Bistums St. Gallen, dessen Leiter Peter Lampart ist. Weiter wird der in Herzogenrath bei Aachen aufgewachsene und seit zwölf Jahren in der Schweiz lebende Theologe mit kleinem Pensum als Seelsorger in Engelburg wirken.

Der Kirchenverwaltungsrat bedauert Ihren Weggang sehr. Warum gehen Sie dennoch?

Kontzen: Aus dem Personalamt des Bistums bekam ich einen Anruf. Mir wurde mitgeteilt, dass man es gern sähe, träte ich Norbert Hochreuteners Nachfolge an als Mitarbeiter der Personalabteilung. Der Vorschlag warf mich zunächst aus der Bahn.

Worin bestand Ihr Konflikt?

Ich wollte nicht nur kurz bleiben. Es hätte mir gefallen, weiter hier zu arbeiten. Denn es sind viele Menschen in der Pfarrei sehr aktiv. Mir gefällt, dass sie eigen­verantwortlich agieren. So kann ich mehr Energie in neue Ideen einbringen, wie kürzlich beim Pfingstprojekt des Kirchenchors.

Was gab Ihrem Entscheid den Ausschlag?

Ich bin seit zwölf Jahren in der Seelsorge tätig. Mich reizt die Gelegenheit. Jetzt freue ich mich auf die neue Aufgabe.

Sie werden Kirchgemeinden darin unterstützen, bei einer Vakanz die Seelsorgestelle neu zu besetzen. Warum ist das nötig?

Wegen des dualen Systems der katholischen Kirche. Das Personalamt ist die Schnittstelle der Entscheidungsträger. Der Bischof ist verantwortlich für die Pastoral. Er erteilt seinen Seelsorger/innen mit der Missio ihren Auftrag in einer Seelsorgeeinheit oder verweigert ihn. Die Verwaltungsräte stellen den Arbeits­vertrag ihrer Mitarbeitenden aus und kümmern sich um Finanzen und Infrastruktur ihrer Kirchgemeinde. Ohne den bischöflichen Auftrag wird niemand Pfarrer oder Pastoralassistent/in in einer Seelsorgeeinheit, aber auch nicht ohne die Zustimmung der Kirchgemeinden.

Die Bistumsleitung spricht nicht mehr nur vom Priestermangel, sondern vom Seelsorgermangel. Kann die Kirche weiter machen wie bisher?

Die Pastoral oder das Verständnis von Seelsorge muss sich ändern. Wollen wir uns nicht zurückziehen, müssen wir lernen, Kompetenzen abzugeben und Verantwortungen neu zu verteilen. ­Dieser Prozess beginnt bei den Seelsorgern.

Sollen Priester Macht abgeben?

Geweihte und nicht geweihte Seelsorger müssen den Freiwilligen mehr Kompetenzen zubilligen. Wir Seelsorger sollten überdenken, ob wir immer nur Leute für vorgegebene Aufgaben suchen wollen. Man kann auch ­anders denken: Schauen wir zuerst, welche Talente die Menschen im Dorf haben, dann ergeben sich mögliche Projekte aus den Bedürfnissen und Fähigkeiten der Leute.

Wie sollen Freiwillige es leisten, Aufgaben zu übernehmen, für die es keine bezahlten Seelsorger mehr gibt?

Wir Profis sollten uns fragen, was wir dazu beitragen können, Freiwillige zu befähigen. Schon heute wächst Neues, wenn Freiwillige ihre Fähigkeiten einbringen und Verantwortung übernehmen dürfen, etwa in unseren Diakonie-Projekten eggPunkt und Asyltreff. Sie gäbe es ohne Freiwillige nicht. Der Blick in die Zukunft stimmt mich daher nicht pessimistisch.

Sind Sie froh um die Personalkrise im Bistum, weil sie ein Umdenken einfordert?

Gott sei Dank tickt die Kirche nicht mehr so wie vor hundert Jahren. Sie muss immer wieder nach neuen Wegen suchen. Aber gerade jetzt tut ihr der Anstoss gut.

Nennen Sie bitte ein Beispiel, bei dem solch ein Umdenken erfolgreich war?

Die Firmung ab 18 einzuführen, war ein mutiger Schritt. Es gab viel Gegenwehr, weil manche Leute befürchteten, es würden nicht mehr alle Jugendlichen gefirmt. Das Konzept hat sich bewährt, weil wir junge Menschen in ihrem Glauben stärken und sie darin fördern, eine Glaubensentscheidung zu fällen. Das ist besser, als das Sakrament der Firmung wie mit einer Giesskanne zu verteilen.

Will sich die Kirche nur noch um überzeugte Mitglieder kümmern?

Nein. Wir sind nicht nur für treue Seelen da. Wir müssen auch für jene ansprechbar bleiben, die punktuell unsere Begleitung suchen.

Welche Meinung haben Sie von der Amtskirche?

Papst Franziskus hört den Menschen zu und nicht nur den Kardinälen. Wenn der Papst die Weltkirche zum Gespräch einlädt, muss ich als Ortsseelsorger erst recht den Menschen im Dorf zuhören.

Was ändert sich bei Ihnen mit dem Stellenwechsel?

Erstmals bin ich an meinem Wohnort nicht der Pfarreiverantwortliche. Ich werde in der Seelsorgeeinheit eine andere Rolle haben als hier und dort nur 30 Prozent arbeiten. Die übrige Zeit bin ich im Ordinariat und im Bistum unterwegs.

Abschied ist am Sonntag, 9. Juli, 10 Uhr in der katholischen Kirche.

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