Männer an die Staubsauger

Die Wirtschaft ruft die Frauen zurück ins Berufsleben, auch in die Unternehmensleitungen. An einer Veranstaltung des Arbeitgeberverbands des Rheintals und des Weiterbildungszentrums Rorschach-Rheintal diskutierte man gestern, was es braucht, um alte Rollenbilder zu überwinden.

Max Tinner
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Der Sekretär und die Karrierefrauen, von links: Arbeitgeber-Verbandssekretär Thomas Bolt, Cyndie Allemann, Simone Mächler-Fehr, Antonia Eppisser, Carmen Oehler, Christina Schönenberger, Nicola Wurster-Eichmann, Priska Jansen. (Bild: Max Tinner)

Der Sekretär und die Karrierefrauen, von links: Arbeitgeber-Verbandssekretär Thomas Bolt, Cyndie Allemann, Simone Mächler-Fehr, Antonia Eppisser, Carmen Oehler, Christina Schönenberger, Nicola Wurster-Eichmann, Priska Jansen. (Bild: Max Tinner)

ALTSTÄTTEN. Die Berufsbildung in der Schweiz ist top, sowohl für Männer wie für Frauen. Berufstätig sind danach aber deutlich mehr Männer als Frauen – über alle Altersklassen. In Anbetracht des Fachkräftemangels ist es ein Anliegen der Wirtschaft, nicht berufstätige Frauen zurückzuholen – auch in die Unternehmensleitungen. Eine Veranstaltung des Arbeitgeberverbands Rheintal AGV und des Weiterbildungszentrums Rorschach-Rheintal WZR gestern am Berufsschulzentrum in Altstätten hob hervor, welche Vorzüge Frauen den Unternehmen bieten, und machte deutlich, was sich ändern muss, damit mehr Frauen ins Berufsleben zurückkehren.

Viele würden gerne arbeiten

Ein Hindernis ist das gerade im Rheintal tief verwurzelte Rollenbild von der Frau am Herd und dem Mann, der das Geld nach Hause bringt. Dabei würden viele Frauen gerne wieder arbeiten, sagte Priska Jansen, Verwaltungsrätin und Geschäftsleitungsmitglied der Jansen AG in Oberriet. Dazu müssten die Männer zu Hause im Haushalt aber mehr mithelfen. «Leider sind viele Männer dazu nicht bereit», meinte sie bedauernd. Zugeständnisse brauche es auch seitens der Unternehmen; im Besonderen die Möglichkeit der Teilzeitarbeit, nicht nur für Frauen, sondern auch für Männer – eben damit diese mehr Zeit der Familie widmen können. Die Jansen AG fördere dies, sagte Priska Jansen. Lohngleichheit sei in ihrem Unternehmen zudem seit jeher gegeben. Schon unter ihrem Grossvater habe sich der Lohn der Mitarbeitenden nach der Funktion und nicht nach dem Geschlecht gerichtet.

Frauen sind schlechte Männer

Frauen haben es allerdings oft schwerer als Männer – weil sie sich immer wieder von Neuem beweisen müssen. Priska Jansen machte Mut, ans eigene Können zu glauben und dabei ganz Frau zu sein: «Versucht eine Frau, ein guter Mann zu sein, wird sie zweite machen – Frauen sind schlechte Männer.»

Diese Erfahrung hat auch Antonia Eppisser gemacht: «Alles, was ich anpackte, wollte ich zu 200 % perfekt machen», stellte die Marketingfachfrau fest. Das habe sie ausgelaugt und an die Grenzen des Zusammenbruchs gebracht. Heute gehe sie die Dinge mit Gelassenheit und Zufriedenheit an – und ist dabei nicht minder erfolgreich. Sie führt ihre eigene Marketingagentur und ist daneben Leiterin des neuen Lehrgangs am WZR, welcher Geschäftsfrauen fit machen will für Führungsaufgaben in einem KMU.

Der Lehrgang ist ein Bedürfnis, ist WZR-Leiter Michael Meier überzeugt. Dies liegt auch an einer Besonderheit von Frauenkarrieren: «Während jene von Männern geplant und gradlinig sind, sind Frauenkarrieren oft Zickzackkarrieren», meinte Nicola Wurster-Eichmann (Victoriadruck) im Gespräch mit Christina Schönenberger (SFS), Carmen Oehler (Elektro Oehler) und Simone Mächler-Fehr (Fehr Agentur und Haubensak Weine). Das kann freilich auch ein Vorteil sein: Plane man zu viel, verbaue man sich auch viel, erklärte Christina Schönenberger. Oft bringe es mehr, das Leben zu nehmen, wie es kommt, und einfach die Gelegenheiten zu ergreifen, die sich einem bieten.

Mit Gefühl Männer überholen

Das hat auch Cyndie Allemann getan, die als Autorennfahrerin die schnellsten Männer hinter sich lässt. «Wenn wir in dem, was wir tun, erfolgreicher sind als die Männer, so liegt das vor allem an einem: Wir tun es mit mehr Gefühl», meinte sie in ihrem Impulsreferat und ermunterte, an sich zu glauben und die eigenen Leistungen nicht gering zu schätzen.