Männer nicht willkommen

Sie organisieren das Frauenfest, das heute um 19 Uhr im Metropol in Widnau stattfindet: Anna Dietsche von der Fachstelle Integration St. Galler Rheintal, Olivia Köppel und Gabriela Spirig.

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Integration ist ein Schwerpunkt des Frauenfestes. Ist sie überhaupt noch nötig bei Migrantinnen im Alter von 25 bis 60 Jahren?

Anna Dietsche: Ja, das ist sie. Integration ist ein lebenslanger Prozess.

Olivia Köppel: Das stimmt. Von der Integration sind aber nicht nur Migrantinnen betroffen: Viele Schweizerinnen sind nicht in das Gemeindeleben integriert. Dieses Problem gibt es also auch auf einer viel kleineren Ebene und ist nicht in einem gewissen Alter plötzlich passé.

Dass viele Migrantinnen zu wenig in die Gesellschaft eingegliedert sind, ist aber nicht der Fehler der Schweizerinnen, oder?

Anna Dietsche: Nein, Schuld daran tragen sie nicht. Aber wenn Schweizerinnen ausländischen Mitbürgerinnen gegenüber verschlossen sind, bekommen diese keine Chance, sich in unserem Land vollkommen zu integrieren.

Auf dem Flyer des Festes ist auf den ersten Blick ersichtlich, dass der Anlass von der Fachstelle Integration getragen wird. Schreckt diese Tatsache die Frauen ab?

Gabriela Spirig: Das kann schon mal passieren. Als ich eine Freundin zum Fest einlud, meinte sie nur: «Ich bin genug integriert, das brauche ich nicht.» Ich finde, das ist die falsche Einstellung, denn neben der Integration stehen auch die zwischenmenschlichen Beziehungen im Vordergrund.

Es geht also nicht nur um Integration.

Anna Dietsche: Nicht nur. Die Fachstelle Integration hat die Trägerschaft des Rheintaler Frauenfestes übernommen, da dieses auf niederschwellige Weise Begegnungen zwischen Schweizerinnen und Migrantinnen fördert. Um neue Verbindungen zu knüpfen, ist ein solcher Anlass optimal. Um nur Integrationsarbeit zu betreiben, wäre das Fest aber nicht die richtige Plattform.

Olivia Köppel: Mir geht es bei dieser Veranstaltung um die Freude am Beisammensein und die Tradition. Die Arbeit im OK ist für mich sehr spannend, weil nicht nur verschiedene Nationen aufeinandertreffen, sondern auch unterschiedliche Generationen. Das Wir-Gefühl, das dabei entsteht, ist unglaublich.

Weshalb sind Männer nicht erwünscht?

Anna Dietsche: Das ist das Konzept des Festes. Es ist nicht so, dass Frauen mit anderem kulturellem Hintergrund nicht mit Männern feiern dürfen. Es ist einfach schön, ab und zu unter Frauen zu sein.

Olivia Köppel: Wenn ich mich mit meinen Freundinnen treffe, dann sind unsere Männer auch nicht immer dabei. Wir schätzen es, ungestört zu plaudern.

Ist Rassismus ein Thema, über das die Migrantinnen am Frauenfest diskutieren?

Anna Dietsche: Das kann ich nicht beurteilen, da ich nicht an jedem Tisch sitze. Wahrscheinlich ist das Mutter-Dasein aber eher ein Gesprächsthema, das viele verbindet.

Gabriela Spirig: Oder das Essen! Rezepte werden immer gerne ausgetauscht. Gerade das grosse Buffet mit den verschiedenen landesspezifischen Speisen zeigt, wie vielfältig unsere Küchen sind. Eine Schweizerin, die das Fest im letzten Jahr besuchte, sagte mir einmal: «Man muss nicht weit reisen, um verschiedene Kulturen kennenzulernen; das kann man auch in Widnau am Frauenfest.»

Interview: Seraina Hess

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