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Magischen Ort geschaffen

RHEINECK. Nach zehn Jahren ist Lydia Spirigs Traum in Erfüllung gegangen: Sie hat den Keller des Waisenhauses renoviert und zu einem einzigartigen Kult- und Kulturraum ausgebaut, der bei der Einweihung Staunen und Bewunderung auslöste.
Maya Seiler
Die geladenen Gäste spürten die Magie des Ortes, über dessen Geschichte Erstaunliches zu hören war. (Bilder: Maya Seiler)

Die geladenen Gäste spürten die Magie des Ortes, über dessen Geschichte Erstaunliches zu hören war. (Bilder: Maya Seiler)

Am Samstag öffnete Lydia Spirig etwa 60 Gästen das imposante Tor zum Gewölbekeller des alten Waisenhauses. Der Raum mit den eindrücklichen Proportionen lag beinahe im Dunkeln, nur ganz hinten drang Licht aus zwei Maueröffnungen. Und dahinter erlangten die Besucher einen Blick auf das grosse Geheimnis des Kellers, über dessen Entdeckung Lydia Spirig zum Abschluss der Einweihungsfeier selber berichtete.

Das Spiel der beiden Jazzmusiker Peter Bodmer, E-Piano, und Hanspeter Zbinden, Saxophon, offenbarte die akustischen Qualitäten des gewölbten Raums. Für Lydia Spirig und die weiteren Redner war es kein Problem, sich ohne Mikrophon Gehör zu verschaffen. Stadtpräsident Hans Pfäffli zeigte sich in seiner Begrüssung äusserst erfreut, dass der Öffentlichkeit mit der Renovation des Waisenhauskellers in Rheineck ein weiteres Kleinod zur Verfügung steht.

Geschichte teilweise im Dunkeln

In spannenden Worten berichtete Pierre Hatz, kantonaler Denkmalpfleger, über die wechselhafte Geschichte des historischen Gebäudes, die nicht in allen Details bekannt ist. Gesichert ist, dass das Haus von einer Familie Indermaur erbaut wurde. Kurz nach 1600 war der Gerber Hans Indermaur von Berneck nach Rheineck gezogen, wo er sein Gewerbe erfolgreich fortführte.

Einen gesicherten Hinweis auf das spätere Waisenhaus gibt es erst 1720; aber man nimmt an, bereits Mitte des 17. Jahrhunderts habe ein Indermaur den Keller des Hauses als Gerbe genutzt. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts wurde das Gerberhandwerk eingestellt. 1762 erlebte Rheineck die grösste Überschwemmung der Geschichte. Kurz darauf kam es zu einer grossen Hungersnot; die Stadt kaufte das frühere Gerberhaus und nutzte es als Waisenhaus.

Auf speziellen Wunsch Lydia Spirigs sang Bea Sander in Erinnerung an das oft schwere Schicksal dieser Waisen den ergreifenden Jazzsong «Sometimes I feel like a motherless child, a long way from home» (manchmal komme ich mir vor wie ein mutterloses Kind, weit weg von zu Hause).

Gegen alle Vernunft

Dann berichtete Lydia Spirig von den letzten zehn Jahren: Für das Gebäude des Waisenhauses hatte sich die Besitzerin und Restauratorin der alten Landschreiberei schon lange interessiert.

1999, als die Ortsgemeinde das leerstehende Haus zum Verkauf anbot, schaute sie sich aus reiner Neugier im einzigartigen Baudenkmal um. Sie erlebte einen magischen Moment, als sie durch einen Spalt des imposanten Tors einen Blick in den Gewölbekeller werfen konnte. Das Gebäude fand keinen Käufer, und schliesslich entschloss sich Spirig gegen alle Vernunft, das Waisenhaus zu kaufen. Eine Restauration des Kellers lag finanziell nicht drin. Aber die Magie der Lokalität liess die Besitzerin nicht los.

Sie wagte sich nochmals an eine Sanierungsaufgabe; vor einem Jahr sprach die Raiffeisenbank den nötigen Kredit von 200 000 Franken.

Eindrückliche Proportionen

Nun begann eine arbeitsintensive, spannende Zeit: Der Keller war eine dunkle dreckige Höhle, verbaut durch einen riesigen Öltank und einen Heizraum, voll gestellt mit Gerümpel. Erst leer geräumt zeigten sich seine eindrücklichen Proportionen.

Lydia Spirig erwartete eine weitere Überraschung: Die hintere, feuchte Abschlusswand barg ein Geheimnis: Nach dem Entfernen von vermoderten Ziegeln kam ein schmaler Raum zum Vorschein, den das ständig herabrieselnde Wasser in eine feucht glänzende Tropfsteinhöhle verwandelt hatte.

Mit der Renovation hat Spirig das Wunder vollbracht, aus dem Waisenhauskeller einen Raum für Konzerte, Ausstellungen, Hochzeiten; zum Feiern, Theaterspielen, Essen und Trinken zu schaffen.

Die Lokalität kann man stunden- oder tageweise mieten. Die Magie des Ortes wird durch die ursprünglichen Baumaterialien, angenehmes Licht und einen geheizten Boden unterstrichen.

Die Einweihung fand mit geladenen Gästen statt; am kommenden Wochenende steht der Gewölbekeller allen Interessierten offen.

Ein Tropfstein als grosse Überraschung für Lydia Spirig.

Ein Tropfstein als grosse Überraschung für Lydia Spirig.

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