Manche Not kommt aus dem Vergleich

Am letzten Montag hat die Schule wieder begonnen. Und in allen Schulhäusern, egal ob Primarschule oder Oberstufe, hat es neben den weitergeführten Klassen auch wieder neue Einstiegsklassen mit neuen Lehrer- und Schülerkonstellationen gegeben.

Jens Mayer Pfarrer In Balgach
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In eine Klasse hineinkommen heisst, sich in ein neues Gruppengebilde einfügen. (Bild: Archiv/Monika von der Linden)

In eine Klasse hineinkommen heisst, sich in ein neues Gruppengebilde einfügen. (Bild: Archiv/Monika von der Linden)

Am letzten Montag hat die Schule wieder begonnen. Und in allen Schulhäusern, egal ob Primarschule oder Oberstufe, hat es neben den weitergeführten Klassen auch wieder neue Einstiegsklassen mit neuen Lehrer- und Schülerkonstellationen gegeben. Und für viele Buben und Mädchen ist diese Neukonstellation eine echte Hürde. «Sind die anderen wohl nett?», «Werden da wohl viele Angeber oder Tussis sein?», «Sind alle anderen wieder grösser als ich?» oder «Hoffentlich bin ich nicht der Dümmste in der Klasse!» sind nur einige Fragen, Zweifel und Hoffnungen, die den Kindern und Jugendlichen so durch den Kopf gehen.

In eine Klasse hineinkommen heisst, sich in ein neues Gruppengebilde einfügen. Und das geschieht häufig, indem man sich mit den anderen vergleicht und versucht, sich möglichst gut zu positionieren, weil man bestimmte Personen beeindrucken möchte oder auch manche hinter sich lassen will. Dabei verbiegen sich Schülerinnen und Schüler nicht selten entgegen ihrem eigentlichen Naturell, weil dieses scheinbar nicht so opportun in der Klasse ist. Da wird versucht zu beeindrucken mit Dingen, die man nicht mag, es wird der Kleidungsstil angepasst, der vielleicht besser ankommt als die Lieblingsklamotten, da wird eine Leidenschaft verschwiegen, weil sie in den Augen der anderen vielleicht nicht hip oder cool genug ist. Und im schlimmsten Fall wird man dann auch noch mit dieser Leidenschaft aufgezogen oder gehänselt. Schulalltag heisst für einige Kinder und Jugendliche auch immer eine Art von Doppelleben zu führen.

«Manche Not kommt aus dem Vergleich», so heisst ein Lied des deutschen Pfarrers und Liedermachers Clemens Bittlinger. In diesem Lied wirft er einen Blick darauf, wie wir uns immer wieder dazu verleiten lassen, uns mit «den falschen Menschen» zu vergleichen, statt für das dankbar zu sein, was wir von Gott in unserem Leben mit unseren Talenten geschenkt bekommen haben.

Nicht alle, aber manche Not kommt aus dem Vergleich. Und ich hoffe, dass nicht alle Kinder und Jugendlichen das neue Schuljahr mit neuen Vergleichsnöten füllen, sondern dankbar sein können für das, was ihnen in diesem Sommer geschenkt worden ist. Und vielleicht schaffen es einige dann, vergleichsfrei auf den Neuen oder die Neue zuzugehen, die von anderen bisher links liegen gelassen worden sind. Denn nicht nur der coole Massentrend zählt in einer Klasse, sondern jede und jeder Einzelne ist wichtig, weil nur so ein gutes Klassengefüge entstehen kann.