Marbach ab Herbst ohne Metzgerei

Einst gab es in Marbach neun Geschäfte, Ende des Jahres bleiben noch fünf. Eine Metzgerei ist ab Oktober nicht mehr dabei. Lorenz und Esther Benz bedienten am Pfingstsamstag in ihrer Metzgerei zum letzten Mal die Kundschaft. Eine weitere Metzgerei schliesst im Oktober, altershalber.

Angelika Rieger
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Metzgerei geschlossen: Lorenz und Esther Benz bedanken sich bei ihrer Kundschaft für die Treue, die sie all die Jahre erfahren durften. (Bild: Angelika Rieger)

Metzgerei geschlossen: Lorenz und Esther Benz bedanken sich bei ihrer Kundschaft für die Treue, die sie all die Jahre erfahren durften. (Bild: Angelika Rieger)

Marbach. Ursprünglich hat Lorenz Benz die Metzgerei an der Rietstrasse 3 zusammen mit seiner Mutter Rosa Benz geführt. Am Pfingstsamstag war sie zum letzten Mal geöffnet.

Neue Perspektiven

Es war eine kurzfristige Entscheidung. «Eigentlich wollten wir noch bis Ende Jahr weitermachen und uns dann zurückziehen», erklärt Lorenz Benz. Weil er aber kurzfristig eine neue Anstellung in Berneck gefunden hat, hiess es reagieren. Denn zur Ruhe setzen kann er sich erst in sechs Jahren. Nach 39 Geschäftsjahren, davon 32 mit seiner Frau Esther, hat er seine Metzgerei geschlossen. Fünf Lehrlinge hat er während dieser Zeit ausgebildet.

Gute Gründe

So schwer es ist, die Metzgerei aufzugeben, fällt Lorenz Benz doch eine Last von der Schulter. Er hat gute Gründe, seine Metzgerei zu schliessen. «Das Einkaufsverhalten der Gesellschaft hat sich grundlegend verändert», gibt er an. «Die meisten Leute kaufen ihr Fleisch gleich dort, wo sie die restlichen Einkäufe tätigen.» Die Konkurrenz der Grossverteiler und Tankstellenshops sei schon lange spürbar und werde immer stärker. «Der Kuchen ist immer gleich gross, doch die Stücke werden kleiner», meint Benz.

Einen weiteren Grund nannte Lorenz Benz mit den immer strenger werdenden Vorschriften für Verkauf und Produktion. Hätte er weitergemacht, müsste er in die Erneuerung der Produktionsräume investieren. Das lohnt sich nicht, denn es gibt keinen Nachfolger, der das Geschäft hätte weiterführen können. «Es ist bedauerlich, auch für die Kunden», erklärt Benz, «zumal viel Leben aus dem Dorf verschwindet, wenn es immer noch weniger Detaillisten gibt. Doch viele Kunden konnten unsere Entscheidung nachvollziehen.» Es war hauptsächlich die Stammkundschaft und seine Verwandtschaft, auf die Lorenz Benz bis zum Schluss zählen konnte.

Immer präsent

«Dieser Kontakt wird uns fehlen», meint Lorenz Benz. Andererseits sieht er in einer geregelten Arbeitszeit eine neue Herausforderung, auch fürs Privatleben. «Für die Kundschaft waren meine Frau und ich sechs Tage die Woche immer präsent», erklärt er. Hauslieferungen und Partyservice waren zusätzliche Dienstleistungen. Bis vor sieben Jahren hat Lorenz Benz noch selber geschlachtet und an Qualitätswettbewerben vom Schweizer Metzgermeisterverband manche Auszeichnung nach Hause gebracht.

Verändertes Kundenverhalten

Früher war es Charaktersache, den Läden im Dorf Sorge zu tragen. Heute ist das Lädeli-Sterben in der ganzen Schweiz verbreitet. Wo vor 50 Jahren viele Einkäufe in Fachgeschäften getätigt wurde, erobern die Grossverteiler heute grosse Marktanteile. Einst gab es in Marbach drei Metzgereien, drei Bäckereien, zwei Lebensmittelgeschäfte und eine Käserei. Alle hatten ihr Auskommen. Übrig geblieben sind neben einer Gärtnerei und einem Blumengeschäft zwei Bäckereien, ein Lebensmittelgeschäft und eine Metzgerei im Oberdorf. Doch auch deren Tage sind gezählt. Wenn sie im Oktober altershalber schliesst, muss Marbach ganz ohne Metzgerei auskommen.

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