Marbach
Ein Traum ist geplatzt: Studentin Luisa Kobelt macht Internationales Home Schooling statt Studium in Hongkong

Statt in Hongkong studiert die 22-jährige Luisa Kobelt zurzeit online. Von Marbach aus nimmt sie an Kursen der Uni Amsterdam teil.

Benjamin Schmid
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Obschon ihr Traum vom Mobilitätssemester geplatzt ist, hat Luisa Kobelt ihr Lachen nicht verloren.

Obschon ihr Traum vom Mobilitätssemester geplatzt ist, hat Luisa Kobelt ihr Lachen nicht verloren.

Bild: pd

«Seit ich mich im Frühjahr 2019 an der Pädagogischen Hochschule St.Gallen angemeldet habe, freute ich mich auf das Mobilitätssemester», sagt Luisa Kobelt aus Marbach. Alles war geplant. Die Anmeldung an die Education University of Hongkong war versandt, das Visa bestellt, die Unterkunft organisiert und erste Kurse geplant.

Wegen der Pandemie hat es trotz Zusage vonseiten der Universität nicht geklappt. «Ich war sehr enttäuscht», sagt die 22- Jährige, «aber angesichts der weltweiten Massnahmen zur Eindämmung der Pandemie zweifelte ich bereits im Sommer an der Durchführbarkeit meines Auslandsemesters.»

Auf das Leben in einer Millionenstadt gefreut

Ursprünglich wollte sie schon im Dezember nach Hongkong reisen, um sich auf das Anfang Januar startende Semester vorzubereiten und sich an das Leben in der Grossstadt zu gewöhnen. Von einer Kollegin, die vor zwei Jahren in Hongkong ein Mobilitätssemester absolviert hat, wusste Luisa Kobelt, dass in der Millionenstadt der Grossteil auf Englisch angeschrieben sei. «Ich hätte aber sicher einen Chinesisch-Kurs besucht», sagt die Studentin, «wenn nicht dort, wo dann?»

Während der Planung sei ihre Abenteuerlust geweckt worden und sie habe sich darauf gefreut, neue Menschen mit anderen Kulturen kennenzulernen. Besonders reizvoll erschien es, den Lebensmittelpunkt vom beschaulichen Marbach in die 7,5 Millionen Einwohner grosse Megastadt am südchinesischen Meer zu verlagern. «Bestimmt wäre es eine grosse Umstellung gewesen», sagt Luisa Kobelt, die in ihrer Freizeit in der Scharleitung der Jubla Altstätten tätig ist.

«Ich hätte mich einem allfälligen Kulturschock gestellt und gewusst, die Vorzüge einer Millionenmetropole für mich nutzen zu können.»

Nebst dem Besuch von Museen, Galerien und anderen Kulturstätten wollte sie in den Alltag und das Brauchtum der einheimischen Bevölkerung eintauchen. Als angehende Lehrerin hätte sie sich auch für das Schulsystem im Fernen Osten interessiert. «Trotz der angespannten politischen Lage freute ich mich auf die Menschen, das Essen und die vielen Erfahrungen, die ich hätte sammeln können», sagt sie.

Trotz verspäteter Nomination angenommen

Dass Luisa Kobelt nun statt an der Education University of Hongkong an der Amsterdam University of Applied Sciences immatrikuliert ist, sei nur ein schwacher Trost. «Immerhin fand ich in Absprache mit dem International Office der PHSG eine Universität, die mich trotz verspäteter Nomination angenommen hat», sagt die Marbacherin.

Aber bisher blieb ihr die physische Teilnahme am Universitätsleben verwehrt. «An zwei Tagen habe ich je fünf Stunden online Unterricht», sagt die Studentin, «in der restlichen Zeit bin ich mit Vor- und Nachbereitungen, Hausaufgaben und Lernen beschäftigt.» Für die Fächer Methodology, Assessment, Language Skills und Cross Cultural Education wendet die 22-Jährige je vier bis acht Stunden pro Woche auf. Und statt Chinesisch lernt sie nun Niederländisch.

Luisa Kobelt sagt:

«Natürlich würde ich mich gern mit meinen Klassenkameraden treffen, um im Amstelpark spazieren zu gehen. Aber auch online lerne ich neue Leute und andere Kulturen kennen.»

Noch habe sie die Hoffnung, zu einem späteren Zeitpunkt nach Amsterdam reisen zu können, nicht verloren.

Sollte es nicht klappen, wird sie ihr Studium ohne Mobilitätssemester abschliessen müssen: «Nur im vierten Semester haben wir die Möglichkeit, an einem Studentenaustausch teilzunehmen», sagt die Marbacherin. Während einige ihrer Mitstudentinnen und Mitstudenten nach Schweden oder Frankreich reisen konnten, studieren andere im Distance-Learning von der Schweiz aus. «Und nochmals andere mussten das Mobilitätssemester ganz absagen. Das wäre noch frustrierender gewesen», sagt Luisa Kobelt.